Kamp-Lintfort/Moers: Kaffeeklatsch mit Kunst und Künstlerin

Kunst aus Kamp-Lintfort : Kaffeeklatsch mit Kunst und Künstlerin

Auswärtsspiel für Heike Wirtz. Die Kamp-Lintforter Künstlerin stellt unter dem Titel „Living Room – Wohnzimmer – Lebensraum“ Arbeiten in der Kulturkneipe „Die Röhre“ in Moers aus. Künstlergespräch ist im Januar.

Sie malt Dinge, die „einfach da sind“, was jedoch nicht verwunderlich ist, denn Heike Wirtz hat Produktdesign studiert und hat daher einen Blick für „Dinge, die man jeden Tag sieht, aber irgendwie nie so richtig beachtet“. Umso beachtenswerter ist ihre Ausstellung, die derzeit in der Kulturkneipe „Die Röhre“ an der Weygoldstraße 10 in Moers zu sehen ist. Auf insgesamt 17 unterschiedlich großen Bildern zeigt sie dort Sessel, Stühle, Tassen, Vasen und andere Alltagsgegenstände in einem ungewöhnlich weichen, diffusen Licht und gibt ihnen damit eine merkwürdig geheimnisvolle Bedeutung. „Stillleben haben ja oft ein etwas angestaubtes Image“, beschreibt die 48-jährige, gebürtige Kamp-Lintforterin ihre Bilder selber mit einem leisen Hauch von Ironie.

„Für mich aber nicht.“ Dabei zeigt sie auf eines ihrer Ausstellungsbilder, das einen breiten Farbpinsel in einer mit weißer Farbe gefüllten Schale zeigt. „Tausendmal gesehen, und jetzt auch gemalt.“ „Nein“, sie male nicht nur Stillleben, sondern auch gerne Häuser und Landschaften, habe sich aber bei dieser Ausstellung auf eine Stilrichtung beschränkt“, erklärt sie auf eine entsprechende Frage hin und nimmt die Antwort auf eine weitere Frage schon vorher vorweg. „Ja“, sie male überwiegend mit Acrylfarben, verwende sie aber oft wie Aquarellfarben. Auf diese Weise kämen manchmal bis zu zehn auf einander gemalte Schichten für ihre Bildhintergründe zusammen. Dass die dargestellten Gegenstände dabei oft farblich und auch von ihren Konturen her mir diesen Bildhintergründen verschmelzen, ist beabsichtigt und gibt den Motiven ihre bereits oben beschriebene diffuse Anmutung. „Das mache ich ganz bewusst so. Übertreibe dabei aber auch manchmal etwas“ bekennt sie: „Wenn meine Tochter sagt, dass sie nichts mehr erkennt, war es zu viel.“

Für die meisten ihrer Stillleben macht Heike Wirtz zuvor lockere Farbskizzen in Originalgröße, besonders interessante Motive, wie zum Beispiel eine Stuhlreihe auf einem Amtsflur, fotgrafiert sie aber auch schon mal. Bei der Komposition ihrer Bilder platziert sie die Gegenstände dann oft bewusst nicht in der Bildmitte, und bewirkt so einen kompositorisch spannungsvollen Gesamteindruck.

Heike Wirtz gehört seit Anfang diesen Jahres zu der bekannten niederrheinischen Künstlerinnengruppe „Tanedi“, was sie besonders stolz macht. „Die nehmen nicht jeden“, lächelt sie. Neben vier bis sechs Einzel- und Gruppenausstellungen pro Jahr nimmt sie mit ihren Bildern auch an Kunstwettbewerben teil, präsentiert sich und ihre Arbeiten auf diversen Kunstmessen und gibt außerdem seit 2006 Malkurse an der Kamp-Lintforter Volkshochschule.