Kiesabbau in Kamp-Lintfort: Eine Bank als Zeichen des Protests

Kiesabbau in Kamp-Lintfort : Eine Bank als Zeichen des Protests

Die IG Dachsbruch hat in ihrem Kampf gegen den Kiesabbau symbolische Unterstützung erhalten.

Ein paar Bänke und Stehtische, mehrere Sonnenschirme, eine Tisch mit Suppentöpfen und Tellern für das Mittagessen boten bei strahlendem Sonnenschein an der Geraden Straße 104 ein friedliches Bild – auf den ersten Blick. Denn wer die Infowand mit Sätzen wie „Getreide statt Kies“ oder „Stoppt den Wahnsinn“ und die wehende Fahne der IG Dachsbruch ausmachen konnte, dem war klar, dass es um mehr als nur ein nettes Beisammensein am Wickrather Feld ging. Als Anlass für das Treffen der Kiesgegner diente eine besondere Spende der Kamp-Lintforter Grünen, die eine Sitzbank zur Verfügung gestellt hatten.

„Wir wissen ja worum es hier geht“, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Rat, Johannes Tuschen. „Die Bank ist ein Zeichen des Bestandes und dafür gedacht, dass man einen wunderschönen Blick hat auf das, was ausgekiest werden soll.“ Das Wickrather Feld habe nicht nur Bindungswirkung für C02, sondern sei neben der Leucht der einzige noch existierende „Frischluftkorridor für Kamp-Lintfort“, den es zu erhalten gelte.

Da komme dann halt der Niederrheiner als „sturer Kerl“ daher und „stellt eine Bank hin und betoniert sie auch noch ein“, ergänzte der Grünen-Ortsverbandssprecher Stefano Heitmann. Er nennt die Bank „eine wundervolle Form des Protestes.“ Man wolle auch noch in Jahrzehnten dort sitzen, sagt er. „Jeder, der hierher kommt, wird damit an das Vorhaben erinnert.“ Auch Marion Kempken von der IG Dachsbruch begrüßte das symbolische Zeichen. Das Ganze sei dann ein Art „Sit-in, nur gemütlicher“, sagte sie. „Wir müssen den Kiesunternehmen weiter etwas entgegensetzen. Unsere Argumente werden mit solchen Formulierungen wie ,Baggern ist Bio’ in Grund und Boden getreten. Das ist und bleibt dann ein Baggerloch, was dem Grundwasser schadet.“ Der Niederrhein sei ausgekiest, machte Kempken klar. „Wenn noch etwas gerettet werden soll, muss jetzt etwas passieren.“ Sie verwies auf die Pferdewirtschaft, die Agrarflächen, den Euregio-Reitweg. „Man vernichtet hier Flächen auf ewig.“

Kies werde sicher in Zukunft noch gebraucht, „aber da muss man vernünftig mit den Menschen und der Natur umgehen“, unterstrich auch Theo Rams, einer der Köpfe der 500 Menschen starken Initiative, das Anliegen der Kies-Gegner. „Wir haben 12.000 Menschen, die hinter uns stehen“, sagte er und verwies auf die Unterschriftenliste gegen der Kiesabbau. Nach 1998 und 2008 sei es das dritte Mal, dass man vor Ort gegen den Kies kämpfen müsse. „Warum wird so etwas in den Regionalplan wieder aufgenommen?“ , lautete seine Frage an den Regionalverband Ruhr.

Die Kiesindustrie wolle sich die Flächen nur langfristig sichern – und das nun auf 25 Jahre statt auf 20 Jahre, was die schwarz-gelbe Landesregierung mit ihrem Votum mit unterstütze. „Die Regierung ist da der Erfüllungsgehilfe“, empörte sich der Grüne Heitmann. Eigentlich müsse die Politik den Kiesbedarf ermitteln, die Menge vorgeben – und daran müsste sich die Industrie halten.

Klar sei auf jeden Fall, dass man den Regionalverband Ruhr als genehmigende Behörde noch einmal besuchen und die 12.000 gesammelten Unterschriften übergeben werde, so IG-Sprecher Ries. Selbstverständlich setze man auch auf die Klage der Kommunen gegen den Landesentwicklungsplan. Damit werde man es aber nicht bewenden lassen. „Unser Einspruch liegt vor. Und wir werden selbst gegen den RVR klagen, auf jeden Fall“, machte Ries deutlich.

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