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Kampagne: „Keine Bioplastiktüten in die Biotonne“ in Kamp-Lintfort.

Abfallentsorgung in Kamp-Lintfort : Kampagne: „Keine Bioplastiktüten in die Biotonne“

Die Kommunen im Kreis Wesel und das Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof machen bei der Aktion „wirfuerbio“ mit.

„Die meisten Besucher sind ganz überrascht, wenn sie hören, sie dürfen Bioplastiktüten nicht in die Biotonnen werfen“, erzählt Cornelia Bothen. Sie ist beim Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und führt Besucher rund um den Müllofen mit dem 150 Meter hohen Kamin, der in Kamp-Lintfort an der Autobahn A 57 liegt. „Viele Besucher haben ein gutes Gewissen, wenn sie zu Hause Gemüsereste, Obstschalen oder Kaffeesatz in biologisch abbaubaren Kunststoffbeuteln sammeln.“

Dieses gute Gewissen sei aber falsch, erläutert Peter Bollig als Geschäftsführer der Kreis Weseler Abfallgesellschaft: „Wir wissen nicht, ob es ein Plastiksack aus biologisch abbaubarem oder normalem Kunststoff ist. Deshalb holen die zwei Mitarbeiter, die am Förderband zur Kompostanlagen stehen, alle Kunststoffsäcke heraus. Sie öffnen sie nicht und leeren sie nicht einzeln aus, weil das zu aufwendig ist. So gelangen die Kunststoffsäcke mit Bioabfall in die normale Verbrennung. Das ist teurer.“

Geschätzt sind es rund ein Drittel der Küchenabfälle, die in Plastiktüten in den Biotonnen landen. „Der Anteil bei den Küchenabfällen lässt sich kaum ermitteln“, sagt der Geschäftsführer. „Wir kennen nur den Gesamtanteil. Von den 48.000 Tonnen Bio- und Grünabfall, die im Jahr angeliefert werden, sind über 5500 Tonnen Störstoffe. Manchmal ist es der Salat, der etwas angefault ist, und mit der Kunststoffverpackung in die Biotonne geht, manchmal sind es auch Windeln oder Bauschutt.“

Um den Anteil dieser Störstoffe zu reduzieren und damit die Qualität des erzeugten Komposts zu erhöhen, schließen sich der Kreis Wesel sowie seine 13 Städte und Gemeinden der Kampagne „wirfuerbio – Kein Plastik in die Biotonne“ an. Diese startete 2018 in 23 Kreisen und großen Städten in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. „Langsam rollt die Kampagne nach Süden“, berichtet Cornelia Bothen. „Mit uns schließen sich zahlreiche Kreise im Münsterland an.“ Am Freitag stellten die Kreis Weseler Abfallgesellschaft sowie die Abfallberater der Städte und Gemeinden im AEZ Asdonkshof vor, wie sie die Kampagne bei sich umsetzen wollen. Meistens nutzen sie mehrere Werbe- und Informationskanäle, zum Beispiel die ASG Wesel. „Wir werden mit Plakaten arbeiten“, zählte Abfallberaterin Andrea Krebber auf. „Wir stehen auf dem Wochenmarkt, um zu informieren und unbeschichtete Papiertüten abzugeben.“ Andere Kommunen wollen in den Sozialen Netzwerken und auf ihren Abfallkalendern darauf hinweisen, Küchenabfälle nicht in Plastiksäcken zu sammeln, sondern in unbeschichteten, hellbraunen Papiertüten. „Diese Tüten werden natürlich nass und sind öfter zu wechseln“, sagte Bollig. „Das ist ihr Nachteil. Aber sie sind abbaubar.“ Die Kampagne soll dauerhaft sein, auch mit Blick auf die Vergärungsanlage, die am AEZ Asdonkshof im Frühjahr 2021 in Bau und Ende 2022 in Betrieb gehen soll. Dann will das AEZ Asdonkshof mehr Bioabfall verarbeiten, den es aus dem Kreis Viersen beziehen will.