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Kamp-Lintfort: Meditationskreis bietet eine Zeit der Stille

Advent in Kamp-Lintfort : Meditationskreis bietet eine Zeit der Stille

Seit zehn Jahren lädt der Meditationskreis der Pfarrgemeinde St. Josef im Advent die Kamp-Lintforter ein, einmal innezuhalten und eine gemeinsame Zeit der Stille zu erleben.

Zur Mittagsschicht ist es still in der Marienkapelle der Abteikirche Kamp. Immer im Advent und in der Fastenzeit treffen sich dort Menschen, um für 30 Minuten in ihrem immer hektisch werdenden Alltag innezuhalten und Ruhe zu finden. „Es ist, als ob man durch die Kraft der Stille zur eigenen Mitte findet. Die gemeinsame Meditation hat eine besondere Qualität von Ruhe“, sagt Hildegard Häselhoff. Sie gehört zum fünfköpfigen Meditationskreis, der die gemeinsame Selbstbesinnung seit mehr als zehn Jahren organisiert und gestaltet.

Die Mittagsmeditation, die aktuell donnerstags von 15 bis 15.30 Uhr in der Klosterkirche auf Kamp stattfindet, knüpft an die „Frühschicht“ an, die einst Pater Georg Geisbauer leitete. Als er das Kloster Kamp 2010 verließ, taten sich einige Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Josef zusammen, um das Meditationsangebot aufrechtzuerhalten. „Wir dachten, wir würden die Mittagsmeditation vielleicht ein- oder zweimal anbieten“, erinnert sich Ulla Volz-Boers. Doch die Resonanz auf das Angebot, das im Kontrast zur heutigen schnelllebigen Zeit steht, war groß.

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„Am Ende unserer ersten Meditation sagten die Teilnehmer: Wir freuen uns schon aufs nächste Mal. Da konnten wir doch nicht aufhören“, sagt die Kamp-Lintforterin lächelnd. „Es war außerdem die Zeit der Kirchenfusion. St. Paulus wurde profaniert. Auf Kamp gab es kein Pfarrheim mehr. Viele haben damals ihre kirchliche Heimat verloren“, berichtet Ingrid Weinreich, warum sie sich seinerzeit dem Meditationskreis als Mitglied anschloss und regelmäßig die Zeit der gemeinsamen Stille vorbereitet und gestaltet. Werner Illigen stieß hingegen einige Zeit später zur Gruppe. „Ich kam als Gast zur Mittagsmeditation. Stille in dieser Form kannte ich damals gar nicht, weil mein Berufsleben ganz anders getaktet war“, berichtet der Kamp-Lintforter, der bis zum Vorruhestand für die Stadtwerke in Duisburg tätig war und die CDU im Kamp-Lintforter Stadtrat vertritt. „Ich kannte alle im Meditationskreis zum Teil seit der Jugend“, erzählt Illigen, warum er sich der Gruppe anschloss.

Nach dem Berufsleben, als er Zeit hatte, sich auf Neues zu konzentrieren, brachte er sich denn auch ebenfalls im Meditationskreis ein. Zweimal im Jahr treffen sich die Mitglieder, um sich auszutauschen, über mögliche Texte zu sprechen und die Termine zu planen. Jeweils ein Mitglied der fünfköpfigen Gruppe bereitet eine Andacht in der Marienkapelle vor. Die Meditation beginnt stets mit einem Kanon (“Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“) und einer körperlichen Entspannungsübung. „Ich atme sieben Mal durch die Nase ein und aus, spüre die kühle Luft und zaubere dabei ein leises Lächeln auf meine Lippen“, sagt Ulla Volz-Boers, die als Psychoanalytikerin und Ärztin in Kamp-Lintfort tätig ist.

„Im Anschluss lesen wir einen kurzen Text zur Einstimmung. Das können Bibeltexte, aber auch kleine persönliche Geschichten, geistliche Texte oder ein Gebet sein, das einen Anstoß gibt“, erzählt sie und fügt hinzu: „Wir haben einen Pool an Texten. Bei der Suche nach einem passenden Text vertieft man sich selbst. Das ist sehr schön.“ Nach der Einstimmung schweigen die Besucher und lassen für 20 Minuten die Stille in der Marienkapellen auf sich wirken. „Man muss die Stille auch aushalten können. Sie bietet aber auch die Chance, mit sich selbst Rücksprache zu halten und festzustellen, ob man auf dem richtigen Weg ist“, betont Hildegard Häselhoff. „Oder man denkt über Gott und die Welt nach“, fügt Werner Illigen hinzu. Sechs bis 13 Personen aus beiden christlichen Konfessionen nehmen das Meditationsangebot im Advent und in der Fastenzeit regelmäßig war, das immer mit einem spontanen Gebet und einem schönen Gespräch bei Kaffee und Kuchen im Klostercafé endet.

„Unsere halbe Stunde ist ökumenisch“, sagt Ulla Volz-Boers. „Warum auch nicht? Auf Kamp beten die Menschen seit 900 Jahren. Und ich freue mich auf alle, die zu uns in die Abteikirche kommen.“