Medizin in Kamp-Lintfort Wie eine App digital bei der Nachsorge bei Vorhofflimmern hilft

Kamp-Lintfort/München · Das St.-Bernhard-Hospital setzt auf die telemedizinische Nachsorge von Patienten mit Vorhofflimmern. Dafür kooperiert das Krankenhaus mit der AOK und dem digitalen Herzzentrum iATROS. Wie die App funktioniert.

Das Team der Kardiologie wird von Chefarzt Klaus Kattenbeck geführt.

Das Team der Kardiologie wird von Chefarzt Klaus Kattenbeck geführt.

Foto: Dieker, Klaus (kdi)

  Zur Nachsorge von Patienten, die wegen Vorhofflimmern behandelt wurden, haben sich das erste digitale Herzzentrum iATROS, die AOK Rheinland/Hamburg und das Kamp-Lintforter St. Bernhard-Hospital zusammengeschlossen. Mit Hilfe der Telemedizin soll während der nächsten zwei Jahre die Nachsorge der AOK-Patienten, die vom Kardiologen-Team am  St.- Bernhard-Hospital zu Vorhofflimmern behandelt wurden, ergänzt werden. Das Team wird von Chefarzt  Klaus Kattenbeck und der Leitenden Oberärztin Dr. Maria-Ilva Tente geführt.

Ziel der digitalen Nachsorge sei es, teilt das Krankenhaus mit, die Behandlung der von den Kardiologen des St.-Bernhard-Hospitals betreuten AOK-Versicherten sinnvoll zu ergänzen. Bei der Anmeldung zur digitalen Nachsorge erhalten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen demnach eine EKG-Uhr, die regelmäßig ein Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnen kann. Dank der damit verbundenen iATROS-App und zwölf  Monaten Fernzugang des Arztes könne das EKG auch bei auffälligen Werten schnell überprüft werden. Die digitale Nachsorge konzentriere sich über die App vor allem auf die Verbesserung der Gesundheit und Versorgung.

So würden in der App zum einen die aufgezeichneten Elektrokardiogramme angezeigt und Feedback bei Auffälligkeiten übermittelt, kurze Videos und Artikel über Krankheiten und deren Behandlungen eingespielt sowie Risikofaktoren benannt. Auch gebe sie einen Überblick über den wöchentlichen Ernährungsfokus. Sie könne Tipps und Wissen rund um Sport, Bewegung und Stressbewältigung vermitteln. Auch könne sie die Werte von Blutdruck, Gewicht, Blutzucker, Aktivität und Berücksichtigung von Änderungen im Laufe der Zeit speichern, dazu müssten allerdings einige Daten eingegeben werden, so das St.-Bernhard-Hospital. Die App gebe darüber hinaus eine Erinnerung an einzunehmende Medikamente und buche Telearzt-Sprechstunden, beispielsweise bei Änderungen von Messwerten und ähnlichem. „Die telemedizinische Nachsorge bietet AOK-Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern mehr Sicherheit –über die Buchung eines Gesundheitschecks hinaus“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Die erhobenen Gesundheitsdaten, insbesondere EKG- und Blutdruckwerte,  könnten jederzeit mit den behandelnden Kardiologen geteilt werden. So könne der Behandlungserfolg umfassender beurteilt werden. Alle in der App erfassten Daten würden gemäß der iATROS-Datenschutzerklärung sowie unter Berücksichtigung der geltenden europäischen Bestimmungen gespeichert und jeder Patient entscheidet selbst, welche Daten den Ärzten bereitgestellt werden.  Vorhofflimmern sei die häufigste Herzrhythmusstörung, erklärt das St.-Bernhard-Hospital Das Risiko einer Erkrankung nehme mit zunehmendem Lebensalter zu und werde vorwiegend durch elektrische Impulse aus den Lungenvenen ausgelöst. Diese Impulse würden in die Vorkammern des Herzens weitergeleitet und störten dort die elektrische Aktivität. „Bei manchen Patienten tritt ein solches Vorhofflimmern nur zeitweise auf, bei anderen ist es ständig der Fall“, berichtet Chefarzt  Klaus Kattenbeck. Dabei könnten sich Blutgerinsel im Herzen bilden. Gelangen sie mit dem Blutstrom in den Kreislauf, besteht die Gefahr, dass sie zu Gefäß-Verschlüssen oder Schlaganfällen führen.

Behandelt werde dieses Flimmern durch rhythmusstabilisiernde Medikamente. Alternativ dazu könne eine sogenannte „Katheterablation“ als moderne Behandlungsmöglichkeit durchgeführt werden. Dabei werden laut St.-Bernhard-Hospital dünne Elektrokatheter in die linke Herzvorkammer eingeführt. Mit einem weiteren Katheter in der Lungenvene werde kontrolliert, ob zusätzliche elektrische Impulse von dort aus in den Vorhof gelangen. sei dies der Fall, werde das Gewebe im Mündungsbereich zwischen Vorhof und Lungenvene verödet, so dass die elektrische Leitung unterbrochen werde. Fachleute sprechen dann von einer „Pulmonalvenen-Isolation“. „Die Erfolgsrate einer Katheterablation bei Vorhofflimmern liegt bei über 70 Prozent“, weiß Maria-Ilva Tente. Für diese besonders speziellen Eingriffe sei  die Abteilung von Chefarzt   Kattenbeck führend am unteren Niederrhein und als Vorhofflimmerzentrum von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert.

Patienten, die mit einer Katheterablation behandelt wurden, seien sich häufig unsicher, worauf sie zukünftig bei Sport, Ernährung und Medikamenten besonders achten müssten. „Sie fragen sich, welche Werte wichtig sind und was sie tun können, um ihr Herz langfristig zu schützen. Sie haben Bedenken, dass das Vorhofflimmern wieder auftreten könnte. Aber gerade für sie ist wichtig, einen gesünderen Lebensstil zu finden und ihn sorgfältig zu befolgen“, teilt das Krankenhaus in Kamp-Linfort mit.   Die besondere Form der Telemedizischen Nachsorge werde allen AOK-Patientinnen und -Patienten angeboten, die sich im Lintforter Krankenhaus  einer Ablation oder einer sogenannten „Kardioversion“ unterzogen haben.   Mit dieser Zusammenarbeit würden sich für das St. Bernhard-Hospital neue Wege der Versorgung eröffnen, erklärt das Krankenhaus. Ressourcen würden geschont, neue technische Möglichkeiten sinnvoll eingesetzt, Daten sinnvoll genutzt sowie Versorgungslücken geschlossen. „Kurz: die Patientinnen und Patienten werden umfassender versorgt.“

(aka )