Auskiesung in Kamp-Lintfort Kiesausstieg-Initiative hat hohen Zulauf

Kamp-Lintfort · Seit Gründung der Interessengemeinschaft im September hat sich die Mitgliederzahl verdoppelt, berichtet Sprecher Peter Schiffler. Ein Team von 20 Leuten organisiert Aktionen und sammelt Fakten für das Einspruchsverfahren.

 Nachdem der Regionalplan einen neuen Auskiesungsbereich in Saalhoff ausgewiesen hatte, ergriff Peter Schiffler die Initiative.

Nachdem der Regionalplan einen neuen Auskiesungsbereich in Saalhoff ausgewiesen hatte, ergriff Peter Schiffler die Initiative.

Foto: Norbert Prümen

Die ersten Transparente hängen bereits an Hauswänden im Kamp-Lintforter Stadtteil Saalhoff: „Stoppt den Kiesabbau“ lautet darauf die Forderung. Es sollen noch weitaus mehr werden. Am Mittwoch kam die neu gegründete Interessengemeinschaft „Kiesausstieg Saalhoff“ zu ihrem zweiten Treffen zusammen. 160 Mitglieder hat die IG bereits. „Wir haben die Zahl der Mitglieder seit der Auftaktveranstaltung verdoppelt“, freut sich Peter Schiffler, der die Gründung einer neuen Bürgerinitiative im Sommer in Anbetracht der neuen Auskiesungspläne angestoßen hatte. Ein Kernteam von 20 Leuten plant und realisiert die Aktionen, mit denen die Gemeinschaft auf die Belange der vom Kiesabbau in Saalhoff betroffenen Bürger aufmerksam machen möchte.

„Viele unserer Mitglieder wohnen in Saalhoff und wären direkt betroffen. Das Haus einer Familie liegt mitten im Abgrabungsbereich und würde im See verschwinden“, berichtet Schiffler. Das Kernteam habe sich nun in mehrere Teams und Untergruppen aufgeteilt, um schlagkräftig agieren zu können. Während sich eine Gruppe um die Öffentlichkeitsarbeit und den Aufbau einer Webseite kümmert, deckt eine andere den technischen Bereich ab. „Dazu gehört es zum Beispiel, Transparente und Flyer herzustellen“, sagt Schiffler, den die Interessengemeinschaft als ihren Sprecher gewählt hat. Eine weitere Untergruppe organisiert die Faktensammlung. „Sie ist bedeutend, weil uns die Informationen der ,Initiative Zukunft Niederrhein’ nicht wirklich faktenbasiert erscheinen. In den Broschüren wird auf die Erholungsgebiete verwiesen, die nach dem Kiesabbau entstehen würden.“

Es handele sich aber, so Schiffler, gerade mal um drei bis fünf Seen in mehr als 100 Fällen, die zum Erholungsgebiet entwickelt worden seien. In Rossenray zum Beispiel sei seit mehr als 30 Jahren nichts passiert – bis auf den Bereich für die Taucher und die Segler“, betont er. Dass das Ruhrparlament die Entscheidung über die Offenlage des Regionalplans verschoben hat, spielt der neu gegründeten IG in Kamp-Lintfort in die Karten. „Das nimmt den Druck raus, und wir können noch mehr Fakten für die Einsprüche sammeln“, betont Schiffler. Er geht davon aus, dass die Einspruchsfrist erst im Januar enden wird. Als nächstes will er mit seinen Mitstreitern mit Infoständen an die Öffentlichkeit gehen. Auch eine Hausverteilung mit Flyern ist angedacht, damit so viele Kamp-Lintforter wie möglich die Chance nutzen, Einspruch gegen den Regionalplan einzulegen. „Wir begleiten Betroffene auch in dem Verfahren“, betont der Sprecher. Es sei wichtig, dass auch die Stadt Kamp-Lintfort nicht weiter in ihren Entwicklungsmöglichkeiten durch den Kiesabbau beschnitten werde. „Es ist ja schon eine riesige landwirtchaftliche Fläche unwiederbringlich verloren, etwa 20 Prozent“, betont Schiffler, der als Ratsherr für die SPD im Kamp-Lintforter Stadtrat aktiv ist. Dass die Kreis Weseler CDU auf dem Landesparteitag der Christdemokraten den Antrag eingebracht hat, die Bedarfsermittlung für Kies und Sand auf eine neue Basis zu stellen, begrüßt er als „vernünftig“. „Das ist auch unsere Forderung, denn in der aktuellen Bedarfsermittlung wird nur der bisherige Verbrauch gemessen. Aber mal sehen, ob die Partei diesem Antrag folgen wird“, sagt er.

Wichtiger ist ihm aber die politische Auseinandersetzung mit alternativen Baustoffen und umweltfreundlichen Bauweisen. Cradle to Cradle nennt er als Beispiel, also den Ansatz für eine nachhaltige und konsequente Nutzung der Rohstoffe. „Es muss in der Politik eine Umorientierung stattfinden“, so Schiffler, der mit den Initiativen in den Nachbarstädten und dem Niederrheinappell in engem Kontakt steht.

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