Kamp-Lintfort: Wasserstoff als alternativer Antrieb

Mobilität in Kamp-Lintfort : Wasserstoff als alternativer Antrieb

Unter Federführung der Stadt Kamp-Lintfort will der Kreis Wesel das Thema Wasserstoff-Mobilität auf den Weg bringen. Ein erster Förderantrag auf Bundesmittel ist bereits gestellt.

Während sich viele noch mit der Elektro-Mobilität befassen, nimmt der Kreis Wesel eine alternative Antriebsart in den Blick: Wasserstoff. Unter Federführung der Stadt Kamp-Lintfort wird an einem Konzept gearbeitet. „Dabei ist das Thema nicht neu“, betont Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt. „Schon 1977 wurden Autos vorgestellt, die mit Wasserstoff angetrieben wurden.“ Der Grafschafter stellt das Vorhaben, den aktuellen Sachstand sowie die Optionen und Ideen vor.

Das Projekt Die Bürgermeister im Kreis Wesel sowie der Landrat haben in einer gemeinsamen Sitzung der Hauptgemeindebeamten vereinbart, das Projekt „Wasserstoffmobilität im Kreis Wesel“ auf den Weg zu bringen. Es soll ein kommunaler Beitrag soll zur Minderung des CO2-Ausstoßes sein und den Kreis als innovative Region hervorheben.

Die Federführung Die Stadt Kamp-Lintfort hat die Federführung übernommen. Sie führte erste Sondierungsgespräche und erarbeitete ein Grobkonzert. „Wir haben uns schon früh im Rahmen unseres Klimaschutzmanagements mit der Thematik befasst“, erklärt Bürgermeister Christoph Landscheidt. Im Gegensatz zu anderen Kommunen am Niederrhein rief der Stadtrat keinen Klimanotstand aus, sondern gab im Juli eine Verpflichtungserklärung zum Klimaschutz ab. Außerdem sehen die Förderbedingungen des Bundesförderprogrammes „HyLand“ vor, dass eine Kommune federführend den Förderantrag stellt.

Die Optionen Eine Infrastruktur-Option, Wasserstoff-Mobilität im Kreis Wesel zu verwirklichen, bietet aus Sicht der Stadt Kamp-Lintfort die Kreis Wesel Abfallgesellschaft mit ihrem Entsorgungszentrum Asdonkshof. So könne man den bei der Verbrennung durch Abwärme erzeugten Strom zur Erzeugung von Wasserstoff nutzen. Da die Stromerzeugung dort als CO2-frei zertifiziert sei und bei der Verbrennung von Wasserstoff nur Wasserdampf als Abgas in die Umwelt abgegeben werde, könnten unter anderem hohe CO2-Emmissionen vermieden werden. Erste Fahrzeuge, die mit dem alternativen Kraftstoff betrieben werden könnten, seien beispielsweise städtische Nutzfahrzeuge wie Müllsammler und Kehrmaschinen. „Sie fahren aus dem gesamten Kreisgebiet den Asdonkshof an und legen dabei Fahrstrecken mit bis zu 80 Kilometern zurück“, erläutert Axel Witzke von der städtischen Koordinierungsstelle Klima und Umweltschutz die Idee. Die Nutzfahrzeuge würden aktuell noch mit Dieselkraftstoff betrieben. Sie könnten aber mit Brennstoffzellenantrieben ausgestattet und dann mit Wasserstoff betrieben werden.

Mögliche Partner Auch die Niag als ÖPNV-Betreiber möchte man mit ins Boot holen. Die Niag bediene unter anderem auch Bus-Linien in die Niederlande. Diese seien in absehbarer Zeit emissionsfrei zu bedienen, erläutert Axel Witzke. Möglich wäre die Einrichtung einer Wasserstofftankstelle in Moers. Auch die Beschaffung von entsprechenden Bussen wäre eine weitere umsetzbare Option, erklärt Axel Witzke. Gespräche werden darüber hinaus mit Enni (Moers), Lineg (Kamp-Lintfort), Delta Port (Wesel) sowie H2 Mobility geführt. Dieses Unternehmen will deutschlandweit die Wasserstoff-Infrastruktur ausbauen. Laut Witzke gibt es von Seiten der Gesprächspartner bereits erste Absichtserklärungen.

Der Förderantrag Ein gemeinsamer Förderantrag im Rahmen des Bundesförderprogrammes „Hyland“ ist seit September gestellt. Mit den Fördermitteln soll ein Feinkonzept zur Prüfung und Umsetzung des Projektes Wasserstoffmobilität im Kreis Wesel finanziert werden. Darin müssen neben den technischen Möglichkeiten auch die Investitionssummen, rechtliche Rahmenbedingungen und ein Fahrplan mit umsetzbaren Maßnahmen und Zuständigkeiten erarbeitet und festgeschrieben werden. Wie Axel Witzke mitteilt, wird eine Jury bis Februar 2020 entscheiden, welche Projekte gefördert werden. Zehn weitere Kommunen haben sich ebenfalls um eine Förderung beworben. Schon nach der Antragstellung hätte Kamp-Lintfort und seine Mitstreiter aber die Möglichkeit, Teil der „Expertengruppe H2-Kommunen“ in der NRW zu werden. Sie wurde von der Energieagentur NRW und dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie zusammengeführt. Dort sind alle Kommunen vertreten, die sich im vergangenen Jahr als Modellkommunen beworben haben.

Die Tankstellen In Duisburg befindet sich an der Autobahn 40, Duisburg-Häfen, aktuell die nächstgelegene in Betrieb öffentliche Wasserstoff-tankstellen. Weitere gibt es in Mülheim, Düsseldorf und Herten. Auch andere Kommunen haben sich bereits auf den Weg gemacht. Laut Axel Witzke stellt die Stadt Köln einen Betriebshof komplett auf Wasserstoff um.

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