1. NRW
  2. Städte
  3. Kamp-Lintfort

Kamp-Lintfort: Lieblingsstücke aus der Schatzkammer

Die Geschichte der Zisterzienser in Kamp-Lintfort : Lieblingsstücke aus der Schatzkammer

Zum fünften Mal nahm das Museum Kloster Kamp am Internationalen Museumstag teil. Peter Hahnen sorgte mit einer Kurzführung für geballtes Interesse. Der Museumschef lenkte den Blick auf wenige Lieblingsstücke. 

Die Schatzkammer auf Kamp gilt als Kleinod. Aus ganz verschiedenen Perspektiven lässt sich hier die Geschichte der Zisterzienser und der Karmeliter entdecken. Am Internationalen Tag des Museums lud Museumschef Peter Hahnen Interessierte ein, seine Lieblingstücke zu entdecken. Er bot eine Kurzführung von 30 Minuten an. Zu wenig? Von wegen. Peter Hahne prophezeite zu Recht Appetithappen, die den Wunsch nach mehr schnell aufkommen lassen.

Einer kleinen Gruppe Museumsbesucher erklärte er, worauf sich sein Interesse richtet und welche Exponate er zu seinen Lieblingsstücken erkoren hat. Da ist zunächst die Heilige Agatha, die aus luftiger Höhe über den Klosterplatz wie auch die Museumsgäste schaut. Die gottgeweihte Jungfrau Agatha von Catania starb um 250 n. Chr. auf ihrer Heimatinsel Sizilien an den Folgen von bestialischer Folter. Der heidnische Statthalter Quintinianus hatte sie der Christin beigebracht, nachdem sie wiederholt seinem Heiratsantrag ablehnte. Ein Jahr nach ihrem Tod brach der Ätna aus.

  • Kamp-Lintfort, Feierstunde zum 25-Jährigen Jubiläum der
    Kamp-Lintfort : Feierstunde für die Stadtwerke
  • Kamp-Lintfort, Elisabeth Weckes stellt im Gewölbekeller
    Kunst in Kamp-Lintfort : Gewölbekeller öffnet sich wieder der Kunst
  • Christoph Müllmann, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins
    Sportliches Event in Kamp-Lintfort : Boule-Nachmittag vor Kloster-Kulisse

Der Überlieferung nach zogen die Einwohner von Catania dem Lavastrom mit dem Schleier von Agatha entgehen. Mit Erfolg. Der Vulkan beruhigte sich. Später entwickelte sich daraus eine Agatha-Verehrung mit Bittprozessionen im Februar, der Ausgabe von Agatha-Brot und Agatha-Zetteln. „Agatha starb als Märtyrerin. Links sehen Sie die Märtyrerpalme und rechts eine Zange“, so der Hinweis von Hahne. Mit der Zange nahm man ihr unter anderem die Brüste ab. Welche Rolle spielte Jahrhunderte später Kamp in der Geschichte von Agatha?

„Die Zisterzienser, die Kamp gründeten, brachten ein Stück ihres Schädels mit nach Kamp. Die Reliquie wird im Altar der Klosterkirche aufbewahrt“, erläutert Hahne den Zusammenhang. „Das Stück des Schädels ist ein Beispiel für Hingabe, sich den eingeschlagenen Weg zu Gott nicht ausreden zu lassen.“

Mit dem Wissen um Agatha und der Klostergründung 1123 durch die Zisterzienser betritt die Gruppe das Skriptorium der Schatzkammer. Hahnen ist in seinem Element, erzählt vom wertvollen Pergament, auf dem Schreibfehler mit Bimsstein getilgt wurden und der Bedeutung, die Kamp früh mit seinen reich verzierten Schriften erlangte. Macht, Einfluss und Blüte vereinen sich, wie sich in den Ölgemälden zeigt, „jedoch mit dem Hinweis, göttlicher Segen sollte vorausgesetzt sein“, so Hahnen, der die rund 100 Klosterneugründungen anspricht. Sein Publikum tauchte immer tiefer in die Geschichte ein, erfuhr von der zweimaligen Vertreibung der Mönche, dem Neustart um 1650. Kloster Kamp erlangte mit der Auslegung von weltlichen Ereignissen Ruhm. „Kamp war damals auf dem Stand der Zeit, ganz nach dem Motto, wenn Gott Gehirn gegeben hat, sollte es genutzt werden“, so Hahnen. Eine Position, die schnell die Opposition auf den Plan rief. Napoleon sorgte ab 1802 für die Verweltlichung kirchlicher Besitztümer. Die Säkularisierung führte Kamp beinahe in die Bedeutungslosigkeit. Die Gebäude verfielen, nur Kirche und Krankentrakt blieben. „Die Bibliothek von Kamp wurde in Duisburg verkauft, Bilder, Figuren und Skulpturen zum Teil zerstört“, so Hahnen. Erst 1955 kehrte mit den Karmelitern aus den Niederlanden klösterliches Leben zurück. „Man kann dieses Beispiel für Verständigung und Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Berg gar nicht hoch genug einschätzen“, führte er aus. Ein Grund, warum er auf dem Berg die Europafahne wehen lässt.