1. NRW
  2. Städte
  3. Kamp-Lintfort

Kamp-Lintfort: Hochschule entwickelt Schutz-Visiere

Corona-Krise am Niederrhein : Hochschule entwickelt Schutz-Visiere

Produktionsreife Lösung ist gefunden: Einsatz von Laserschneidern ermöglicht Herstellung einer höheren Stückzahl.

Die Lieferung von Schutzmasken und Vollvisieren für die Behandlung von Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, läuft nur schleppend. Kreative stecken zurzeit überall ihre Köpfe zusammen, um Abhilfe zu schaffen. Der Hochschule Rhein-Waal ist es in Kooperation mit dem St.-Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort in nur wenigen Tagen gelungen, Visiere zum Schutz von medizinischem Personal zu entwickeln, die schnell und auch in höherer Stückzahl produziert werden können. „Es war uns wichtig, Visiere zu fertigen, die getestet, nutzbar und vor allem gebrauchtauglich sind“, erläuterte Karsten Nebe am Mittwoch. Er ist Professor für Usability Engineering und Direktor des FabLabs, einer offenen Werkstatt für moderne Produktionsverfahren am Hochschulstandort Kamp-Lintfort. Die Entwicklung der Design-Varianten sei in enger Abstimmung mit dem Krankenhaus in Kamp-Lintfort gelaufen. So erhielt man die Rückmeldung der eigentlichen Anwender.

Am Anfang stand der Wunsch zu helfen. Mitarbeiter des St.-Bernhard-Hospitals unternahmen erste Versuche am heimischen 3D-Drucker. Bald entstand der Kontakt zur Hochschule, zahlreiche Helfer wie das Berufskolleg für Technik in Moers schlossen sich der Sache an. „Es war jedoch schnell klar, dass der 3D-Druck nicht das Verfahren ist, das zum Erfolg führen würde“, sagte Karsten Nebe. Die Produktionszeit war zu lang, um eine größere Stückzahl herzustellen. Drei Stunden dauerte die Fertigung eines Visiers auf diesem Wege. Nebe und sein Team suchten nach alternativen Lösungen. „Unsere Entwürfe wurden in mehreren Durchläufen im Krankenhaus getestet.“ Seit Dienstagabend liegt nun ein Design vor, das allen Anforderungen entspricht. Das Visier wird mit dem Laserschneider gefertigt. So reduziert sich die Produktionszeit eines Face Shields auf aktuell 15 Minuten. Die Materialverfügbarkeit vorausgesetzt, könne man jetzt mehrere 100 Visiere pro Tag herstellen, erläuterte der Professor aus Kamp-Lintfort. Die Hochschule verfügt über drei Lasercutter an ihren Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort, auch das Berufskolleg für Technik hat einen und hat signalisiert, in die Produktion einzusteigen. „Weitere FabLabs werden folgen.“ Da ist sich Karsten Nebe sicher. Der Präsident der Hochschule Rhein-Waal, Oliver Locker-Grütjen, betonte, dass die Hochschule die neue Entwicklung der ganzen Region Niederrhein, den Kreisen Wesel und Kleve, zur Verfügung stellen werde. Die Visiere sollen in allen medizinischen und pflegerischen Einrichtungen zum Einsatz kommen. Die Koordination übernimmt das DRK, Kreisverband Niederrhein. „Die Visiere sollen zielgerichtet verteilt werden. Die jeweiligen Gesundheitsämter wissen, wo der Bedarf ist“, betont Sascha van Beek (DRK). Das St.-Bernhard-Hospital wird sich um die Desinfektion der Masken kümmern. Das Rote Kreuz wird darüber hinaus unter Einbeziehung der Entwicklungsagentur des Kreises Wesel die Materialbeschaffung koordinieren. „Wir rufen die lokale Industrie auf, uns zu unterstützen und mit Material zu beliefern“, bittet Karsten Nebe. Örtliche Betriebe sind aufgefordert, sich einzubringen – auch mit alternativen Fertigungsverfahren.

Die Hochschule stellt ihre Bauanleitung als Open Source ins Internet unter http://fablab.hochschule-rhein-waal.de Dort kann man sich die Dateien herunterladen, findet Formulare, um Bedarf anzumelden, und eine Liste mit den benötigten Materialien. Alle Beteiligten arbeiten kostenneutral.

Jeden Tag alle Nachrichten zur Corona-Krise in Ihrer Stadt – bestellen Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter „Total Lokal“ mit täglicher Corona-Sonderausgabe!