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Kino-Absage in Kamp-Lintfort ist hausgemacht

Unsere Woche in Kamp-Lintfort : Kino-Absage in Kamp-Lintfort ist hausgemacht

Nach der Absage der Kino-Eröffnung am Donnerstag wird die „Hall of Fame“ erst 2019 eröffnet. Die Bauherren können in Ruhe alle beanstandeten Mängel beheben.

Liebe Kinofans,
eigentlich war die am Donnerstag geplatzte Eröffnung der Hall of Fame in Kamp-Lintfort ja doch vorhersehbar. Bauherren und Betreiber des Kino-Neubaus haben in den letzten 2018er-Tagen auf volles Risiko gesetzt, um wie versprochen das Haus vier Tage vor Weihnachten für das Publikum zu eröffnen – wohl wissend, dass am selben Tag die finale Bauabnahme stattfinden würde. Das war ziemlich ambitioniert, wie das gesamte Bauprojekt überhaupt. Aktionismus geht aber bekanntlich selten gut aus. Und so ist die Pleite am Ende hausgemacht, die herbe Enttäuschung mancher Kinofreunde ebenso, die sich bereits Karten fürs Weihnachtswochenende besorgt hatten. Also bitte keine Schuldzuweisungen in andere Richtungen. Was nutzt es, ein spielbereites Kino zu haben, wenn darin die Sicherheit der Besucher nicht gewährleistet ist. Brandschutz geht immer vor, auch wenn es verschiedene Sichtweisen gibt, was nun relevant ist oder nicht. Zumal mehr Mängel im Neubau festgestellt worden sein sollen als die nicht funktionierende Verbindung zwischen Alarmanlage und zentralen Meldeanlage des Kreises. Es ist gut, dass sich die städtischen Gutachter bei der entscheidenden Bauabnahme nicht vom Enthusiasmus, Herzblut und Elan der Kino-Macher haben anstecken oder gar selbst unter diesen bewusst gewählten Termindruck haben setzen lassen.

Wohin das führen kann, ist wohl jedem klar. Die Stadt als Aufsichtsbehörde hatte keine andere Chance, als die Betriebsgenehmigung nicht zu erteilen. Und das ist gut so und wichtiger als volle Kinokassen an den Weihnachtsfeiertagen. Auch wenn der Betreiber das Geschäft verständlicherweise gerne mitgenommen hätte. Das verstehen zum Glück auch die Kinobesucher in Kamp-Lintfort. In den sozialen Medien zeigen sich die meisten Kommentatoren gelassen und haben Verständnis. Sie werden auch 2019 gerne für sieben volle Kinosäle sorgen, sich in D-Box-Motion-Seats durchrütteln lassen und das modernste Kino weit und breit genießen. Etwas mehr Besonnenheit wäre deshalb wünschenswert gewesen. Es bleibt immerhin die Einzigartigkeit dieses Projektes, in dem sich hiesige Investoren aus cineastischer Begeisterung für die Realisierung eines in Kamp-Lintfort lang gehegten Wunsches trotz aller Hürden stark gemacht haben. Solch ein großes Engagement erlebt man nicht überall. Frohe Weihnachten.

anja.katzke@rheinische-post.de