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Kamp-Lintfort: Kamper Konzerte öffnen die Herzen der Zuhörer

Kamp-Lintfort : Kamper Konzerte öffnen die Herzen der Zuhörer

Musikfreunde erlebten einen Klavierabend mit dem Pianisten Dinis Schemann aus Portugal.

Ein reiner Klavierabend steht bei den Kamper Konzerten selten auf dem Programm. Daher hatte der künstlerische Leiter der Konzertreihe, Alexander Hülshoff, das Konzert mit dem aus Portugal stammenden Pianisten Dinis Schemann als ein "besonderes Kleinod" angekündigt. Mit einem klassisch-romantischen Programm, das zwei Sonaten Beethovens und Schuberts Impromptus op. 90 verband, war "tief berührende Musik" zu erwarten, gespielt von einem Künstler, dessen Interpretationen als "mitreißend, leidenschaftlich, spannend vom ersten bis zum letzten Ton" gerühmt werden.

Seinem Renommee als ein in der Tradition von Eduard Erdmann und Walter Gieseking stehender Meisterpianist wurde Dinis Schemann auch in Kamp gerecht. Mit einer interessanten Einführung in die Musikgeschichte nahm er sein Publikum mit in das Musikleben Wiens im 18. Jahrhunderts. "Wien - eine Hochburg der Kultur! Wer hat nicht alles da gelebt!" Schemann schilderte die Verbindungen zwischen Musikern und Mäzenen, die auch im 18. Jahrhundert schon von großer Bedeutung waren. "Eigentlich", erklärte er, "waren die Mäzene der Grund, warum Beethoven sich entschloss, nach Wien zu gehen." Seine Beschreibung des Klaviertitanen zeugt von Respekt und Verehrung: "Er konnte sich hinsetzen, spielen und die Herzen der Menschen öffnen."

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Und genau das machte auch Dinis Schemann: spielen und die Herzen der Zuhörer öffnen. Er begann mit Beethovens Sonate op. 10 Nr. 1, der "kleinen" c-Moll-Sonate. In ihrer Kürze und Prägnanz, von allem in der klaren Struktur des Adagios zeigte sich Schemanns faszinierende Fähigkeit, die Zuhörer durch die Transparenz seines Spiels zu betören. Der sorgsam dosierte Pedaleinsatz prägte auch die folgenden Schubert-Impromptus, die, natürlich und virtuos gespielt, in ihrer Vielfalt an harmonischen und klanglichen Farben glänzten und auch durch die Tiefe der Empfindungen und Stimmungen berührten. Eine kleine Vorahnung auf die Leidenschaft der "Appassionata" war im zweiten Impromptu zu vernehmen, in dem immer wieder hinter liebenswürdigen Gesten eine gewaltige Dynamik hervorbrach, die im Beethoven-Finale ihren Höhepunkt fand: dramatisch, düster, voll unbändigen Temperaments. Schemann meisterte den Balanceakt zwischen größer emotionaler Gespanntheit und straffem kontrolliertem Tempo mit einer überzeugenden Souveränität.

(prs)