1. NRW
  2. Städte
  3. Kamp-Lintfort

Kamp-Lintfort: So klingen Evergreens der Kammermusik

Musikfest in Kamp-Lintfort : So klingen Evergreens der Kammermusik

Am Sonntag startet das Kammermusikfest Kloster Kamp mit den offenen Proben. Simone von Rahden gehört zu den neun Musikern, die die Zuhörer auf eine Reise in die Klassik und Romantik mitnehmen. So sieht der Probenplan aus.

Diese Woche im Sommer hat sich Simone von Rahden in ihrem Terminkalender gerne freigehalten: „Das Kammermusikfest ist ein ausnehmend nettes Festival voller Atmosphäre“, sagt die Bratschistin, die in Rostock lebt. Ihre Vorfreude auf das musikalisch-familäre Zusammentreffen in Kamp-Lintfort sei in diesem Jahr sogar noch größer als sonst, sagt sie. „Ich bin dankbar, dass das Musikfest überhaupt stattfinden kann, auch wenn es wegen der Pandemie eine schlankere Form haben wird“, betont die Künstlerin, die schon mehrfach beim Kammermusikfest zu Gast war. Ab Sonntag, 18. Juli, trifft sie in Kamp-Lintfort auf acht weitere Musiker, um Werke der Klassik und Romantik zu erarbeiten und in sechs Konzerten darzubieten.

Die Musik sei eine Kommunikationsform, die vom Austausch mit den Kollegen, aber auch mit dem Publikum lebe. „Sie kann jetzt endlich wieder frei atmen“, sagt Simone von Rahden und ist froh, dass der lange Lockdown ohne Konzerte vorüber ist. „Ich habe die erzwungene kreative Phase im Vergleich zu vielen anderen Kollegen ja gut überstanden – auch weil ich Lehraufträge an zwei Hochschulen habe.“ Es sei ihr in dieser Zeit wichtig gewesen, ihre Studenten sowohl in Präsenz- als auch in Online-Unterricht aufzufangen. „Das haben die Hochschulen sehr gut ermöglicht, und ich hatte so eine Aufgabe.“ Bevor sie am 18. Juli zum Kammermusikfest Kloster Kamp stößt, halten sie ihre Lehraufträge jedoch noch ein paar Tage in Atem: „Es ist Prüfungswoche“, berichtet die 38-Jährige, die an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler in Berlin eine Bratschenklasse betreut und an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock seit Oktober 2020 als Lehrbeauftragte für Viola, Orchesterstudien, Kammermusik und Literaturkunde tätig ist. 

  • Annette Bialonski (Gesang), Witold Grohs (Saxophon)
    Konzerte im Grevenbroicher Museum : Münsteraner entführen in die Musik-Welt der „20er“
  • Schon bald sollen in der Kaiser-Friedrich-Halle
    „Meisterkonzerte“ in Mönchengladbach bis 2022 : Konzerte von Weltrang in der Kaiser-Friedrich-Halle
  • Kamp-Lintfort, Frank Reinert gründet Kulturcamp mit
    Neuer Kulturverein in Kamp-Lintfort : Kali-Jambo bringt Schwung in die Kultur

„Diese Kombination macht mir großen Spaß. Ich gebe mein Wissen wahnsinnig gerne weiter“, erzählt die Musikerin, die schon von Kindesalter an Klavier- und Violinunterricht nahm und im Alter von neun Jahren zur Bratsche wechselte. So sammelte sie schon früh erste Streichquartett-Erfahrungen. Das Viola-Studium absolvierte sie in Freiburg und in Berlin, wo sie 2011 das Konzertexamen mit Auszeichnung ablegte. Vom Konzept des Kammermusikfests Kloster Kamp, das der Cellist Alexander Hülshoff entwickelt hat, ist Simone von Rahden angetan: „Es ist ungewöhnlich, aber eine Superidee, das Publikum den Probenprozess miterleben und erfahren zu lassen, wie die Musiker untereinander kommunizieren.“ Das könne auch die Schwellenangst vor Kammermusikkonzerten nehmen. Für sie seien die offenen Proben von Anfang an eine Situation gewesen, die sie gut habe akzeptieren können. „Es hilft im Probenprozess, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht im Detail zu verlieren“, betont von Rahden.

Vor etwa zwölf Jahren lud Festivalleiter Alexander Hülshoff die Musiker zum ersten Mal nach Kamp-Lintfort ein. Sie hatten sich soeben kennengelernt. „Er lud mich ein, obwohl er mich noch gar nicht spielen gehört hatte“, berichtet die Bratschistin und freut sich besonders, dass Hülshoff für das diesjährige Kammermusikfest das Klavierquartett von Brahms ausgewählt hat. „Es begleitet mich emotional seit meiner Jugend“, erzählt sie. „Als ich 17/18 Jahre alt war, habe ich mir die Aufnahme täglich angehört.“ Erst ein paar Jahre später habe sie es dann selbst gespielt. In Studienzeiten interessierte sie sich verstärkt dann auch für die historische Aufführungspraxis. „Das entstand aus einer großen Neugier. Hier orientiert man sich an dem Material, das die Musiker in ihrer Zeit zur Verfügung hatten. Das betrifft die Saiten, die Bogenform.“ Simone von Rahden spielt die Barockbratsche unter anderem beim Orchstra of the Age of Enlightenment, wo sie 2016 die Stelle als Solobratschistin antrat. Das wird auf dem Kammermusikfest aber nicht zu erleben sein. „So tief ins Barock gehen wir nicht, sondern sind eher bei der Frühromantik dabei. Wir spielen die Evergreens der Klassik und Romantik.“

www.kammermusikfest-klosterkamp.de