Schule in Kamp-Lintfort Europaschule ist ein sicherer Ort

Kamp-Lintfort · Die Schulleitung rechnet täglich damit, die ersten geflüchteten Kinder an der Sudermannstraße begrüßen zu können. Die Europaschule wird voraussichtlich 16 Kinder aus den Jahrgangsstufen fünf bis sieben aufnehmen.

Bernd Benninghoff sieht die Europaschule gut vorbereitet, Kinder aus der Ukraine aufzunehmen.  Foto: kdi

Bernd Benninghoff sieht die Europaschule gut vorbereitet, Kinder aus der Ukraine aufzunehmen. Foto: kdi

Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Am Montag hat für drei aus der Ukraine geflüchtete Kinder der Schulalltag am Georg-Forster-Gymnasium in Kamp-Lintfort begonnen. Auch Bernd Benninghoff, kommisarischer Leiter der Europaschule, rechnet täglich damit, die ersten Kinder aus der Ukraine an der Sudermannstraße begrüßen zu können. Er sieht die Europaschule gut gerüstet und vorbereitet. „Wir haben seit 2015 gute Erfahrungen damit gemacht, Flüchtlingskinder an unserer Schule aufzunehmen und unterrichten viele Schüler mit Migrations- und Flüchtlingshintergrund“, sagt der Schulleiter und verweist auf den großen Bereich der Sprachförderung, den man in den vergangenen Jahren etabliert habe.

Stand Dienstag haben 150 Flüchtlinge aus der Ukraine Kamp-Lintfort erreicht, darunter 60 Kinder und Jugendliche. „Wir haben von der Stadtverwaltung eine Liste bekommen, aus der die Altersstruktur der Kinder hervorgeht“, berichtet Benninghof. Forster-Gymnasium, Unesco-Gesamtschule und Europaschule stehen miteinander im Austausch. Die Europaschule wird voraussichtlich 16 Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufen fünf bis sieben aufnehmen. Sie sind im Alter zwischen zehn und 14 Jahren. „Das Geschehen ist ja sehr dynamisch“, betont Bernd Benninghoff.

Wichtigste Aufgabe sei es, den geflüchteten Kindern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Damit dies gelingt, sollen die neuen Mitschüler ab dem ersten Schultag an der Europaschule einem festen Klassenverband angehören und gleichzeitig im Sprachförderunterricht die deutsche Sprache erlernen. „Wir haben zum Glück eine pädagogische Kraft, die sowohl russisch als auch ukrainisch spricht“, betont der Schulleiter und hofft darauf, dass möglicherweise einige der Mütter, die mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen sind, zweisprachig sind, so dass sie im Sprachförderunterricht zum Beispiel als Übersetzerinnen einbezogen werden könnten. „Das wäre für alle eine Win-Win-Situation.“ An der Europaschule sind aktuell drei Lehrer im Bereich der Sprachförderung eingesetzt.

Willkommensklassen möchte der Leiter der Europaschule nicht einrichten. „Unser Ziel ist die Integration. Wir wollen die Kinder nicht voneinander separieren.“ Geplant sei, dass die ukrainischen Mädchen und Jungen vormittags bis zur vierten Stunde Deutsch-Unterricht haben und dann im Klassenverband gemeinsam zunächst am Sport- oder Kunstunterrichtet teilnehmen. „Je nach Sprachfortschritt nehmen sie sukzessive am Fachunterricht teil“, erläutert Benninghoff das Konzept an der Europaschule. Dass die Kinder durch die Fluchterfahrung traumatisiert sein könnten, weiß der Schulleiter: „Wir müssen ihnen vermitteln, dass die Europaschule für sie ein sicherer Ort ist. Die Mitarbeiterinnen in der Sprachförderung sind darauf sensibilisiert, aber auch die Klassenlehrer sind darauf vorbereitet. Es wird bei uns jedes Kind gesehen“, betont Benninghoff. Die Europaschule arbeitet außerdem mit einer Kinderpsychotherapeutin zusammen, die regelmäßig an Sudermannstraße als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Eine Herausforderung sieht er in den personellen Ressourcen. Die Europaschule sei mit ihrem Förderverein aus finanzieller Sicht ganz gut aufgestellt, um die Sprachförderung zu ermöglichen.

Die Flüchtlingssituation war am Dienstag auch Thema im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Kamp-Lintfort. Wie Sozialdezernent Christoph Müllmann berichtete, kommt die Stadt bei der Unterbringungskapazität an ihre Grenzen. So habe man in der Flüchtlingsunterkunft nur noch 24 Plätze frei. „Es braucht eine stärkere zentrale Regelung“, erklärte er und appellierte an die Kamp-Lintforter, nicht auf eigene Faust Flüchtlinge nach Kamp-Lintfort zu holen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort