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Kamp-Lintfort: So rasant verändert sich das Rathausquartier

Stadtentwicklung in Kamp-Lintfort : So rasant verändert sich das Rathausquartier

Fünf Investoren bauen ein neues Quartier. Zwischen Karl-Flügel-Platz, Wilhelmstraße und Markgrafenstraße entstehen zurzeit 130 neue Wohneinheiten für Kamp-Lintfort.

Als im Dezember 2010 der letzte der drei Weißen Riesen fiel, hieß es im Kamp-Lintforter Rathaus gerne mal im Scherz: Die Bunten Riesen sind als nächstes dran. „Daran hat damals natürlich niemand wirklich geglaubt“, erinnert sich Bürgermeister Christoph Landscheidt beim Spaziergang durchs Rathausquartier. Damals befanden sich die Hochhäuser noch in Privateigentum und seien gut bewohnt gewesen. Mit der Zwangsvollstreckung der Bunten Riesen ein paar Jahre später ergab sich für die Stadt jedoch die Chance, einem alten Stadtviertel ein komplett neues Gesicht zu geben. Heute erinnert allein das Terrassenhaus vis à vis zum Rathaus an das Wohnquartier von damals. Stattdessen läuten mehrere Neubauten den Wandel ein.

Das Projekt „Karl & Leo“ des Bauunternehmens Tecklenburg, das an der Markgrafenstraße liegt und den Mittelpunkt im neuen Rathausquartier bildet, wird im vierten Quartal 2021 fertiggestellt. Weit vorangeschritten sind die Bauarbeiten für die dreistöckigen Townhäuser mit Gärtchen des Investors Ryvola, und auch die Bebauung des schwierigen Eckgrundstücks an der Wilhelmstraße geht gut voran. Dort hat sich Architekt Robert Wetzel, der auch das Ek3 in Kamp-Lintfort geplant hatte, mit Investor AIP Wohnen der Herausforderung gestellt und mit Rundung geplant. „Er hat auch den Anbau an das bestehende Terrassenhaus zur Kamperdickstraße entworfen, eine ebenso schwierige Aufgabe“, betont Stadtplanerin Monika Fraling. Dort ist das Unternehmen ESA Bau als Investor tätig.

 Das Rathaus-Quartier aus ungewöhnlicher Perspektive. Die gibt den Blick auf die Neubauten frei, die dort zurzeit entstehen.
Das Rathaus-Quartier aus ungewöhnlicher Perspektive. Die gibt den Blick auf die Neubauten frei, die dort zurzeit entstehen. Foto: Norbert Prümen
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Wenn er heute aus seinem Bürofenster in der fünften Etage des Rathauses auf die voranschreitenden Bauarbeiten gucke, sagt Christoph Landscheidt, sei er selbst beeindruckt. Und fühlt sich in der Entscheidung bestätigt, dass es nicht ausreicht, als Stadt über Planungshoheit zu verfügen. „Städte müssen selbst aktiv werden und die Projekte vorantreiben. Private kommen nicht von alleine und wollen in erster Linie Geld verdienen.“ Kamp-Lintfort wurde aktiv, ersteigerte die Bunten Riesen, führte Wettbewerbe und Bürgerbeteiligungen durch. Möglich geworden sei dies durch eine langfristige Stadtumbauplanung und entsprechende Fördermittel des Landes NRW.

„Wir haben den Ministerien schon 2004 gesagt, wie unsere Stadt sich entwickeln und aussehen soll. Und unsere Konzepte waren gut. Man braucht die Zuversicht, dass dies am Ende funktioniert“, betont der Bürgermeister und bestätigt seine Stadtplanerin, die sagt: „Man muss sich trauen, auch wenn die Idee zunächst wie eine Utopie anmutet.“ Investoren für eine neue Bebauung zu finden, sei nicht schwierig gewesen. Mit Fünfen eine Planung „aus einem Guss“ hinzubekommen, habe aber sehr viel Abstimmung untereinander bedurft. „Wir haben alle frühzeitig ins Boot geholt und viele Gespräche geführt. Dafür haben wir kurze Wege und schnelle Entscheidungen geboten“, erläutert Monika Fraling die Devise. Ergebnis ist die gemeinschaftlich getroffene Entscheidung für Backsteinfassaden, die das Flair der Pauen’schen Siedlung auf der anderen Seite der Markgrafenstraße aufgreifen. Und auch bei der leidigen Parkplatz-Frage sei man so zu Lösungen gekommen.

So baut Tecklenburg zwischen „Karl & Leo“ eine Hochgarage mit Garten obendrauf. Begeistert sind Fraling und Landscheidt, dass alle Investoren trotz der langen Planungsphase bei der Stange geblieben sind und ihre Projekte verwirklichen: 130 Wohneinheiten entstehen im neuen Rathausquartier, davon werden 40 Prozent im Rahmen des geförderten Wohnungsbaus realisiert. Hier ist vor allem Investor Ryvola aktiv. Die Baugruben an der Wilhelmstraße für zwei vierstöckige Gebäude mit 30 geförderten Wohnungen und zwei frei finanzierten Penthäusern obendrauf sind ausgehoben. Der Bau des ersten Hauses ist gestartet. Seine Townhäuser an der Markgrafenstraße stehen übrigens auch zur Miete. Ihre Fertigstellung ist für das erste Quartal 2022 vorgesehen, die beiden Miethäuser sollen im 3./4 Quartal 2022 stehen. „Die Eigentumswohnungen von Tecklenburg waren schon verkauft, bevor sie gebaut waren“, berichtet der Bürgermeister. Und auch die Eigentumswohnungen im Eckgebäude an der Wilhelmstraße sind bereits vorgemerkt. „Es gibt ein großes Interesse am innerstädtischen Wohnen.“ Im September/Oktober wird die Awo im Quartier loslegen. Sie wird mit ihrem Neubau samt 24 barrierefreien Wohnungen direkt ans Terrassenhaus anschließen.