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Kamp-Lintfort: So schön war der Auftakt der Kamper Konzerte.

Kultur in Kamp-Lintfort : So schön war der Auftakt der Kamper Konzerte

Vier brillante Werke für Cello und Klavier standen auf dem Programm. Alexander Hülshoff und Sylvia Thereza begeisterten zweimal das Publikum im Pferdestall im Schirrhof. Er ersetzt pandemiebedingt vorläufig den Rokokosaal von Kloster Kamp als Aufführungsort.

(reife) Am Mittwoch und Donnerstag startete die Kamper Konzertsaison, die seit Jahren erfolgreich vom Verein Kammermusikfest Kloster-Kamp, der Stadt Kamp-Lintfort und der Sparkasse Duisburg veranstaltet wird. Die künstlerische Leitung liegt seitdem beim Musiker-Ehepaar Katharina Apel und Alexander Hülshoff. Die Koordination hat ebenfalls von Beginn an Jeannette von der Leyen.

Das Auftaktkonzert musste coronabedingt erneut im Pferdestall im Schirrhof auf dem ehemaligen Laga-Gelände stattfinden. So bleibe es auch in der ersten Jahreshälfte, sagte Hülshoff in seiner Begrüßung. „Ob wir mit den Kammerkonzerten der zweiten Jahreshälfte wieder in den Rokokosaal von Kloster Kamp zurückkehren können, bleibt abzuwarten.“

Unter dem Titel „Préludes“ standen die ausgewählten vier Vortragsstücke von Robert Schumann, Johannes Brahms, Frédéric Chopin und Dmitri Schostakowitsch. Vortragende waren die gefragte brasilianische Konzertpianistin Sylvia Thereza und Alexander Hülshoff, Professor für Violoncello an der Essener Folkwang Universität der Künste. In Therezas Terminkalender für dieses Jahr sind bereits weitere Auftritte in Europa, Südamerika, Asien und in den USA bestätigt.

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Doch auch auf dem List-Flügel in Kamp-Lintfort wusste die temperamentvoll agierende und einfühlsam spielende Pianistin das Publikum zu überzeugen. Ihr Auftritt war in jeder Hinsicht eine Augenweide – auch wegen ihres farbenfrohen langen Blumenkleides – und ein Hörerlebnis zugleich. Gestalter des Auftritts war jedoch Hülshoff, der souverän das Duo führend für den konzeptionellen Rahmen sorgte. Dergestalt zu erleben war dieser unter anderem bei Schumanns 1849 komponierten drei Fantasiestücken op. 73: „Zart und mit Ausdruck“, „Lebhaft leicht“ und „Rasch und mit Feuer“. Anspruchsvoll vom Schwierigkeitsgrad her meisterten beide die vielseitige und variantenreiche Komposition.

Von Brahms, einem Zeitgenossen Schumanns, stammt die erste Cellosonate e-Moll op. 38, die er 1862 begann zu komponieren und 1865 vollendete. Von zwei Ereignissen sind die drei Sätze geprägt: Von Clara Schumann, die 1862 zeitgleich und ortsnah zu Brahms kurte, und von Bach, von dem er sich für sein 1865 beendendes Fugenfinale im dritten Satz hat inspirieren lassen. Perfekt konnten Thereza-Hülshoff die Klangstimmungen schwermütig, ländlerhaft und Bach-artig instrumental einfangen.

Nach der Pause standen erst Chopins Introduction et Polonaise brillante op. 3 auf dem Programm und dann Schostakowitschs Sonate d-Moll op. 40. War in dem zehnminütigen Chopin-Werk dessen tondichterische Nähe zur Sprachdichtung von Heinrich Heine deutlich spürbar, war es in der Schostakowitsch-Sonate der klassisch-romantische Zeitgeist, der die Komposition von 1934 ausmacht. Mit dieser, seiner frühen Sonate hat er dem „cantabilen Ausdrucksgehalt” eines der schönsten Denkmale in der Celloliteratur gesetzt, heißt es dazu in einem Konzertführer. Doch offensichtlich entsprach das Werk nicht dem sogenannten „sozialistischen Realismus“, wurde es prompt 1936 von Stalin in der damaligen Sowjetunion verboten.

Mit zwei Zugaben ganz anderer Art, nämlich einer fast schon tanzbaren brasilianischen Komposition und einem kurzen Gershwin-Stück, verabschiedeten sich nach knapp zwei Stunden Konzert Thereza und Hülshoff von ihrem stark applaudierenden Publikum. 

„Rondo alla Zingarese“ heißt das Musikprogramm des nächsten Kamper Kammerkonzertabends am 1. und 2. Juni jeweils um 19 Uhr im Pferdestall im Schirrhof. Dann spielt das Notos Quartett Werke von Mahler, Mozart und Brahms.
www.kamper-konzerte.de