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Kamp-Lintfort: Kunst macht Untertage virtuell erlebbar

Landesgartenschau in Kamp-Lintfort : Kunst macht Untertage virtuell erlebbar

Der Moerser Künstler Becker Schmitz hat eine digitale Skulptur der unterirdischen Bergbau-Architektur geschaffen. Das Kunstwerk „Schwarzes Gold“ macht die Untertagewelt virtuell erlebbar. Eine App ist entwickelt.

Ein Jahrhundert lang hat der Bergbau die Region geprägt: Heute sind die Schächte und Stollen verfüllt und geschlossen, das Schwarze Gold wird nicht mehr gefördert. Für den Moerser Künstler Becker Schmitz tut sich unter unseren Füßen aber eine „riesige Skulptur“ auf, die von Kamp-Lintfort bis Dortmund und weiter reicht. Mit seiner digitalen Installation „Schwarzes Gold“ möchte er die Zeit von Industrialisierung und Strukturwandel zumindest virtuell wieder sichtbar und erlebbar machen. Der perfekte Ort ist dafür gefunden: der Zechenpark in Kamp-Lintfort. Denn dort, wo heute die Landesgartenschau blüht, wurde 2012 das letzte Bergwerk am linken Niederrhein geschlossen. Seit März hat der Künstler zusammen mit dem Kölner Programmierer Daniel Brück eine App entwickelt, die als digitales Kunstwerk die Vergangenheit und die Untertagewelt des Bergbaus als 3D-Installation wieder ans Tageslicht befördert und virtuell neben dem realen Förderturm in die Höhe wachsen lässt.

Am Montag präsentierte Becker Schmitz am wir4-Pavillon auf der Landesgartenschau sein Werk. Die unterirdischen Schachtanlagen und Stollen heben sich in der digitalen Installation goldgelb von der Umgebung ab. „Die Skulptur ist eine Wertschätzung der Bergleute, die Jahrzehnte lang im Schweiße ihres Angesichts die Kohle abgebaut und die Region damit groß gemacht haben“, sagt Becker Schmitz, der sich künstlerisch erst seit zwei bis drei Jahren mit den digitalen Möglichkeiten befasst. „Die Architektur, die die Bergleute untertage hinterlassen haben, ist für mich ein Kunstwerk.“ Die Idee zur 3D-Installation wurde im Frühjahr geboren. „Die Entwicklung war spannend, herausfordernd und schön“, sagt der Künstler, der die wir4-Wirtschaftsförderung als Kooperationspartner gewinnen konnte. Das kommt nicht von ungefähr: Auch die Wirtschaftsförderung der Kommunen Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg hat sich das Thema Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren den Strukturwandel in der Region unterstützt. Heute stellen wir uns mit dem wir4-Pavillon als vielfältiger, dynamischer und innovativer Wirtschaftsstandort vor“, erläuterte Vorstand Brigitten Jansen. „Mit der Installation wagen wir den Versuch, auf zeitgemäße Art an die großartige Leistung des Bergbaus zu erinnern.“ Die App soll zeigen, dass an Ort und Stelle eine Transformation stattfindet – vom Bergbau zur Hochschule, zur Landesgartenschau und zu einem neuen Stadtquartier. „Gleichzeitig vermittelt uns die 3D-Animation ein Gefühl und eine Ahnung, wie überwältigend das Bauwerk unter unseren Füßen ist. Auch Kindern und Jugendlichen sowie Menschen, die nicht aus der Region stammen, bringen wir so den Bergbau näher“, findet Becker Schmitz.

Die Funktion der App ist einfach zu bedienen. Besucher können die App auf der wir4-Homepage und etwa in 14 Tagen auch im App-Store auf Android-Telefone und Tablets herunterladen – oder direkt am wir4-Pavillon. Auf der Ausstellungsfläche finden Interessierte einen QR-Code, mit dem man die App starten kann. Daraufhin öffnet sich ein Bildschirm. Man schwenkt das Gerät über das Areal der Laga. Auf die Aufnahme legt sich eine so genannte „Augmented Reality“-Skulptur, die den Schachtanlagen des Ruhrgebietes nachempfunden ist. Die digitale Skulptur ist aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Anregung holte sich Becker Schmitz anhand der Daten von Zollern, der Rest war Recherche.

„Die App bietet auch einen Info-Punkt, der über das industrielle Erbe und den Strukturwandel informiert“, berichtet der Künstler und freut sich zahlreiche Nutzer.