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Kamp-Lintfort: Schirrhof etabliert sich als "Dritter Ort"

Stadtentwicklung in Kamp-Lintfort : Schirrhof etabliert sich als „Dritter Ort“

Bergbau-Kultur und Begegnungsort für Jung und Alt: So entwickelt sich der Schirrhof in Kamp-Lintfort. Susanne Rous, Leiterin des Infozentrums „Stadt und Bergbau“, stellt im RP-Interview Erreichtes und Pläne vor.

Der Schirrhof mausert sich mehr und mehr zur „guten Stube“ Kamp-Lintforts. Vor allem der Veranstaltungssaal, liebevoll „Pferdestall“ genannt, wird gut und regelmäßig genutzt. Das Infozentrum Stadt und Bergbau hat sich als Anlaufstelle für Besucher von Nah und Fern etabliert. Wie das aufwendig sanierte Bergbau-Ensemble zu einem attraktiven Begegnungsort für alle Kamp-Lintforter weiter entwickelt werden soll, erläutert Susanne Rous, Leiterin des Info-Zentrums Stadt und Bergbau, im Gespräch mit dem Grafschafter.

 Susanne Rous ist Leiterin des Infozentrums Stadt und Bergbau am Schirrhof. Es gehört zu ihren Aufgaben, den Schirrhof als „Dritten Ort“ zu etablieren, einen Begegnungsort für Jung und Alt.  Foto: Rüdiger Bechhaus
Susanne Rous ist Leiterin des Infozentrums Stadt und Bergbau am Schirrhof. Es gehört zu ihren Aufgaben, den Schirrhof als „Dritten Ort“ zu etablieren, einen Begegnungsort für Jung und Alt. Foto: Rüdiger Bechhaus Foto: Rüdiger Bechhaus

Wie gut wird das Infozentrum Stadt und Bergbau von den Besuchern wahrgenommen?

Susanne Rous Das Infozentrum wird gut genutzt. Es ist täglich außer montags fünf Stunden geöffnet. Zurzeit sind es vor allem Radfahrer, die uns ansteuern und Informationsflyer über Kamp-Lintfort, den Bergbau oder mögliche Radtouren mitnehmen. Einige leihen sich Räder an der Radstation aus, die sich ebenfalls auf dem Schirrhof befindet. Fahrradtourismus ist im Moment das Thema. Auf Interesse stößt auch das breite Angebot an Führungen, die wir hier zentral organisieren. Das reicht vom Besuch im Lehrstollen bis zu einer Fahrt auf den Förderturm von Schacht I. Auf der Landesgartenschau war das Infozentrum ein richtiger Besuchermagnet. Damals zählten wir bis zu 300 Besucher am Tag. Dass Kamp-Lintfort seit dem Sommer 2021 an der Route der Industriekultur liegt und einer von 26. Ankerpunkten ist, darauf sind wir nicht nur stolz: Es ist auch eine sehr gute Werbung.

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Wer sind Ihre Besucher?

Rous Es kommen viele Fahrradgruppen, aber auch Familien mit Kindern, die vorher den Spielplatz oder den Tierpark im Zechenpark besucht haben. Die Loks, die hier im Freien stehen, laden Kinder ja zum Spielen ein. Manchmal sind aber auch Leute hier, die noch auf dem Bergwerk gearbeitet haben.

Sie arbeiten aktuell an einem museumspädagogischen Konzept. Was soll es beinhalten?

Rous Das Gerüst steht schon. Wir wollen Führungen entwickeln, die sich an Kindertagesstätten und Schulen richten. Es gibt eine Gruppe von fünf Ehrenamtlichen, die sich mit ihren Ideen einbringt und solche Führungen auch gerne übernehmen möchte. Bei der Erarbeitung des Konzepts unterstützt uns Historiker Klaus Pirke, der schon die Ausstellung im Infozentrum entwickelt hat. Wir stellen uns ein kindgerechtes Angebot vor. Die Kinder sollen selbst ausprobieren und mit den Händen selbst was machen können: zum Beispiel Grubenlampen basteln. Eine Idee ist, dass wir die Kinder mit Grubenhemden einkleiden. Das Angebot soll 2022 an den Start gehen.

Mit Sonja Kadesreuther von der städtischen Wirtschaftsförderung haben Sie eine Internetseite für das Infozentrum entwickelt, die alle touristischen Angebote bündelt. Wie wird diese angenommen?

Rous Wir erhalten deutlich mehr Anfragen, seitdem die Internetseite ans Netz gegangen ist. Viele interessieren sich für unsere Flyer. Das Besondere unserer Homepage ist aber, dass sie mit dem Tourenplaner-System Outdooractive verknüpft ist. So können sich Interessierte verschiedene Routen und Wanderkarten herunterladen und ihre Touren selbst am Laptop planen. Das wird sehr gut angenommen.

Was planen Sie als nächstes?

Rous Wir möchten für das nächste Jahr eine Fahrradführung konzipieren. Ich kann mir eine Tour vom Schirrhof zum Kloster Kamp gut vorstellen. Außerdem arbeiten wir daran, den Standort hier weiter zu beleben. Ein wichtiger Kooperationspartner ist die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition. Die Mitglieder bringen sich wunderbar ein. Es hat für Besucher eine ganz andere Qualität, wenn ehemalige Bergleute erzählen. Zu meinen Aufgaben gehört es außerdem, den Schirrhof als einen Dritten Ort zu etablieren. Der Förderantrag, den ich geschrieben habe, ist bewilligt.

Was bedeutet das?

Rous Wir möchten hier eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, für Kunst und Kultur schaffen. Der Schirrhof soll neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz als Dritter Ort wahrgenommen werden, an dem man seine Freizeit verbringt und sich wohlfühlt. Wir stellen uns ein breites Spektrum vor. In Zusammenarbeit mit der Mobilen Jugendarbeit und dem Kulturrucksackprojekt der Stadt konnten wir Kindern in den Ferien schon viele Angebote machen. Im „Pferdestall“ treffen sich Migrantinnen regelmäßig in einer Tanzgruppe. Es finden Konzerte und Kunstausstellungen statt. Eine Boule-Gruppe ist hier ebenso beheimatet wie ein Heimatcafé. Ich würde gerne noch eine Jazz-Reihe installieren. Es gibt so viele Anfragen für den „Pferdestall“, dass wir gar nicht allen zusagen können. Wir stellen uns niederschwellige und offenen Angebote wie Eltern-/Kind-Gruppen vor, die sich selbst organisieren. Ich helfe gerne im Hintergrund dabei, solche Projekte anzuschieben. Eine Zielgruppe haben wir bisher nur punktuell erreicht: Jugendliche. Aber das wird bestimmt kommen, wenn erst die Pumptrack-Anlage im Zechenpark errichtet ist.

Hätten Sie erwartet, dass das Angebot Schirrhof so gut anläuft?

Rous Nein. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht, wir so viel Unterstützung erhalten und auf eine so große Resonanz stoßen würden. Die Leute finden den „Pferdestall“ als Veranstaltungsort klasse. Das zeigt die hohe Frequenz der Veranstaltungen. Mir macht es großen Spaß, die Leute kennenzulernen. Die Kamp-Lintforter sind sehr engagiert und interessiert.