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Kamp-Lintfort: Neues Konzept für Dauerausstellung im Haus des Bergmanns

Museum in Kamp-Lintfort : Neues Konzept fürs Haus des Bergmanns

Stadt und Fördergemeinschaft für Bergmannstradition wollen die Dauerausstellung im „Haus des Bergmanns“ 2022 überarbeiten lassen. Ein Förderantrag in Höhe von 240.000 Euro ist gestellt.

Das Infozentrum Stadt und Bergbau hat zur Landesgartenschau auf dem Schirrhof den Betrieb aufgenommen. Lehrstollen und Förderturm sind wahre Publikumsmagnete im neuen Zechenpark an der Friedrich-Heinrich-Allee. Jetzt steht die dritte Säule des Zentrums für Bergbautradition im Fokus der Planungen: Das Museum „Haus des Bergmanns“ an der Ecke Ebert- und Antonstraße soll 15 Jahre nach seiner Eröffnung nach modernen Maßstäben aufgepeppt werden. Ein Förderantrag in Höhe von 240.000 Euro ist gestellt. Mit der Bewilligung wird Ende des Jahres gerechnet, so dass 2022 die Umsetzung der Neukonzeption für einen Teil des Museums beginnen kann.

Die Stadt Kamp-Lintfort hatte das ehemalige Zechenhaus in der Altsiedlung 2005 erworben und zusammen mit der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition sowie örtlichen Unternehmen darin ein Museum eingerichtet. An diesem dritten Vermittlungsort für Bergbaugeschichte geht es nicht um die Arbeit der Kumpel, sondern um ihren Alltag – um das Leben und Wohnen in einer der größten Zechensiedlungen im Ruhrgebiet. Eine Haushälfte versetzte man damals wieder in den ursprünglichen Zustand zurück: Sie zeigt die detailgetreu eingerichtete Wohnung einer Bergarbeiterfamilie um das Jahr 1910 mit Küche, Waschzuber, Ofen, Kinder- und Schlafzimmer sowie der guten Wohnstube.

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Hier ist es fast so, als sei die Zeit stehen geblieben. Da liegen in der Kinderstube Bilderbücher und Puppen herum, in der Küche steht ein frisch gebackener Kuchen auf dem Tisch, im Schlafzimmer hat die Hausfrau gerade ihr bestes Kleid auf dem Ehebett ausgebreitet. „Hier wollen wir gar nichts verändern“, betont Kulturdezernent Christoph Müllmann im Haus des Bergmanns. Die geplante Überarbeitung der Präsentation hat insbesondere die zweite Haushälfte im Blick.

Dort, wo heute technische Geräte aus dem Bergbau, darunter eine komplette Sammlung von Grubenlampen, und das Modell einer fiktiven Zeche gezeigt werden, will man zukünftig die Siedlungsgeschichte der Kolonie und ihrer Bewohner in den Mittelpunkt stellen: Vier Räume mit zwei mal 12,2 Quadratmetern und zwei mal 15 Quadratmetern stehen dafür zur Verfügung. Der neue Ausstellungsbereich soll das Zusammenleben und den Alltag in der Kolonie ebenso thematisieren wie die Bereiche Migration, Kultur, Gemeinschaft und Vereinsleben sowie Infrastruktur wie Kirchen, Schulen, Gärten und Konsum.

„Ein Thema wird zum Beispiel das Anwerbeabkommen mit der Türkei vor 60 Jahren sein“, betont Norbert Ballhaus, Vorsitzender der Fördergemeinschaft, die das Museum betreut. Aber auch der Alltag der Frauen und Kinder soll dargestellt werden. „Wie haben die Kinder in der Kolonie zum Beispiel gespielt“, fügt Petra Niemöller, Leiterin der Kulturbüros, hinzu. „Zu vielen Bereichen der Alltagskultur liegen Zeitzeugenberichte unter anderem im Archiv des Vereins Niederrhein, Ortsverein Kamp-Lintfort, bereits vor.“ Die zukünftige Präsentation orientiert sich an der im Infozentrum Stadt und Bergbau. „Es soll dieselbe Bildsprache sein“, betont Susanne Rous, Leiterin des Infozentrums. Hörstationen mit O-Tönen sollen neben den Exponaten einen Einblick in den Alltag der Bergarbeiterfamilien geben. Ziel der Konzeption ist, dass das Haus des Bergmanns selbsterklärend zu erkunden ist. Bislang entdecken Besucher das Museum bei Führungen. Eine Idee: Besucher rufen über QR-Codes die Informationen über ihr Smartphone ab. Da das Keller- und das Obergeschoss für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich sind, soll eine Medieneinheit bereitstehen, die die Räume als Film mit 3D-Animation veranschaulicht. Norbert Ballhaus erhofft sich von der Überarbeitung des Konzepts einen Schub für das Haus des Bergmanns. „Es soll noch mehr Besucher ins Museum locken.“