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Kamp-Lintfort: Wieder Fuß fassen im Berufsleben

Jobperspektiven in Kamp-Lintfort : Wieder Fuß fassen im Berufsleben

Nick Pawlowski aus Kamp-Lintfort hat vom Teilhabechancen-Gesetz profitiert. „Ich bin im ersten Arbeitsmarkt angekommen“, sagt der 44-Jährige. Eine entscheidende Rolle habe die Unterstützung durch einen Coach gespielt.

Wieder Fuß fassen im Berufsleben, auch nach längerer Arbeitslosigkeit und Bezug von Jobcenter-Leistungen, das ist das Ziel des Teilhabechancengesetzes. Bereits seit 2019 können Arbeitgeber Förderungen für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen bekommen, Arbeitnehmer dadurch die Chance für einen Wiedereinstieg erhalten. Michael Müller, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Wesel, und Angela Preuß, zuständig für die Jobcenter in linksrheinischen Teil des Kreises Wesel, erklärten bei einem Pressetermin in Kamp-Lintfort die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet.

16.000 Menschen würden insgesamt im Kreis Leistungen beziehen, diese Zahl sei auch relativ konstant. Rund 300 hätten bisher von der Förderung aus dem Gesetz profitiert. Die Arbeitgeber kämen aus unterschiedlichen Branchen, wie zum Beispiel Gartenbau, Hotel- und Gaststätten, Einzelhandel, Logistik oder Pflege. Es könnten noch gerne noch viel mehr werden, so der Wunsch von Müller und Preuß. Besonders Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Familien sollen profitieren. Die Förderung umfasst auch die Möglichkeit für Qualifizierungen und Weiterbildungen. „Wer in den letzten fünf Jahren Arbeitslosengeld II erhalten hat, dessen Lohn wird in den ersten zwei Jahren zu 100 Prozent übernommen. In dieser Zeit können sich Arbeitgeber und Mitarbeiter aneinander gewöhnen“, so Müller. Wünschenswert, aber nicht Pflicht sei, dass die Person anschließend übernommen werde.

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Eine entscheidende Rolle spiele dabei die Unterstützung durch einen Coach, der dem Arbeitnehmer an die Seite gestellt werde, erläuterte Preuß. Denn viele Menschen hätten mit Ängsten zu kämpfen, bräuchten Rückenstärkung bei Konflikten und auch Beratung bei der Beantragung weiterer Förderungen, die ihnen zustehen. Auch für Nick Pawlowski war das Coaching extrem hilfreich. Der 44-jährige Kamp-Lintforter erzählte seine Geschichte, die durch das Förderprogramm von Erfolg gekrönt wurde. Ein ermutigendes Beispiel, denn heute sagt Pawlowski: „Ich bin im ersten Arbeitsmarkt angekommen und stehe jetzt wieder komplett auf eigenen Beinen – ein gutes Gefühl!“ Das war nicht immer so.

Gesundheitliche Probleme zwangen ihn in die Knie, die Versuche, wieder Arbeit zu finden, waren deprimierend. Allerdings hat er eine abgeschlossene Berufsausbildung als Fachinformatiker und ist motiviert – gute Voraussetzungen also, um mit ein wenig Unterstützung wieder in den Beruf zu finden. Nach Umwegen über eine durch ein anderes Bundesprogramm geförderte Stelle und eine Qualifizierung als Energieberater fand Pawlowski das Passende: Seit Mai arbeitet er bei der Landesbehörde ITNRW in Düsseldorf, wertet in einem Team von sechs Leuten Zahlen der Volkszählung aus und machten Kundensupport am Telefon. Eine neue Philosophie in der Kunden-Beratung, die als wertschätzender empfunden wird, ist ein weiterer Baustein, durch den das Jobcenter den Kunden entgegen kommen möchte. „Wir haben neue Räume eingerichtet, mit einer angenehmen, einladenden Atmosphäre“, so Müller. Mit einer gepolsterten Sitzbank in Grün, einem Stehtisch, mehr Platz und einem großen Bildschirm seien die Räume jetzt schon sehr beliebt, und das nicht nur, weil hier das Abstandhalten in Corona-Zeiten leichter fällt. „Das Ganze wirkt offener und lockerer, man kann gemeinsam in der Jobbörse recherchieren – das ist angenehmer als die klassische Büro-Situation“, so Müller.

Außerdem sei das Jobcenter dazu übergangen, Menschen, die in einer Bedarfsgemeinschaft zusammen leben, auch gemeinsam zu beraten. Das habe sich für viele als einfacher und praktikabler erwiesen. Wer als Leistungsbezieher von der Förderung aus dem Teilhabechancen-Gesetz profitieren möchte, solle seine Arbeitsvermittlerin darauf ansprechen. Arbeitgeber können sich bei Ulrich Klein im Jobcenter Kamp-Lintfort beraten lassen unter der Telefonnummer 02842-92739600.