Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort Ab sofort funkt’s auf dem Zechenturm

Kamp-Lintfort · Die Hochschule Rhein-Waal und die Firma RF Frontend haben auf dem Förderturm des ehemaligen Bergwerks West ein kostenfreies Funknetzwerk für alle installiert. Es soll vor allem Umweltmessdaten übertragen.

In rund 70 Metern Höhe sind die Antennen auf dem Förderturm installiert. Damit steht jetzt ein Funknetzwerk für alle bereit. Hochschüler und Georg-Forster-Gymnasiasten planen bereits erste Projekte, die per Funk übertragen werden sollen.

In rund 70 Metern Höhe sind die Antennen auf dem Förderturm installiert. Damit steht jetzt ein Funknetzwerk für alle bereit. Hochschüler und Georg-Forster-Gymnasiasten planen bereits erste Projekte, die per Funk übertragen werden sollen.

Foto: Anja Katzke

Rolf Becker hat den Förderturm im Kamp-Lintforter Zechenpark seit langem im Blick. „Ich hätte hier schon gerne 2020 ein Projekt gestartet“, sagt der Professor, der an der Fakultät Kommunikation und Umwelt Physik mit den Schwerpunkten Sensorik und Mechatronik lehrt. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen RF Frontend, das seinen Sitz an der Südstraße in Kamp-Lintfort hat, ist das nun gelungen: ein Umwelt-Funknetz für alle. Das hochmoderne Funknetzwerk, mit dem wichtige Umweltmessdaten übertragen werden können, steht ab sofort kostenfei zur Verfügung. „Es kann jeder mitmachen – auch Funkamateure oder Privatleute“, sagt Rolf Becker am Mittwoch bei der Vorstellung. „Und es ist eine schöne Spielwiese, um junge Menschen für solche Themen zu begeistern.“

Sie haben den Zechenfunk in Kamp-Lintfort auf den Weg gebracht: Dekan Klaus Hegemann (2.v.r.) freut sich über das große Engagement.

Sie haben den Zechenfunk in Kamp-Lintfort auf den Weg gebracht: Dekan Klaus Hegemann (2.v.r.) freut sich über das große Engagement.

Foto: Anja Katzke

Studenten der Kamp-Lintforter Fakultät an der Hochschule Rhein-Waal und Schüler des Georg-Forster-Gymnasiums haben bereits erste Projekte in Angriff genommen. „Es war ein Wunsch der Stadt, dass hier ein offenes Funknetzwerk etabliert wird“, erläutert der Physikprofessor den Hintergrund. Zum Einsatz komme das sogenannte „The Things Network“ (TTN). Dabei handele es sich um ein offenes Netzwerk für das „Internet der Dinge“, das auf LoRaWAN-Funktechnologie basiere. Es ermögliche, so Rolf Becker, selbst kostengünstige Sensoren zu bauen und Umweltmessdaten über große Entfernungen zu übertragen. Der Kamp-Lintforter „Zechenfunk“ könne aber auch für Bürgerwissenschaftsprojekte genutzt werden, bei denen Bürger helfen, automatische Messdaten für wissenschaftliche Untersuchungen zu sammeln – wie zum Beispiel die Temperaturverteilung der Stadt oder den Wasserbedarf von Bäumen.

Dafür haben Hochschulmitarbeiter mit Unterstützung der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition zwei LoRaWAN-Gateways mit vier Antennen auf dem rund 70 Meter hohen Turm installiert. „Um die Funkreichweite zu optimieren, hat das Unternehmen RF Frontend die Abstimmung der Stab-Antennen durchgeführt, die außerhalb des Metallkäfigs des umlaufenden Besucherbalkons befestigt wurden“, berichtet Becker. Mit dem Unternehmen, das an der Südstraße angesiedelt ist, kooperiert die Hochschule Rhein-Waal seit geraumer Zeit. Es bietet Studenten Praktika an, begleitet Bachelor- und Master-Arbeiten und beschäftigt studentische Hilfskräfte. Die RF-Frontend GmbH ist als Ingenieurbüro in den Themenfeldern der Hochfrequenz- und Antennentechnik, der Elektronik sowie der Digital- und Softwaretechnik aktiv. Die industrielle Spezialelektronik steht im Fokus. Geschäftsführer sind Matthias Rittweger und Peter Hildenhagen. Beide haben sich gerne für das neue Hochschulprojekt engagiert. „Solche Projekte sind schöne Themengeber für die jungen Leute. Sie forschen und entwickeln somit nicht ins Leere“, betont Peter Hildenhagen.

Studenten der Fakultät Kommunikation und Umwelt haben bereits einen funkenden Grundwasserpegel realisiert, der zurzeit auf dem Gebiet der Lineg realisiert wird. Die Schüler des Georg-Forster-Gymnasiums haben laut Rolf Becker begonnen, in einem ersten Workshop im „Internet der Dinge“-Labor der Hochschule eigene Umweltmesssysteme zu bauen, die später den Zechenfunk zur Datenübertragung nutzen sollen. Geplant sei, im Green FabLab der Hochschule weitere Workshops anzubieten, um allen Interessierten den Aufbau von Umweltmesssystemen und die Nutzung des Zechenfunks näherzubringen. Klaus Hegemann, Dekan der Fakultät Kommunikation und Umwelt, lobte die Bedeutung des Projekts für die Bereiche Umwelt und Nachhaltigkeit.