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Kamp-Lintfort: Wie die Natur im Kompostwerk mitmischt

Serie Wir arbeiten im AEZ Asdonkshof : Wie die Natur im Kompostwerk mitmischt

Das Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof beschäftigt 193 Mitarbeiter. In einer RP-Serie stellen sie ihre Arbeitsplätze vor – zum Beispiel das Kompostwerk. Hier ist Dirk Eickers Teamleiter.

Die Luft ist feucht und warm, große Teile der riesigen Halle sind nur schwach beleuchtet. Doch Dirk Eickers kennt die Wege aus dem Effeff. Mit sechs Kollegen sorgt er dafür, dass im Kompostwerk am Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof alles reibungslos funktioniert. Bevor der 51-jährige Dinslakener zum Asdonkshof wechselte, war er bei der Ruhrkohle beschäftigt. „Ich habe hier angefangen, kurz nachdem die Anlage in Betrieb gegangen ist“, erzählt der Maschinenbautechniker. Er durchlief mehrere Stationen, war auf der Vorschaltanlage und in der Schlackenaufbereitung tätig. Heute trägt er als Teamleiter dazu bei, dass alle organischen Abfälle, die die Städte im Kreis Wesel aus den Haushalten der Bürger ins Entsorgungszentrum anliefern, in den Biokreislauf zurückkehren können und so die Restmüllmengen im Kreis reduziert werden.

 Dieses Bild ist eine Visualisierung der neuen Bioabfallanlage, die auf dem Areal  des Asdonkshofs gebaut wird.
Dieses Bild ist eine Visualisierung der neuen Bioabfallanlage, die auf dem Areal  des Asdonkshofs gebaut wird. Foto: mohan Karakoc, studio for professional visualisation/mohan karakoc, studio for professional visualisation

Im Kompostwerk lassen Eickers und seine Kollegen sozusagen die Natur für sich arbeiten. Doch so einfach, wie das klingt, ist es nicht. Denn bevor der Biomüll mit Grünschnitt vermischt in der Rottehalle vollautomatisch immer wieder aufgelockert, beflüftet und bewässert werden kann und die Mikroorganismen dafür sorgen, dass sich die organischen Abfälle zersetzen, steht das Aussortieren aller Störstoffe im Biomüll. So landen viel zu oft Plastiktüten, Salatkörbe, Kartoffelsäcke und vieles mehr in der Biotonne, obwohl sie nicht dort hineingehören. „Es ist sehr wichtig, dass jeder Einzelne sauber trennt, sonst kann das am Ende durch den erhöhten Aufwand zur Steigerung der Kosten führen“, sagt Eickers und betont: „Selbst der Plastikaufkleber auf Bananen muss entfernt werden, bevor die Schale in die Tonne geworfen wird.“ Ist eine Charge zu verunreinigt, kann es passieren, dass sie am Ende verbrannt werden muss. Das ärgert Eickers, zumal der Kompost vom Asdonkshof Güte gesichert ist. „Seine Qualität wird einmal im Monat untersucht“, erzählt der 51-jähige Teamleiter. Dirk Eickers und seine Kollegen haben schon einiges erlebt: „Im Sommer finden wir oft Heckenscheren und andere Gartenwerkzeuge, die aus Versehen in den Biomüll geworfen wurden“, erzählt er schmunzelnd. Während in der Gartenzeit vor allem Grünschnitt die Biotonne füllt, finden die Mitarbeiter des Kompostwerks im Winter hingegen immer wieder Material in der Biotonne, das keinesfalls hineingehört – Tüten voller Bauschutt oder Katzenstreu haben sie schon aussortiert. Selbst tote Haustiere entdeckten sie im angelieferten Biomüll. „Die letzte Instanz ist der Müllmann. Es gibt Städte, die kontrollieren den Biomüll und sammeln falsch befüllte Tonnen nicht ein“, sagt Eickers.

 Nicole Neukirchen begleitet als Projektingenieurin den Neubau.
Nicole Neukirchen begleitet als Projektingenieurin den Neubau. Foto: Norbert Prümen
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Rund 50.000 Tonnen Bio- und Grünabfall werden in der Anlage im Jahr zu hochwertigem Kompost (13.400 Tonnen/im Jahr) sowie Häckselgut und Holzbrennstoff (8800 Tonnen/im Jahr) verarbeitet. Knapp 46 Tage dauert die Rottezeit. Das ist kurz. In der Hauptrotte wird der Kompostierungsprozess durch dauerndes Befeuchten, Belüften und Auflockern beschleunigt. „Es ist eine große Maschine“, erläutert der Teamleiter. Bürger dürfen sich den Kompost übrigens kostenlos am Asdonkshof in Kamp-Lintfort abholen und am Kleinanlieferer-Parkplatz rausschaufeln. Der Kompost ist beliebt bei Gärtnern, Landwirten und Gartenlandschaftsbauern.

Aktuell laufen auf dem Areal des Abfallentsorgungszentrums in Kamp-Lintfort die Vorbereitungen für den Bau einer neuen Bioabfallbehandlungsanlage. Wenn diese errichtet ist, wird im „alten“ Kompostwerk nur noch Grünschnitt kompostiert. In der neuen Anlage wird man in der Lage sein,  aus Bananenschalen und anderen Bioabfällen grüne Energie zu gewinnen. Im Mai erteilte die Bezirksregierung den Projektbeteiligten, den Kreisen Wesel und Viersen, die Genehmigung für den Neubau der Bioabfallbehandlungsanlage mit vorgeschalteter Teilstromvergärung. Die Fertigstellung ist für 2023/2024 geplant. Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 35 Millionen Euro.

Auftraggeber ist der eigens gegründete Bioabfallverband Niederrhein. Die neue Anlage soll rund 67.500 Tonnen Bioabfälle im Jahr verwerten. Die Experten rechnen mit einer erzeugten Biogasmenge von rund 2,65 Millionen Kubikmeter im Jahr, die in der neuen Anlage erzeugte Strommenge soll sich auf sechs Millionen Kilowattstunden im Jahr belaufen. „Die Kapazität des bestehenden Kompostwerks reicht für die anfallenden hohen Bioabfall-Mengen schon heute nicht mehr aus“, erläuterte Nicole Neukirchen. Sie begleitet als verantwortliche Projektingenieurin das Vorhaben. Aktuell wird, so berichtet sie, der Bau der Anlage Los-weise ausgeschrieben. Sie entsteht auf 1,8 Hektar und sieht neben Annahme- und Logistikhalle insbesondere als Kompostierungseinheit mehrere Rottetunnel vor. Zusätzlich werden weitere Flächen am Abfallentsorgungszentrum genutzt.

Neukirchen rechnet damit, dass mit dem Bau Ende des Jahres begonnen werden kann. Ein altes Verwaltungsgebäude, das im Weg stand, muss zuvor abgerissen werden. Das Vorhaben ist ein aufwendiges Projekt. „Erste Machbarkeitsstudien wurden bereits 2014 durchgeführt. 2023 soll die Bioabfallbehandlungsanlage in den Probebetrieb gehen kann“, erläutert Neukirchen den Zeitplan. „Es ist sehr spannend – vor allem der Bau der neuen Anlage. Mitzuerleben, wie aus einer Planung Realität wird, das ist schon etwas Besonders.“ Der Neubau sei ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, sagt sie: „Grüne Energie ist der Trend der Zukunft.“