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Kamp-Lintfort: Natur pur an der Großen Goorley

Ökologie in Kamp-Lintfort : Natur pur an der Großen Goorley

Zum Auftakt seiner Sommertour informierte sich der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider über den naturnahen Ausbau der Großen Goorley im Zechenpark. „Boden gut machen“ lautet das Thema der Tour durch den Wahlkreis.

In seiner Kindheit, so erinnert sich René Schneider, lag die Große Goorley „einfach nur so da“. Niemand habe das Gewässer, das die Altsiedlung mit dem Stadtteil Kamp verbindet, so richtig wahrgenommen. „Ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder hier unterwegs waren, Detektiv gespielt haben und ich aus Versehen das Funkgerät eines Freundes in der Goorley versenkt habe“, sagt der Landtagsabgeordnete. „Das gab ordentlich Ärger“, erzählt er lächelnd. Umso reizvoller präsentiert sich die Große Goorley heute nach dem naturnahen Ausbau durch die Lineg. „Mit dem Ausbau des Wandelwegs, der parallel zur Großen Goorley verläuft, wurde sie zum ersten Mal richtig wahrgenommen“, sagt Schneider.

Die Genossenschaft mit Sitz in Kamp-Lintfort ließ ab Juli 2018 den Oberlauf des Gewässers, der über das Areal des früheren Bergwerks West fließt, naturnah mit landschaftstypischen Pflanzen umgestalten und das Fließgewässer auf einem 670 Meter langen Teilstück im Zechenpark ökologisch wiederherstellen. Die Baukosten beliefen sich auf etwa drei Millionen Euro. Wie die Lineg „Boden gut machte“, das ließ sich René Schneider zum Auftakt der neunten Sommertour durch seinen Wahlkreis von Susanne Leese-Bartram und Gesa Amstutz (beide Lineg) erläutern. „Boden gut machen“, so lautet auch das diesjährige Thema der Sommertour des Abgeordneten, die ihn in den Sommerferien unter anderem in den Archäologischen Park nach Xanten und auf den Paschenhof nach Neukirchen-Vluyn führen wird. In sechs Wochen will er sechs Orte im Wahlkreis besuchen. „Der naturnahe Ausbau der Großen Goorley ist für mich ein Abbild für viele Renaturierungsprojekte in der Region“, erläuterte René Schneider die Wahl der Örtlichkeit. Die Lineg schmiedete bereits erste Pläne für das Goorley-Projekt zur Zeit der Zechen-Schließung, berichtete Susanne Leese-Bartram. Mit den Planungen für die Landesgartenschau habe das Renaturierungsvorhaben dann richtig Schwung aufgenommen. Die Große Goorley war mal eine natürliche Flussaue, bis Anfang des 20. Jahrhunderts der Bergbau kam. Er leitete nicht nur seine Abwässer hinein, sondern ließ auch Betonsohlschalen einbauen. „Ein No-Go für den naturnahen Ausbau“, betonte Susanne Leese-Bartram. Die Lineg ließ die Betonsohlschalen wieder entfernen und die alte Kläranlage abbrechen. Im Bereich des Quellbauwerks, das durch gereinigtes Grund- und Regenwasser gespeist wird, schuf die RAG Montan Immobilien an der Franzstraße Ersatz für die alte Grundwasserreinigungsanlage. Das Gewässerbett wurde auf der Strecke auf Höhe gebracht, damit die Große Goorley wieder sichtbar wird. Spaziergänger entdecken heute beispielsweise Totholz. „Das ist wichtig“, erläuterte Susanne Leese-Bartram, „um dem Gewässer Dynamik zu geben.“ Der Bachverlauf präsentiert sich mäandernd und variiert in Tiefe und Breite, damit Tiere Schutz finden. „Es schwimmen hier Stichlinge.“ Das Renaturierungsprojekt wurde nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt. Das Land NRW förderte die Maßnahme. Auch Schadstoffe im Boden mussten im Rahmen des Ausbaus entfernt werden. Diese habe man mit der RAG fachgerecht im Kleinen Fritz, dem Landschaftsbauwerk auf dem Zechengelände, entsorgt. Dort wurden alle Altlasten verbracht. Ein großes Problem bei der Pflege solcher naturnahen Gewässer stelle wild entsorgter Müll dar: „Wir haben schon Fahrräder, Gartenabfälle in blauen Säcken, Toilettenschüsseln und Schweinschwarten gefunden“, sagen die Lineg-Mitarbeiterinnen.

„Es macht einen sprachlos, was die Leute in die Natur werfen.“ Vor dem Umbau des Bergbau-Areals hätten manche ihren Müll einfach über die Zechenmauer geworfen. „Wir überlegen schon heute, wie wir den Bereich der Goorley nach der Landesgartenschau schützen können“, betonte Gesa Amstutz. René Schneider hofft auf soziale Kontrolle durch die Anwohner: „Der Bereich an der Zechenmauer war früher die schäbigste Lage in der Altsiedlung. Heute ist es die beste Adresse, weil sie direkt an den neuen Park grenzt.“