Kein Erzieher-Mangel in Kamp-Lintfort

Serie Kitas in Kamp-Lintfort : Elf neue Erzieher für die Kindergärten

Während andere Städte in NRW über fehlendes Personal klagen, hat die Stadt Kamp-Lintfort alle freien Stellen besetzen können. Jugenddezernent Christoph Müllmann ist zufrieden. Die Stadt bildet selbst Erzieher aus.

Immer mehr Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen fehlt es an Fachkräften. Die Träger finden nicht genügend Erzieher, um der steigenden Zahl von Kinder je Einrichtung gerecht zu werden. Wie sieht die Situation in Kamp-Lintfort aus?

Müllmann Ja, ich höre das ebenso von Kollegen im Städte- und Gemeindebund. Im Raum Düsseldorf / Neuss konnten Träger eine neu gebaute Kita nicht eröffnen, weil sie im Vorfeld nicht ausreichend Personal gefunden haben. Das war ein besonders drastischer Fall. Als Stadt Kamp-Lintfort nehmen wir keinen Erzieher-Mangel wahr. Wir konnten bislang alle ausgeschriebenen Stellen besetzen und stellen dieses Jahr zum 1. August elf neue Mitarbeiterinnen und zwei Erzieherinnen aus dem Anerkennungsjahr ein.

Wie erklären Sie es sich, dass die Stadt von der Problematik bislang verschont geblieben ist?

Müllmann Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Erzieher bei uns nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt werden. Das ist natürlich sehr attraktiv. Die Stadt bildet außerdem nicht nur selbst aus, sondern sorgt auch für vernünftige Fortbildungen. Und wer sich wohlfühlt, der bleibt auch gerne.

Was glauben Sie sind die Ursachen für die angespannte Personalsituation in vielen Kindertagesstätten?

Müllmann Ein Grund ist sicherlich der ausgeweitete Rechtsanspruch der Eltern auf einen Kita-Platz. So besteht ab Vollendung des ersten Lebensjahres ein Rechtsanspruch, ab dem dritten Lebensjahr ein gesetzlicher Anspruch auf Förderung in einer Kindertagesstätte. Für die Betreuung einer deutlich höheren Anzahl an Kindern werden dementsprechend nicht nur mehr Plätze, es wird auch mehr Personal benötigt. Seit einigen Jahren werden außerdem wieder mehr Kinder geboren. Die meisten Städte müssen zurzeit neue Kindertagesstätten bauen oder neue Gruppen eröffnen.

Sie haben die gestiegene Geburtenrate angesprochen. Wie sehen heute die Zahlen in Kamp-Lintfort in Vergleich zu vor zehn Jahren aus?

Müllmann Vor zehn Jahren wurden in unserer Stadt 273 Mädchen und Jungen geboren. Vor fünf Jahren waren es 262. Heute kommen wir zur Halbjahreszahl bereits auf 345 Kinder. Der Tiefstand lag vor einigen Jahren bei 250.

Und wie steht es um die Erzieher-Kind-Relation. Um wie viele Kinder kümmert sich ein Betreuer?

Müllmann Das hängt jeweils von verschiedenen Faktoren ab. Der Betreuungsschlüssel ändert sich beispielsweise, wenn Integrationskinder oder Kinder unter drei Jahren die Einrichtung besuchen. Im Durchschnitt betreut jedoch eine Vollzeitkraft acht bis zehn Kinder.

Welche Qualifikationen müssen Erzieher mitbringen, um in Kamp-Lintfort eingestellt zu werden?

Müllmann Wir erwarten einen Abschluss als Erzieher mit staatlicher Anerkennung, gerne mit Zusatzqualifikationen. Außerdem achten wir auf Eigenschaften wie Sozialkompetenz und Teamfähigkeit. Wer bei uns seine Ausbildung mit Erfolg abschließt, hat eine Einstellungsgarantie. Wir bilden pro Jahr zwei bis drei junge Leute zu Erziehern und Erzieherinnen aus.

In Ihren Kindertagesstätten arbeiten etwa 100 Mitarbeiter. Wie hoch sind die jährlichen Aufwendungen im städtischen Etat?

Müllmann Die jährlichen Aufwendungen für den Betrieb aller Kindertagesstätten (nicht nur der städtischen Kitas, sondern auch der freien Träger) belaufen sich dieses Jahr auf rund 3,3 Millionen Euro. 2019 werden es 3,9 Millionen Euro sein.

Die Stadt zahlt auch Personalkostenzuschüsse an die freien und kirchlichen Träger, warum?

Müllmann Die Finanzierung für den Betrieb von Kindertagesstätten regelt das Kinderbildungsgesetz. Es sah früher eine Drittel-Finanzierung vor, die sich auf Träger, Kommune und Land verteilte. Mittlerweile hat sich die Finanzierungsverantwortung zugunsten der Träger und zu Lasten vor allem der Kommunen verschoben.