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Kamp-Lintfort: Säulenheiliger schwebt zwischen Himmel und Erde

Kamp-Lintfort : Säulenheiliger schwebt zwischen Himmel und Erde

Vor dem Lineg-Gebäude in Kamp-Lintfort thront „Der Badende“ auf einer Litfaßsäule. Eine Figur von Christoph Pöggeler. Sie ist Teil der Ausstellung „WasserWerke“ im Inneren der Verwaltung. Doch wegen Corona wurde die Ausstellung zunächst geschoben.

Gemächlich schwebt die Skulptur „Der Badende“ ein und bezieht Stellung vor dem Lineg-Verwaltungsgebäude. Die etwa 1,80 Meter hohe Figur aus der Serie der Säulenheiligen des Düsseldorfer Künstlers Christoph Pöggeler wird auf eine Litfass-Säule montiert. Sie ist Teil der Ausstellung „WasserWerke“ im Inneren der Verwaltung. Doch wegen Corona wurde die Ausstellung zunächst geschoben. Schon bald sollen mit einem angepassten Sicherheitskonzept und Hygieneauflagen Gäste sich die Arbeiten ausschauen können. Galerist Andreas Verfürth hat Pöggelers Bilderwelten gemeinsam mit der Lineg in die Hochschulstadt geholt.

Die Aufbauarbeiten mit dem Kran gegenüber dem Gelände der Landesgartenschau sind routiniert und brauchen rund 30 Minuten. Pöggeler, 1958 in Münster geboren, hat den Standort inklusive Blickfeld des Badenden mit Bedacht festgelegt. Er begrüßt zwischen Himmel und Erde alle diejenigen, die die ehemalige Bergarbeiter- und heutige Hochschulstadt kommen. Bei den derzeitig frischen Temperaturen kann es den Betrachter leicht frösteln. Doch der Badende in seinen Schwimmshorts friert nicht. Im Gegenteil. Er macht Lust auf den kommenden Sommer, eine Auszeit in Kamp-Lintfort und konnte demzufolge auch der „Urlauber“ oder „Tourist“ heißen.

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Locker hat er sein Badehandtuch über die Schulter geworfen. In der Hand trägt er Schwimmflossen. Ähnlich der klassischen Bildhauerei arbeitet Pöggeler, als Vertreter des zeitgenössischen Realismus, detailverliebt an seinen Skulpturen. Anders als die Botschaft der frühchristlichen Säulenheilgen, den Styliten, hebt er seit 2002 mit seinen Figuren alltägliche, zeitlose Themen auf den Sockel.

Ausgangsmaterial ist Kunstharz, das für die künstlerische Arbeit besondere Eigenschaften mitbringt. Jede Falte in der Kleidung, jede noch so kleine Haarlocke oder Hautunebenheit wird abgebildet. Das Material sorgt für Glanz und Tiefe, dass man beinahe Pantomime vermuten möchte. Von wegen. „Mit Epoxid-Harzen lassen sich gute Effekte erzielen“, erläutert Andreas Verfürth den Werkstoff. Fotos und Abgüsse am lebenden Modell liefern Pöggeler die Arbeitsbasis. Der Badende, dem Ähnlichkeit mit dem Künstler nachgesagt wird, gehört in den Club der Skulpturen des Alltags. Figuren wie der Fotograf, der Geschäftsmann über ein küssendes Paar, eine lesende Frau, ein Vater-Sohn-Duo bis hin zur jungen Mutter – alle sind Club-Mitglieder.

„Wir wollen ein positives Zeichen setzen. Es geht in Corona-Zeiten weiter. Wir schauen nach vorne“, betont Elke Wimmer von der Lineg. Auch im Hinblick auf die Laga, die jetzt ihre Pforten öffnet. Rund vier Meter hoch ist die Litfaßsäule, die bleiben wird und wie früher als Kommunikationsmittel dienen soll. „Wir werden dort unsere Plakate kleben“, so Wimmer. Der Badende bleibt als Tourist bis in den späten Herbst.