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Kamp-Lintfort: Youtuberin „Chrisi“ für Preis nominiert

Social Media in Kamp-Lintfort : Youtuberin „Chrisi“ für Preis nominiert

In diesem Monat hat Christiane Stark die Chance, einen Nachwuchspreis zu gewinnen. Sie behandelt gesellschaftliche und politische Themen in selbst produzierten Videos. Zu Hause in Kamp-Lintfort hat sie ihr eigenes Studio.

Die Wohnung von Christiane Stark ist nicht besonders groß. Trotzdem reicht der Platz für ein kleines Aufnahme-Studio und einen Schnittplatz, an dem die Youtuberin ihre Videos produzieren kann. Arbeitet sie gerade nicht an ihrem Kanal „Chrisi“, kann das Studio zur Seite geräumt werden und aus dem Schnittplatz wird ein normaler Schreibtisch.

Seit 2014 hat die 24-Jährige über 200 Videos auf ihrem Kanal veröffentlicht. Am Anfang kostete sie das noch Überwindung: „Ich brauchte erstmal etwas Zeit, um mich zu trauen, ein Video von mir ins Netz zu stellen.“ Mittlerweile ist sie aber so geübt in der Produktion von Youtube-Videos, dass sie bereits zum dritten Mal in Folge für den Youlius-Award nominiert ist.

Die Auszeichnung durch den gemeinnützigen Verein zur Förderung der Webvideokultur wird seit 2017 an kleine deutsche Kanäle verliehen. Um sich für den Award zu bewerben, darf ein Youtuber nicht mehr als 10.000 Abonnenten haben. Der Verein möchte die Kanäle nicht nur auszeichnen, sondern ihnen zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen und sie fördern.

„Ich glaube, ich hab schon immer gerne Videos gemacht“, erzählt Christiane Stark zu den Ursprüngen ihrer Youtube-Karriere. Als Kind habe sie sich vor der Kamera ihres Vaters als Moderatorin geübt. 2013 besuchte sie die Video Days, eines der größten Youtube-Festivals Europas. „Damals war Youtube in Deutschland noch eine richtige Community“, erzählt Stark. „Ich wollte dazu gehören und zwar als aktiver Teil.“

Das Wissen über Video-Produktion hat sie sich im Laufe der Jahre angeeignet. Geholfen hat ihr dabei auch Youtube selbst: „Es gibt einige Kanäle, die das erklären.“ Auch ihr Equipment hat sie mit der Zeit ausgebaut. Eine gute Kamera mit einem Stativ, eine Studioleuchte für das richtige Licht, ein gutes Mikrofon und ein Laptop, der genug Leistung für das Schneiden der Videos hat – das ist ihre Grundausstattung. Das Praktische daran: Die Ausrüstung kann Stark auch für ihr Studium gebrauchen. Sie studiert im fünften Semester Information and Communication Design.

In ihren ersten Videos ging es viel um Comedy und teilweise auch um Musik. Mittlerweile beschäftigt sich „Chrisi“ mit politischen und gesellschaftlichen Themen. „Das Interesse dafür hat sich schleichend entwickelt“, sagt die Youtuberin. Mit der Zeit habe sie das Verständnis entwickelt, „dass Politik überall ist“.

Die Themen wählt sie vor allem danach aus, was für sie im Alltag interessant ist. Viel Zeit und Aufwand hat sie zum Beispiel in ein Video gesteckt, in dem sie erklärt, was sie an Artikel 13 und der dahinter stehenden EU-Urheberrechtsreform stört. Dieses Video brachte ihr die Youlius-Award-Nominierung ein. Im Vorfeld der Aufnahme musste Stark viel recherchieren, um ihren Zuschauern die Thematik genau erklären zu können. Grundsätzlich geht sie davon aus, dass sie pro Video-Minute mindestens eine Stunde Arbeit investiert.

Früher hat sie mindestens einmal pro Woche ein neues Video hoch geladen. „In den letzten zwei Jahren klappt das nicht mehr so gut.“ Das liege unter anderem an anderen Verpflichtungen durch Studium und Nebenjob. Auch die Jury des Youlius-Award hat ihr den Tipp gegeben, dass sie häufiger etwas veröffentlichen müsste, um ihren Kanal vergrößern zu können. Momentan hat sie rund 900 Abonnenten. Sie freut sich besonders dann, wenn ihre Videos auch über die Grenzen ihrer Abonnenten hinaus geklickt werden. „Jeder möchte Aufmerksamkeit für seine Videos.“

Für das kommende Jahr hat sie sich bereits einiges vorgenommen. „Ich gehe ins Auslandssemster. Danach ist hoffentlich noch genug Geld übrig, dass ich mir eine neue Kamera holen kann.“ Auch thematisch hat sie schon etwas voraus geplant. „Ich arbeite an einem Video zum Tempolimit. Da habe ich die meisten Fakten zu, jetzt muss ich schauen, wie ich das sortiere, damit das für die Zuschauer spannend bleibt.“ Auch das Thema Umwelt möchte sie in ihrem Kanal mehr aufgreifen.

Die Video-Produktion ist ein wichtiges Hobby für sie. Und so soll es auch bleiben. Chrisi hat nicht das Ziel, sich vollberuflich mit Youtube zu beschäftigen. Das sei zu unsicher und stressig. „Ich würde den Spaß daran nicht verlieren wollen“, sagt sie.