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Kamp-Lintfort: Konzepte für eine klimafreundliche Stadt

Umwelt in Kamp-Lintfort : Konzepte für eine klimafreundliche Stadt

Der Stadtrat in Kamp-Lintfort verabschiedet in seiner Sitzung am 31. März die erarbeiteten Klimaschutzteilkonzepte Liegenschaften und Mobilität. Ein Sanierungsfahrplan für die städtischen Gebäude steht bereits.

Das Ziel ist nicht weniger als die klimafreundliche Stadt: Zwei große Handlungsfelder haben Politik und Verwaltung in Kamp-Lintfort jetzt in Angriff genommen – die Erstellung von Teilschutzkonzepten in Sachen städtischer Liegenschaften sowie Mobilität. Mit beiden Konzepten beauftragt war das Büro Gertec Ingenieurgesellschaft aus Essen, für das Teilkonzept Mobilität gemeinschaftlich mit dem Kamp-Lintforter Büro für Verkehrs- und Stadtplanung Rödel & Pachan. Für die städtischen Gebäude und Liegenschaften liegt den politischen Gremien inzwischen ein Fahrplan für die energetisch notwendigen Sanierungsmaßnahmen vor.

Oben auf der Prioritätenliste stehen das Rathaus selbst und das Schulzentrum Kamper Dreieck. Zwar seien die Investitionskosten bei beiden Objekten mit 3,9 Millionen Euro (Schulzentrum) und 3,7 Millionen Euro (Rathaus) ziemlich hoch. Laut Experten versprechen beide Maßnahmen aber auch die größten Einsparpotentiale nach der energetischen Sanierung. Sie liegen für das Schulzentrum bei 102.790 Euro im Jahr, für das Rathaus bei 65.100 Euro im Jahr. „Dies lässt nicht nur auf eine gute Wirtschaftlichkeit schließen, sondern auch auf vorteilhafte ökologische Auswirkungen“, heißt es im Konzept der Ingenieurgesellschaft. Das Büro hat im Rahmen seiner Untersuchung 246 Sanierungsmaßnahmen für 58 städtische Gebäude und Liegenschaften aufgezeigt. Dies seien im Schnitt fast fünf Maßnahmen je Gebäude – allerdings mit unterschiedlichen Investitionskosten, Energieeinsparungen und Kapitalwerten.

Auf der Prioritätenliste stehen unter anderem auch das Alte Rathaus, mehrere Grundschulen und Kindertagesstäten, das Diesterweg-Forum, Kloster Kamp, das Museumshaus in der Altsiedlung, eine Markttrinkhalle und ein Qualifizierungszentrum. Das Klimaschutzteilkonzept, das Dezernent Martin Notthoff in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses als „Bibel der Gebäudewirtschaft“ bezeichnete, soll nun Leitlinie und Grundlage dafür sein, wie die Stadt Kamp-Lintfort zukünftig mit ihren Liegenschaften umgehen wird, um die Energiekosten zu senken. Peter Stapper (CDU) sorgte sich in der Sitzung um die anstehenden Kosten: „Das sind Summen. Da bekommt man es ja mit der Angst zu tun.“ Notthoff machte deutlich, dass es nicht geplant sein, alle Maßnahmen auf einen Schlag zu realisieren.

„Wir gehen Stück für Stück, Etage für Etage vor“, sagte er. Eine erste energetische Ertüchtigung im Rathaus sei für 2021 im Haushalt der Stadt eingeplant. Wie aus der Vorlage zum Umweltausschuss hervorgeht, haben Fraktionen die Möglichkeiten, Korrekturen und Änderungswünsche bis zum 21. Februar in das Konzept einarbeiten zu lassen. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses soll am 23. März ein Empfehlungsbeschluss über die Endfassung des Klimaschutzteilkonzeptes für den Stadtrat erfolgen. Dieser tagt am 31. März und trifft die endgültige Entscheidung.

Die Stadtverwaltung hat außerdem den Sektor Mobilität als „zentrales“ Handlungsfeld ausgemacht, um Treibhausgas-Emissionen einzusparen und gleichzeitig einen Beitrag zu einer lebenswerten Stadt leisten. Lauf Verwaltung ist der Verkehr aktuell für 30 Prozent der Gesamtemissionen in der Stadt verantwortlich. Das Teilschutzkonzept sei die strategische Arbeitsgrundlage für die nächsten zehn bis 15 Jahren. Das Konzept sieht ein umfangreiches Maßnahmenprogramm vor. Es umfasst Themenbereiche wie die Optimierung der Parkraumbewirtschaftung, die Einrichtung eines zentralen städtischen Fuhrparkmanagements, die Verlagerung von Dienstfahrten auf Pedelecs und E-Lastenräder oder Infrastrukturverbesserungen für eine klimagerechte Schülermobilität. Zu den Aufgaben gehören laut Konzept auch die Pflege, Instandsetzung und Erweiterung der Radverkehrsinfrastruktur mit dem Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren, der Ausbau der Radabstellanlagen, autofreie Aktionstage mit der Umgestaltung von Straßen zu Nutzungsräumen und der Schaffung bedarfsgerechter flächendeckender ÖPNV-Angebote.

Einen wichtigen Stellenwert nimmt das Thema Wasserstoffmobilität ein. Es soll möglichst kurzfristig ein Konzept für das mit dem Kreis Wesel angedachte Kooperationsprojekt erstellt werden. Dabei soll geprüft werden, ob auf dem Areal des Abfallentsorgungszentrums Asdonkshof in einem Pilotprojekt eine Wasserstofftankstelle in Betrieb gehen kann. Ein erstes Ziel sei die Versorgung möglichst vieler kommunale Müllfahrzeuge mit Brennstoffzellentechnik. Im März erhalten die Bürger die Möglichkeit , sich in einer Veranstaltung mit ihren Ideen und Vorschlägen zu beteiligen.