Kamp-Lintfort: Hotzenplotz steckt in der Mondrakete fest.

Kindertheater Kamp-Lintfort : Hotzenplotz steckt in der Mondrakete fest

Schauspieler, Regisseur und Vorsitzender der Bühne 69 in Kamp-Lintfort: Peter Vogelsang spielt im neuen Kinderstück des Amateurtheaters den Räuber Hotzenplotz – nicht zum ersten Mal. Die Premiere ist bereits ausverkauft.

Er ist der gefährlichste Räuber im ganzen Landkreis, ein polternder Bösewicht, der sich für ziemlich gerissen und schlau hält – bis er auf Kasperl und Seppel trifft. Die sind viel gewiefter als er. „Diese beiden Rotzlöffel“, brummt der Hotzenplotz mit tiefer Stimme durch den vollen Bart und ärgert sich. Naja, in Wirklichkeit ist es ja nicht die beliebte und zugleich gefürchtete Figur aus Otfried Preußlers Kinderbuch, sondern Peter Vogelsang, Schauspieler, Regisseur und Vorsitzender des Kamp-Lintforter Amateurtheaters Bühne 69, der das sagt. Die Rolle ist für ihn wie maßgeschneidert: „Ich spiele den Hotzenplotz richtig gerne“, sagt Vogelsang und setzt den Schlapphut mit der roten Krempe auf. Der muss sein, genauso wie die Pfefferpistole und die sieben Messer am Hosenbund. „Nur dann ist er wirklich echt.“

Die Bühne 69 hat die ersten drei Hotzenplotz-Geschichten in den letzten Jahren schon auf die Bühne gebracht (es gibt für den Hotzenplotz eine inzwischen prall gefüllte eigene Requisitenkiste), jetzt steht die vierte zur Premiere an: „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, die vermeintlich erst vor etwa zwei Jahren auf dem Dachboden des Preußler-Hauses wiedergefundene Geschichte rund um Seppel, Kasperl, die Großmutter, Wachtmeister Dimpfelmoser und Hotzenplotz. Peter Vogelsang schlüpfte bislang in allen drei Inszenierungen in die Rolle des Grobians. Und kommt bei seinem Publikum richtig gut an: Die Premiere und die ersten Aufführungen im Dezember sind schon lange ausverkauft, die nächsten Vorstellungen sind im Januar.

Wer den Hotzenplotz spielt, das wird im Theater nicht diskutiert. „Das bin natürlich hundertprozentig ich. Das ist ja wohl klar“, betont der Vorsitzende. „Der Räuber meint ja ein gefährlicher zu sein, dabei ist er naiv, ziemlich dumm. Die Rolle bietet mir viel Raum für die Improvisation“, sagt Vogelsang und macht gleich vor, wie er die Aufmerksamkeit des Publikums wach hält: „Ich frag die Kinder aus, ob sie auch so einen komischen Liptop haben. So wie das Räuber eben machen“, erzählt er augenzwinkernd. „Es gehen dann immer alle Hände hoch. So kann man sie gut ins Stück einbeziehen.“ Seit 1974 engagiert sich Peter Vogelsang bei der Bühne 69 als Schauspieler und Regisseur.

Schlapphut, Pfefferpistole und sieben Messer gehören zum Räuber Hotzenplotz. Peter Vogelsang schlüpft gerne in die Rolle. Jetzt steht die vierte Inszenierung an. Foto: Anja Katzke

Seit 15 Jahren begeistert das Amateurtheater die Zuschauer mit seinen Kinderstücken. „Ich habe mir das mal angeschaut, wie andere Theater Kinderstücke auf die Bühne bringen. Drei Dinge sind wichtig: keine Pause, nicht länger als eine Stunde und die Kinder müssen mitgenommen werden“, erklärt er und freut sich über die herrlichen Reaktionen, die er immer wieder erfährt. „Das Feedback ist ehrlich, fantasievoll und herzlich. Kinder gehen richtig mit und erleben Theater noch ganz anders als Erwachsene. Ihre Reaktion ist eine tolle Belohnung für uns Schauspieler.“ Vogelsang war bis zu seiner Pensionierung vor zweieinhalb Jahren Personalratsvorsitzender bei der Lineg in Kamp-Lintfort. Heute investiert er noch mehr Zeit ins Amateurtheater. Für die neue Hotzenplotz-Inszenierung holte er im Verlag nicht nur die Aufführungsrechte ein, sondern schrieb für die Bühne 69 auch die passende Theaterfassung. „Es gibt zwar eine Fassung, die wir aber nicht so hätten umsetzen können.“ Er zeichnet für die Regie verantwortlich. Mit ihm stehen noch vier Mitspielerinnen auf der Bühne. Größte Herausforderung war dieses Mal die Mondrakete, in der Seppel und Kasperl den Räuber gefangen nehmen wollen. „Das war eine große Tüftelei. Wir wollen ja die Illusion aufrechterhalten, der Hotzenplotz stecke tatsächlich darin“, erzählt Vogelsang. Wie das gelingt? Ach, lassen Sie sich doch einfach überraschen.