Kita in Kamp-Lintfort setzt auf Inklusion

Serie Kitas in Kamp-Lintfort : In der Kleinen Oase sind alle gleich

Schwerpunkt: Inklusion. In der katholischen Kindertagesstätte an der Rundstraße 116 im Gestfeld gibt es drei integrative Gruppen. Die Erzieher fördern das freie Spiel der Kinder.

Morgens um 9 Uhr ist Kinderkonferenz in der „Kleinen Oase“ an der Rundstraße. Dann treffen sich die Mädchen und Jungen aus der Mäuse-, Nilpferd- und Bärengruppe im Morgenkreis und besprechen, wie sie den Tag verbringen wollen. Sie dürfen in der katholischen Kindertagesstätte im Gestfeld nach Herzenslust turnen, forschen, bauen, basteln und malen. Es stehen verschiedene Räume zur Verfügung. „Wenn das Wetter schön ist, verlegen wir unsere Bildungsräume einfach ins Freie“, betont Kita-Leiterin Melanie Börner. Zusammen mit ihren Kollegen fordert sie die Kinder zum freien Spiel auf. Situatives Arbeiten, nennt sie das. „Wir greifen die Themen der Kinder auf, und holen sie dort ab.“

Die „Kleine Oase“ ist Teil des Familienzentrums St. Josef im Verbund mit vier weiteren Kitas der katholischen Kirchengemeinde. Die fünf Einrichtungen arbeiten eng zusammen, gründeten ein Familienhilfezentrum lange, bevor das Land NRW Familienzentren zu etablieren begann. Seit 2008 ist der Kita-Verbund auch offiziell ein vom Land gefördertes Familienzentrum. Für die „Kleine Oase“ erhält der Verbund sogar Extra-Fördermittel wegen herausfordernder Aufgaben: Schwerpunkt in der „Kleinen Oase“ ist die Inklusion. Der Leitspruch der Einrichtung lautet deshalb: „Jeder ist einzigartig - zusammen sind wir besonders.“ Bereits im Jahr 1997 wurde an der Rundstraße eine erste integrative Gruppe eingerichtet. Heute beherbergt die Kita drei integrative Gruppen mit 53 Kindern, davon haben zwölf eine Behinderung. Dementsprechend ist die Mitarbeiterschaft ausgebildet. Neben den Erzieherinnen betreuen Heilpädagogen, Heilerziehungspfleger und weitere Fachkräfte mit Zusatzausbildungen, zum Beispiel in Motopädie und Marte Meo, die Kinder. Damit nicht genug: Die Kita engagiert weitere Experten wie Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten, die ins Haus kommen. Seit 2008 betreut die Einrichtung Kinder mit Behinderung ab dem zweiten Lebensjahr. „Wir hatten zuvor an einem Modellprojekt des Landes teilgenommen“, berichtet Melanie Börner. Es kommt regelmäßig eine Lehrerin von der Schule für Hören und Kommunikation zur Rundstraße. Auch die Einrichtung selbst ist auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet. „Wir haben hier eine ganz andere Ausstattung als Regelkindergärten“, erläutert die Leiterin.

Vor fünf Jahren investierte die Kirchengemeinde eine Millionen Euro in die Modernisierung und in einen Anbau. „Es wurde einmal alles von links auf rechts umgekrempelt. Unser Haus ist seitdem barrierefrei. Es gibt nun einen extra Pflegebereich mit einem behindertengerechten WC, Therapieräume und eine schöne große Turnhalle. Jede Gruppe hat einen eigenen Pflegebereich mit Duschen und Wickelkommoden“, betont Leiterin Melanie Börner.

Im Speiseraum essen die altersgemischten Gruppen wie in einer Familie zusammen. Das Essen liefert ein Caterer aus Rheinberg. In der großen Halle treffen sich die Kinder zum Morgenlob und zum gemeinsamen Singen. Dass es sich um eine katholische Einrichtung handelt, stellt man in den Räumen nicht gleich fest. „Wir feiern mit den Kindern alle Feste“, sagt Susanne Hausmann. „Ansonsten erleben sie die Religion vor allem im christlichen Miteinander.“ In den Sommerferien steht ein großes Projekt an: Die Kinder ziehen für kurze Zeit in die Kita St. Barbara um. In der Kleinen Oase wird renoviert: Der Altbau bekommt einen neuen Bodenbelag.

Die Kita Kleine Oase hat montags bis freitags von 7.15 bis 16.15 Uhr geöffnet. Es besuchen ausschließlich 45-Wochen-Stunden-Kinder die Einrichtung im Gestfeld.

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