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Kamp-Lintfort: Kabarett mit Wolfgang Trepper auf der Laga

Kultur in Kamp-Lintfort : Fast wie vor Corona: Kabarett mit Wolfgang Trepper auf der Laga

Der Kabarettist und Laga-Botschafter Wolfgang Trepper begeisterte sein Publikum. Humorvolle und kritische Töne kamen gut an. Das Gastspiel fand in einem „Corona-Format“ unter freiem Himmel statt.

Schwarzes Outfit, rote Schuhe und roter Gürtel – der gebürtige Duisburger Wolfgang Trepper legt auf der Landesgartenschau vor ausverkauften Rängen los. Auf Abstand und unter Corona-Bedingungen, versteht sich. Trepper ist zugleich als Ruhrpottgewächs ernannter Laga-Botschafter, dem man schon in den ersten Minuten seines Auftritts eine unbändige Freude abnimmt. „Echte Menschen“, konstatiert er. Ein erster Applaus kommt in der Freiluftarena auf und würdigt in Corona-Zeiten ein Bühnenerlebnis, das seit Monaten als verschollen galt.

Trepper frotzelt und nörgelt. Das Schlimmste in jüngster Vergangenheit seien Auftritte in Autokinos, vor Blech, gewesen. An Zuschauerrituale wie Hupkonzert, statt Händeklatschen, und Betätigen der Scheibenwischanlagen statt eines Winkens hätte er sich gewöhnen müssen. 75 Minuten ohne Pause stehen ihm in Kamp-Lintfort zur Verfügung. Er begeistert schnell, schafft es bis in die Tiefgründigkeit. Das Publikum geht entspannt mit – beinahe ein Auftritt wie in alten Zeiten.

Treppers Themen sind corona-lastig, wenn er als Wahlhamburger von seiner Häuslichkeit erzählt, von seiner Ulrike und der elfjährigen Emma. Trepper und das Publikum haben sich längst gefunden. Ja, so läuft es eben. Die Lästereien über passende Geschenke wollen kein Ende nehmen. Beispiel: ein Kochbuch, das er geschenkt bekommt. Der nachfolgende teure Kochkurs mit Hummer an Reisbett mit Lauch endet im Desaster. Trepper ist durch seine Auftritte eher der Vertreter der drei T‘s, nämlich Nahrungsaufnahme am Tresen, der Tanke und Fan schlichter Tiefkühlpizza.

Trepper macht mit der Analyse des aktuellen Fernsehprogramms das nächste bundesdeutsche Fenster auf. Tüll und Tränen, Bares für Rares oder Shopping-Queen erfahren eine gnadenlose Korrektur. Trepper wechselt das Spielfeld, läuft mit Spahn, Lauterbach, Maas in der Parteienlandschaft auf. Ob wirklich noch nicht aufgefallen sei, dass der Grünen-Spitzenpolitiker Robert Habeck sich nicht für Politik interessiere, fragt er. Trepper zelebriert den freien Fall der Sozialdemokraten, weckt alte Geister wie Kurt Schumacher. Er mahnt vor der Büchse der Pandora, die sich mit Gauland und Co. öffnet. Von wegen Fliegenschiss. Im Publikum wird es still. Trepper macht anschließend einen thematischen Sprung. „Es gibt eben Sachen, die mich ärgern“, argumentiert er und zerlegt so im Vorbeigehen die Schlagerbranche, ihre Texte ohne kausalen Zusammenhang, geschweige denn grammatischer Richtigkeit.

75 Minuten vergehen wie im Flug, dicker Applaus inklusive nachwirkendem Abspann. Kabarett und Co, Veranstaltungstechnikern wie der Gastronomie gehe es nicht gut, die Branche stehe mit dem Rücken zur Wand, sagt Trepper. Er und seine Kollegen wünschen sich Solidarität, eben so, wie es im Ruhrpott üblich sei.