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Kamp-Lintfort: Könige zu Besuch im Kloster Kamp.

Kunstausstellung in Kamp-Lintfort : Könige zu Besuch im Kloster Kamp

49 Exponate stellt Bildhauer Götz Sambale in Kooperation mit der Galerie Schürmann im Gewölbekeller vom Kloster Kamp aus. Die Kamp-Lintforter Galerie übernimmt 2021 die städtischen Ausstellungen in der Westlichen Orangerie.

Für Bildhauer Götz Sambale ist Holz das unangefochtene Arbeitsmaterial, das durch nichts zu übertreffen ist und ihn von Kindesbeinen an faszinierte. Der natürliche Werkstoff hat für ihn etwas Archaisches, ist voller Möglichkeiten und bietet dem Kölner Künstler, die Schönheit des Unperfekten sichtbar zu machen. „Holz hat etwas Ehrliches. An diesem Material bin ich sozusagen hängengeblieben“, sagt Sambale, der zunächst eine Tischlerlehre machte und danach Bildhauerei studierte. Für Begeisterung werden seine handgroßen Könige im Gewölbekeller des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp sorgen. Gleich zwei Werkstoffe kombiniert er. Die dunklen Bronze-Skulpturen stehen auf unterschiedlich hohen Holzstelen, in heller oder dunkler Ausführung, in Gruppen oder alleine.

Die Holzstelen sind nicht bloßes Hilfsmittel, sondern ergänzen die Skulpturen in ihrer kindlichen und zugleich majestätischen Ausstrahlung. Ihre Häupter schmücken hochpolierte Kronen oder Kappen. Demnach ist der kindliche König in jedem menschlichen Wesen. „Meine ersten Könige trugen noch keine Kronen und wirkten auf mich enttäuschend“, sagt Sambale. Das Polieren der Bronze macht aus der schlichten Figur einen majestätischen Hingucker, der zugleich Neugierde weckt. Nicht immer sind die Kopfbedeckungen seiner Exponate poliert, „obwohl Bronze nach Politur schreit“, betont der in Köln lebende freischaffende Künstler.

Oft hat er schon in Kirchen ausgestellt und dem Kirchenraum neue Akzente gegeben. Sambale: „Menschen interpretieren diesen Raum neu, weil die Figuren dort an sich kein Fremdkörper sind.“ Bemerkenswert ist der Einbaum aus Pappelholz mit seiner in sich filzigen, dichten Struktur. Materialeigenschaften, die so ganz anders als die von Eiche oder Robinie sind. „In der Kirche erreichen solche figürlichen Ausstellungsstücke schnell das Erzählerische“, so Götz. Das Boot biete verschiedene Assoziationen, werde zum Symbol, beispielsweise für ein „Vorwärtskommen“, den Weg. „Ein Boot ist positiv besetzt“, so Götz.

Ihm geht es in seinen Arbeiten mit Kettensäge und Raspel auch um die Aspekte des Wachstums und der Vergänglichkeit. Der Werkstoff Holz macht eine Lebenspanne lebendig. Sein „ältester“ König ist rund 20 Jahre alt. Ähnlich spannend sind seine weiteren Holzarbeiten, die Ähnlichkeit mit übergroßen Samenkapseln haben und deren Innenleben mit den jeweiligen Kammern Sambale zeigt. Pappelholz beispielsweise seift er, andere Hölzer ölt oder patiniert er. Bekanntlich verändert sich Holz, zeigte mit seinen Rissen Prozesshaftigkeit, Veränderung und Bewegung. Sambale arbeitet mit diesen Formscheiben, hält die Optik grafisch in Abdrucken fest.

Der Gewölbekeller stellte sich für den Künstler als formal-ästhetische Herausforderung dar. „Der Ausstellungsraum hat mich umgetrieben. Mit Spannung habe ich drauf gewartet, wie Gewölbe und Figuren reagieren“, sagt Sambale. Gemeinsam mit dem Galeristen Andreas Verfürth ist es gelungen, Formen und Könige mit Hilfe von Licht in Szene zu setzen. „Für mich war es die schwerste Ausstellung“, lacht Galerist Verfürth. 1800 Kilo bringen die 50 Exponate auf die Waage, die nach und nach in den Gewölbekeller transportiert wurden. Für Verfürth ist es die letzte Ausstellung im Gewölbekeller, „da ich mich im nächsten Jahr auf die städtischen Ausstellungen in der Orangerie konzentrieren möchte“, erklärt er.