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Kamp-Lintfort: Über den Dächern der Altsiedlung

Energiesparen in Kamp-Lintfort : Solar über den Dächern der Altsiedlung

Sind Solaranlagen zur Straßenseite mit dem städtebaulich bedeutsamen Siedlungscharakter der Kolonie vereinbar? Nur in wenigen Einzelfällen, sagt die Stadtverwaltung. Sie will Anträge der Anwohner künftig nach Ermessen prüfen.

Mit 76 Hektar ist die Altsiedlung in Kamp-Lintfort eine der größten Bergarbeitersiedlungen im Ruhrgebiet. Gebaut wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts „mitten auf dem platten Land“, als die damals noch junge Zeche Wohnraum für die Kumpel und deren Familien benötigte. Heute gilt sie aufgrund ihres Gartenstadt-Charakters sowohl städtebaulich als auch kulturhistorisch als bedeutsam. Der Haupt- und Finanzausschuss hat die Verwaltung dennoch in seiner letzten Sitzung beauftragt, Vorschläge zur Änderung der aktuellen Gestaltungssatzung zu erarbeiten. So sollte sie unter anderem prüfen, ob Solaranlagen auch zur Straßenseite hin mit dem Erhalt des Siedlungscharakters vereinbar sind. Hintergrund: Aufgrund der steigenden Energiekosten wächst auch bei Hausbesitzern in der Altsiedlung das Interesse an Solaranlagen (RP berichtete). Die Verwaltung zieht zur Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 18. August ein erstes Fazit und legt einen Vorschlag zur Änderung der Gestaltungssatzung vor.

Man habe im Rahmen der Prüfung den Eindruck gewonnen, teilt die Verwaltung mit, dass aufgrund von Ausrichtung und Größe der Gebäude sowie der Dachgestaltung und der Straßenbäume eine ertragreiche Nutzung von Solarenergie auf der zur Straße gelegenen Hausseite nur in wenigen Einzelfällen in der Altsiedlung möglich sei. Die Vielzahl unterschiedlicher Haus- und Dachtypen mache es schwierig, eine ausreichend bestimmte Regelung für zur Straßenseite ausgerichtete Solaranlagen zu formulieren, die auf alle Einzelfälle anwendbar sei. Auch Garagendächer seien als Sonderfall zu berücksichtigen, heißt es im Beschlussvorschlag. Die Verwaltung schlägt dem Ausschuss deshalb vor, die Gestaltungssatzung dahingehend zu ändern, dass straßenseitige Solaranlagen nur ausnahmsweise und nur im Einzelfall zulässig sind. Das bedeute, dass bei einem entsprechenden Antrag von Anwohnern anhand bestimmter Kriterien und nach Ermessen der Verwaltung geprüft werde, ob die Anlage mit dem erhaltenswerten Siedlungsbild vereinbar ist. Dabei spiele die Größe und Positionierung der Solaranlage ebenso eine Rolle wie die technische Anlage in ihrem Gesamterscheinungsbild.

Die derzeitige Regelung in der Gestaltungssatzung sieht vor, dass Solaranlagen bislang nur auf rückseitigen Dachflächen und nur in gleicher Neigung des Daches angebracht werden. So sollte die prägende Wirkung der typischen Dachlandschaft mit ihren roten Ziegeln gesichert werden. Die einheitlich rote Dachfarbe stelle ein zentrales gestalterisches Element der Altsiedlung dar, das die Zusammengehörigkeit der Gebäude unterstreiche. 2017 hatte die Stadt mit dem Innovation City Management das klimapolitische Projekt „Innovation City Kamp-Lintfort – Stadtquartier Lintfort“ ins Leben gerufen.

Es verfolgt das Ziel, den Hauseigentümern in der Altsiedlung die energetischen Einsparpotenziale aufzuzeigen und sie bei der Modernisierung zu unterstützen. Dabei spielen laut Verwaltung inzwischen auch Photovoltaik- und Solarthermieanlagen eine Rolle. Als Anreiz für Hauseigentümer hatte die Stadt unter anderem 2019 in Kooperation mit der Solarmetropole Ruhr eine Förderrichtlinie zur Errichtung von Photovoltaik-Anlagen veröffentlicht.

 www.kamp-lintfort.de