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Kamp-Lintfort: Fair gehandelte Adventskalender werden zu Ladenhütern

Weltladen in Kamp-Lintfort : Abnehmer für Adventskalender gesucht

Weil Martinszüge, Basare und Adventsmärkte ausfallen, bricht dem Weltladen und dem Netzwerk „Fair-Rhein“ das vorweihnachtliche Geschäft weg. Die fair gehandelten Kalender, sonst heißt begehrt, werden zu Ladenhütern.

„Im letzten Jahr war der Gepa-Adventskalender der große Renner“, erinnert sich Susanne Humpa. „Vor Sankt Martin waren alle verkauft. Da war es zu spät, nachzubestellen.“ In diesem Jahr würde die Mitarbeiterin des Fair-Handels-Netzwerkes „Fair-Rhein“ gerne wieder „zu wenige“ Adventskalender haben. „Doch die Basare in den kirchlichen Gemeindehäusern fallen aus“, erzählt die Mitarbeiterin des Netzwerks. „So werden viel weniger Adventskalender verkauft.“

Die fair gehandelten Adventskalender der Gepa (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt) drohen in diesem Jahr zum Ladenhüter des Netzwerks „Fair-Rhein“ zu werden, das von seinem Kamp-Lintforter Regionalvertriebszentrum aus über 100 Eine-Welt-Gruppen und -Läden am erweiterten Niederrhein beliefert, von Mönchengladbach bis Kleve und von Essen bis Viersen. In den letzten Jahren waren die Kalender Bestseller gewesen, vielleicht auch, weil sie keine winterliche Weihnacht mit schneebedeckten Tannen, Schlitten und einem Christuskind in einer Krippe zeigten, sondern eine sommerliche lateinamerikanische in poppig-naiver Malerei. Dabei stammen die Zutaten der fair gehandelten Schokolade, die sich hinter den Türchen verbirgt, aus biologischem Anbau.

„Wir mussten die Adventskalender diesmal schon im Februar bestellen“, sagt Mitarbeiterin Astrid Veltkamp. „Das war noch vor der Coronazeit. Die Vorbestellungen laufen immer so früh. Jetzt müssten wir schon die Ware für Ostern bestellen.“ Neben den Adventskalendern gibt es Martins-Riegel und viele andere faire Zutaten für privat gepackte Martinstüten. „Die Martinszüge finden in diesem Jahr nicht statt“, sagt Fair-Rhein-Sprecher Reinhard Schmeer. „So wurde von den Gruppen viel weniger bestellt.“

Auch Schokoladen-Nikoläuse, Spekulatius, Krippen aus dem Heiligen Land, Schals und Portemonnaies suchen in der Schulstraße noch ihre Abnehmer, weil die Adventsmärkte abgesagt sind. „2019 waren wir am ersten Advent auf dem Barbara-Markt vertreten, und am dritten Advent hatten wir einen Stand auf dem Adventsmarkt auf dem Kamper Berg“, sagt Schmeer. „Sie fallen aus, wie die anderen vorweihnachtlichen Märkte.“

Um den Umsatz zu kompensieren, der durch die Absagen von Basaren, Martinszügen und vorweihnachtlichen Märkten wegfällt, plante das Netzwerk „Fair-Rhein“ zunächst, am Samstag vor dem ersten Advent zu einem kleinen Adventsmarkt am Regionalvertriebszentrum einzuladen. „Die Stadt ist uns entgegengekommen“, sagt Schmeer. „Doch mit den Corona-Auflagen im zweiten Lockdown ist das nicht zu machen. Wenn zwei Personen kurz an einem Stehtisch stehen, haben sie sich in Listen einzutragen. Da vergeht jede Freude an einem Adventsmarkt.“

Der Sprecher hofft auf viele Besucher, die in den nächsten Wochen beim Eine-Welt-Laden an der Ecke von Schulstraße und Eyller Straße im Kamp-Lintforter Ortsteil Geisbruch vorbeischauen. „Ohne Gedränge. Corona entschleunigt und entzerrt, fair Einkaufen in aller Ruhe“, sagt er. „Vielleicht gleicht das ein wenig den fehlenden Umsatz bei Basaren und vorweihnachtlichen Märkten aus.“