Stadtentwicklung in Kamp-Lintfort Grünes Licht für die Spielplatz-Pläne

Kamp-Lintfort · Die SPD-Mehrheit im Stadtrat führte die Entscheidung herbei: Die Verwaltung darf die Vermarktung von alten Spielplätzen als Baugrundstücke prüfen. Andere Fraktionen sprachen vehement dagegen.

  Der Stadtrat befasste sich am Dienstag mit dem Verwaltungsvorschlag, nicht mehr benötigte Spielflächen als Baugrundstücke zu vermarkten.

 Der Stadtrat befasste sich am Dienstag mit dem Verwaltungsvorschlag, nicht mehr benötigte Spielflächen als Baugrundstücke zu vermarkten.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Acht Spielplätze in Kamp-Lintforts Wohngebieten hat die Stadtverwaltung als solche ausgemacht, die wegen ihrer ungünstigen Lage nicht mehr benötigt würden. Dazu gehören die Plätze am Zeisigweg, an der Elster- und Cambraistraße, an Schul- und Ahornstraße. Die Stadt möchte diese Flächen für eine Wohnbebauung frei machen und als Baugrundstücke vermarkten (RP berichtete). Die SPD-Mehrheit im Stadtrat gab der Verwaltung am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss grünes Licht für das vorgeschlagene Vorgehen.

Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen. Grüne, FDP, Linke und CDU forderten eine differenzierte Auseinandersetzung mit den einzelnen Standorten ein. Die Fraktionen hatten vor der Sitzung am Dienstag die betroffenen Spielplätze besucht und sich einen eigenen Eindruck verschafft. Die Linksfraktion legte zur Sitzung einen Alternativvorschlag vor. Dieser wurde jedoch abgelehnt. CDU und FDP schätzten die Situation ähnlich wie die Linken ein. „Wir müssen die einzelnen Flächen und Standorte gesondert betrachten und konkret über die künftige Nutzung diskutieren“, forderte Franz-Josef Hüls für die CDU-Fraktion. Die Standorte könnten nicht pauschal zur Abstimmung gestellt werden, befand der Christdemokrat. Stephan Heuser (FDP) wunderte sich über das Tempo, das die Verwaltung vorlege. „Die Flächen stehen doch erst mittelfristig im Spiel- und Bewegungsflächenkonzept an. Ich fühle mich stark überrumpelt“, betonte der Liberale.

Johannes Tuschen (Grüne) erklärte, dass seine Fraktion dem Vorschlag der Verwaltung nicht zustimmen werde. „Die Spielplätze werden sehr wohl benötigt, auch als Flächen für die Nachbarschaft in den Wohngebieten“, erklärte der Fraktionschef der Grünen und fügte hinzu: „Wir haben viele Flächen in Planung, die bebaut werden sollen. Das hat auch etwas mit Versiegelung der Stadt zu tun.“ Die Stadtverwaltung verwies am Dienstag auf das im Jahr 2019 beschlossene Spiel- und Bewegungsflächenkonzept. „Damals haben wir sehr intensiv über das Thema gesprochen. Es war richtig, dass wir uns für die großen und zentralen Spielflächen entschieden haben“, betonte Bürgermeister Christoph Landscheidt. „Die natürliche Folge daraus ist jedoch, dass die nicht mehr benötigten Grundstücke einer anderen Nutzung zugeführt werden.“ Kämmerer Martin Notthoff wurde deutlicher: „Wir haben den Verkauf dieser Flächen vorgezogen, weil wir den städtischen Haushalt konsolidieren müssen.“ Ziel müsse es sein, die zweite Stufe der Grundsteuer B-Erhöhung zu verhindern. Diese sei für das Jahr 2024 im Haushalt eingeplant. „Dazu gehört auch die Haushaltsdisziplin“, erklärte der Kämmerer. Laut Vorlage rechnet die Verwaltung mit Einnahmen von rund drei Millionen Euro durch den Verkauf der genannten Standorte. Lydia Kiriakidou, Leiterin des Amtes für Schule, Jugend und Sport, erinnerte daran, wie aufwendig das Spiel- und Bewegungsflächenkonzept vor zwei Jahren erarbeitet worden sei. „Es gab umfangreiche Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene. Auf unseren Fragenkatalog haben wir damals mehr als 4000 Rückmeldungen erhalten. 70 Prozent haben sich für große und vielseitige Spielplätze ausgesprochen.“

Beispielhaft stünden dafür heute die Biberburg im Pappelseepark, der neue Bergbauspielplatz im Zechenpark und die geplante Pumptrack-Anlage, betonte SPD-Fraktionschef Jürgen Preuß. „Wir wollen weg vom Klein, Klein. Viele der identifizierten Spielplätze liegen in Einfamilienhausbereichen. Und es gibt zu jedem wegfallenden Platz eine Ausweichsfläche in der Nähe.“

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