Kamp-Lintfort: So läuft die Demo der Rechtsradikalen gegen Bürgermeister Christoph Landscheidt

Solidarität mit Bürgermeister : Hunderte Gegendemonstranten bei Rechten-Demo in Kamp-Lintfort

Waffenschein: Demonstration in Kamp-Lintfort für und gegen den Bürgermeister

Rund 30 Rechtsradikale haben in Kamp-Lintfort gegen Bürgermeister Christoph Landscheidt protestiert. Am Mittag gab es eine Gegenkundgebung mit Hunderten Teilnehmern, die sich mit dem Bürgermeister solidarisierten.

Rund 30 Rechtsradikale waren am Samstag in Kamp-Lintfort zur Demo eingetroffen. Unter ihnen war auch der bekannte Dortmunder Neonazi Siegfried Roland Borchardt, genannt SS-Siggi. Die Gegenkundgebung zur Unterstützung des Bürgermeisters hatte deutlich mehr Zulauf als die Rechten-Demo. Die Polizei geht von 700 bis 1000 Teilnehmern aus, die Veranstalter sprechen von bis zu 2500 Menschen. Viele waren mit der Familie gekommen und hatten kleine Kinder dabei. Es gab ein Bühnenprogramm mit verschiedenen Rednern. Gemeinsam sangen die Gegendemonstranten das antifaschistische Lied „Bella Ciao“. Nach Abschluss der Kundgebung machten sich gegen 14.15 Uhr die meisten Gegendemonstranten auf den Weg nach Hause. Die Polizei meldete am Nachmittag, dass die Proteste friedlich verlaufen sind.

Die Demo der Rechtsextremen richtete sich gegen Bürgermeister Christoph Landscheidt. Der SPD-Politiker hatte wegen Drohungen aus der rechten Szene zu seinem Schutz einen Waffenschein beantragt. Das hatte die zuständige Polizeibehörde abgelehnt, weswegen Landscheidt jetzt vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht klagt.

Nach Angaben der Polizei hatte der Anmelder der Kundgebung, ein Mitglied der Kleinpartei „Die Rechte“, 20 bis 30 Personen für seine Versammlung gemeldet. Ein Bündnis aus Politik, Gewerkschaften, Kirche  und Bürgern hatte zu der Gegenkundgebung aufgerufen und rund 300 Teilnehmer angekündigt.

Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vertreten. „So einen großen Polizeieinsatz hat der Ort noch nicht gesehen“, sagten Lokalpolitiker einstimmig. Auf der Bühne am Prinzenplatz zeigten zahlreiche Politiker unterschiedlicher Parteien ihre Solidarität. „Wir stehen hier für ein tolerantes Deutschland ein. Wir setzen ein Zeichen gegen Extremismus, der die Demokratie bedroht. Es darf keinen Platz für Gewalt geben. Und die fängt schon bei der Sprache an“, sagte Sabine Weiss, Bundestagsabgeordnete der CDU.

„Wir sind hingerissen davon, in welch kurzer Zeit Kamp-Lintfort sagt: Wir sind mehr!“, sagte Nadja Lüders, SPD-Generalsekretärin NRW. Die Dortmunderin entschuldigte sich dafür, dass Rechtsradikale aus ihrer Heimatstadt angereist seien, ein „versprengter Haufen“. Und: „Ich darf Ihnen Mut zusprechen, den wir auch in Dortmund nie verlieren. Verlieren Sie nie den Mut, immer wieder aufzustehen.“

Unter den Rednern war auch eine Bewohnerin des Kamp-Lintforter Ortsteils Hoerstgen. Dort wohnt ein bekannter Neonazi. Seit Jahren fühlen sich die Menschen in dem Dorf deswegen unwohl. Die Frau berichtete, dass an ihrem Auto bereits die Reifen zerstochen und Fensterscheiben ihres Hauses eingeworfen wurden. Nachdem sie die Vorfälle bei der Polizei gemeldet hatte, sei sie von Rechtsextremen bedroht worden, ob sie denn lebensmüde sei. Wenn sowas nochmal vorkäme, werde etwas passieren. „Wir sind in Hoerstgen eigentlich alleine und hilflos“, sagte die Rednerin. Sie hoffe, „dass diese Solidarität künftig auch für Hoerstgen gilt“.

„Das ist ein Schulterschluss aller demokratischen Parteien und Bürger. Auch alle Kirchen waren sofort dabei, um mitzumachen. Und auch die Gewerkschaften, der DGB Niederrhein, der sofort getrommelt hat“, sagte René Schneider, Landtagsabgeordneter der SPD. „Wir lassen die Angst nicht zu.“ Schneider sagt, er kenne Landscheidt sehr gut, der ein „rational denkender Mensch sei“.

Foto: Christoph Reichwein (crei)/Foto: Christoph Reichwein

„Wichtig ist, dass wir hier Flagge zeigen“, sagte der Kamp-Lintforter CDU-Chef Simon Lisken. Er selbst halte allerdings nichts davon, dass sich Politiker bewaffnen. Bürgermeister Christoph Landscheidt kam nicht zu der Gegenkundgebung, davon hatte ihm auch die Polizei abgeraten.

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