Kamp-Lintfort: „Fritzen Henn“ und der Strukturwandel

Fotoausstellung in Kamp-Lintfort : „Fritzen Henn“ und der Strukturwandel

Fotograf Frank Reinert zeigt seit Montag in der Mediathek eine Auswahl seiner Bilder der Fördertürme des 2012 stillgelegten Bergwerks West. Er dokumentiert so den Wandel von der Zeche zur Landesgartenschau.

Frank Reinert hat einen großen Teil seiner Kindheit in der Kolonie verbracht. „Wie oft bin ich mit meiner Mutter über die Zechenbrücke zur Friedrich-Heinrich-Allee gelaufen!“, erinnert er sich zurück an die alten Kamp-Lintforter Zeiten. Und noch heute verbindet er mit „Fritzen Henn“, wie er das 2012 stillgelegte Bergwerk liebevoll nennt, ein Stück Heimat. „Ja, klar. Ich sehe den Förderturm von Schacht I jeden Morgen von meinem Schlafzimmerfenster aus“, betont der Kamp-Lintforter. 2013 erhielt er die einmalige Gelegenheit, den Strukturwandel auf dem 40 Hektar großen Areal im Herzen der Stadt mit seiner Kamera regelmäßig zu begleiten. Peter Wylenzek, der „letzte Bergmann“ der Zeche in Kamp-Lintfort, ermöglichte die Foto-Reihe. Eine erste Ausstellung der Fotos vom Rückbau der Industriegebäude war 2017 in der Mediathek zu sehen. Seit Montag zeigt der Hobbyfotograf dort weitere Bilder.

Dieses Mal stehen die beiden Fördertürme im Fokus. „Vor allem Schacht I ist ein einmaliges Konstrukt. Architektur hat mich schon immer sehr interessiert“, betont Frank Reinert. Kamp-Lintfort ohne den Turm als Wahrzeichen, kann er sich nicht vorstellen. „Ich war immer dafür, dass er stehenbleibt“, sagt er und spielt auf die Bürgerbefragung an, die die Stadtverwaltung vor einigen Jahren dazu initiiert hatte. „Ich habe den Förderturm mal aus Spaß aus den Bildern weg retuschiert. Das sah ziemlich komisch aus.“ Die beiden Fördertürme seien nicht nur Wahrzeichen der Landesgartenschau, sondern stünden auch seit 100 Jahren für die Geschichte der Stadt Kamp-Lintfort. Beide wurden um das Jahr 1911 erbaut, Schacht I wurde 1957 ummantelt.

Frank Reinert ist eigentlich Musikproduzent und betreibt unter anderem seit fast 30 Jahren die Firma Toneteam, die ihren Sitz an der Ferdinantenstraße in Kamp-Lintfort hat. Das Unternehmen hat es bis in die Musik-Charts geschafft. So regnete es für Reinert unter anderem Gold- und Platinauszeichnungen für das Remake des Bryan-Adams-Klassikers „Heaven“. Verantwortlich zeichnet „Toneteam“ auch für den Titel-Song „Love is enough“ der ARD-Serie „In aller Freundschaft“. Mit Susanne Drieß hat er inzwischen das Duo Rhein-Art gegründet. Die erste gemeinsame CD ist auf dem Markt. „Niederrhein – man muss in lieben“ heißt das Erstlingswerk des Duos.

Die Fotografie rückte vor etwa fünf Jahren wieder mehr in seinen Blick. Damals schaffte er sich ein professionelles Equipment an. Seither fotografiert er mit wachsender Begeisterung und – und mit „wachsenden Anklang“, wie er selbst sagt. Reinert hat sich einen Namen gemacht: Den Wandel auf dem Zechengelände an der Friedrich-Heinrich-Allee begleitet er heute ehrenamtlich im Auftrag der Stadt Kamp-Lintfort. „Und ich werde bis weit über die Landesgartenschau hinaus die Entwicklung auf dem Gelände weiter dokumentieren“, betont Reinert. Mit seinen Fotografien erzielt er große Aufmerksamkeit: Reinert lässt es in seinen Bildern, die er am PC bearbeitet, so richtig krachen. Das betrifft sowohl Farbigkeit und Detailreichtum als auch Perspektivwahl. Da spiegelt sich der Turm von Schacht I in einer Wasserpfütze, Wellenlinien inklusive. Oder Sonnenstrahlen knallen dramatisch durch das grünliche Stahlgerüst des kleineren Förderturm. Viele seiner Fotografien wirken wie gemalt, ja fast schon wie Comics, so schrill, lebendig und bunt.

Etwa 30 Großformate zeigt Reinert bis zum 31. Januar in der Mediathek. Dazu läuft eine Diashow mit weiteren 200 Bildern, die er im Laufe der Jahre aufgenommen hatte.