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Kamp-Lintfort: Jugendliche als Einkaufs- und Erntehelfer

Hilfe in der Corona-Krise : Jugendliche engagieren sich als Erntehelfer

45 Besucher des SCI-Jugendcafés in Kamp-Lintfort wollen helfen. Ihr Treffpunkt ist wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

„Ich fand es verblüffend, wie viele Jugendliche sich gemeldet haben“, freut sich Milan Djuric. Der Leiter des SCI-Jugendcafés entwickelte zusammen mit Cafébesuchern die Idee, in der Coronazeit nicht nur zuhause zu bleiben und die Hände in den Schoß zu legen, sondern unter dem Motto „Jung hilft Alt“ aktiv zu werden.

„Die Bereitschaft ist groß“, berichtet Djuric über die breite Resonanz. „45 Jugendliche wollen dabei sein. Ihnen ist es wichtig, etwas zu machen.“ Die Jugendlichen wollen etwas unternehmen, nachdem das Jugendcafé vor dreieinhalb Wochen geschlossen wurde.

„Über den Tag verteilt sind vor der Coronazeit 40 bis 60 Jugendliche gekommen“, erzählt Djuric. „Wir haben einen Stamm von 80 Jugendlichen, die regelmäßig da sind und einen Kreis von 200, der ab und zu kommt. Dabei ist der Begriff Jugendliche weit. Das Café wird nicht nur von Schülern und Auszubildenden besucht, sondern auch von jungen Erwachsenen, Studenten der Hochschule und Flüchtlingen, zum Beispiel aus dem Irak oder Syrien.“

Seitdem das SCI-Jugendcafé ab dem 9. März nicht mehr öffnete, sind die Besucher in Kontakt, mobil über Telefon und online über „WhatsApp“. „Die eine Hälfte will freiwillig für ältere Menschen einkaufen“, erzählt Djuric. „Die andere Hälfte will den Landwirten bei der Spargelernte helfen. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen 45.000 Erntehelfer bei der Spargel- und Erdbeerernte, weil Erntehelfer aus Polen, Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern in der Coronazeit nicht mehr einreisen dürfen.“

Die jungen Männer wüssten, auf welche Arbeit sie sich einlassen würden. „Jeden Tag acht Stunden Spargel zu stechen, ist körperlich anstrengend, besonders wenn das Wetter nicht schön ist“, berichtet der Leiter. „Aber sie kennen das, haben schon beim Logistikzentrum Chal-tec oder beim Versandhändler Amazon hart im Lager gearbeitet.“ Zurzeit sei das Landwirtschaftsministerium dabei, die rechtliche Lage zu ändern, damit es auch Flüchtlingen möglich sei, als Erntehelfer zu arbeiten. Der SCI habe einen eigenen Kleinbus und könne die jungen Menschen zur Arbeit bringen, alles mit den nötigen Abständen.

„Drei Landwirte haben schon angefragt“, sagt Djuric. „Dazu einige Kamp-Lintforter, die Hilfe beim Einkauf wünschen. Wie die Resonanz in den Sozialen Netzwerken zeigt, kommt die Aktion gut an.“ SCI-Geschäftsführer Frank Liebert ist begeistert von der Initiative: „Sie zeigt, dass die pädagogische Arbeit des Jugendtreffs Früchte trägt.“

Menschen in Kamp-Lintfort, die Hilfe beim Einkauf benötigen, sowie Landwirte aus dem Kreis Wesel, die Erntehelfer suchen, können sich melden unter Telelefon 0151 50752354 oder über E-Mail an Jugendcafe@sci-moers.de.

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