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Kamp-Lintfort: Elke Stüning kandidiert für den Stadtrat

Politik in Kamp-Lintfort : Elke Stüning kandidiert für den Stadtrat

Die 43-Jährige will sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark machen. Zurzeit steht bei ihr jedoch – wie für viele Mütter – Küchenunterricht auf der Tagesordnung.

Für Elke Stüning hat eine neue Lebensphase begonnen. Die langjährige Leiterin der Dienststelle Kamp-Lintfort der Grafschafter Diakonie orientiert sich derzeit nicht nur beruflich neu, sondern möchte sich auch politisch engagieren und einmischen. Elke Stüning wird sich im Herbst für die SPD um ein Mandat im Stadtrat Kamp-Lintfort bewerben. Die 43-Jährige kandidiert im Wahlbezirk 10. „Es ist ein sehr schöner Bezirk. Ich bin vor kurzem alle Straßen abgelaufen und habe mir jedes Haus angeschaut“, erzählt die Sozialpädagogin. „Obwohl ich schon seit 20 Jahren in Kamp-Lintfort wohne, gibt es hier Ecken, die ich noch gar nicht kenne. Das wird sich aber ändern.“ Es ist noch nicht so lange her, dass sie sich für das politische Engagement und für die Mitgliedschaft in der SPD entschieden hatte. „Inhaltlich stehe ich der Partei schon lange sehr nahe. Und das, obwohl ich aus einem CDU geprägten Haushalt stamme“, erzählt die Mutter von Zwillingen schmunzelnd. Elke Stüning verbrachte ihre Kindheit in Stuttgart. „Baden-Württemberg war politisch damals schon ziemlich schwarz. Vielleicht habe ich mich gerade deshalb 2001 in Kamp-Lintfort sofort wohlgefühlt, weil in dieser Stadt das Herz durch und durch rot schlägt“, sagt sie lächelnd. René Schneider, der Stadtverbandsvorsitzende der SPD, sei schon vor zwei, drei Jahren mit der Frage auf sie zugekommen, ob sie Interesse habe, in die Partei einzutreten. „Damals konnte ich mir das aber nicht vorstellen. Meine Kinder waren noch klein, und als Leiterin der Diakoniestelle hätte das aus meiner Sicht auch nicht gut gepasst. Es hätte einer klaren Abgrenzung bedurft“, sagt sie und betont: „Jetzt habe ich den nötigen Freiraum und habe gerne Ja gesagt.“ Elke Stüning hat ihre Arbeit bei der Grafschafter Diakonie, Diakonisches Werk im Kirchenkreis Moers, gekündigt. Sie möchte beruflich neue Wege gehen, aber in Teilzeit. „Familie und Beruf in Vollzeit sind eine Zerreißprobe, unter der Kinder am meisten leiden müssen.“ Die Sozialpädagogin kann sich gut vorstellen, dass sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ihrem politischen Schwerpunktthema macht. „Es ist ja mein aktueller Lebensbezug“, erklärt sie. Ihre Zwillinge wurden 2019 eingeschult. Die Schulschließungen angesichts der Corona-Krise sind auch für sie eine Herausforderung. „Zurzeit unterrichte ich die beiden wie vermutlich alle Mütter zu Hause. Aber das läuft sehr gut. Die Schule ist super organisiert. Wir erhalten über einen E-Mail-Verteiler die notwendigen Arbeitsblätter“, erzählt Elke Stüning und ist froh, dass sie zurzeit keiner beruflichen Verpflichtung nachgehen muss. „Ich glaube nicht, dass Homeoffice wirklich eine Lösung für das aktuelle Betreuungsproblem ist. Besonders Alleinerziehende sind doch jetzt aufgeworfen. Sie müssen alles unter einen Hut bekommen: Kinder, Beruf und Haushalt. Den Familien wird immens viel abverlangt.“ Elke Stüning wünscht sich hier eine deutlich flexiblere Lösung. Ein wichtiges Thema ist für sie auch die älter werdende Gesellschaft. „Was bedeutet es in unserem Land alt zu werden? Und wie bekommen wir es hin, dass sich jeder wohlfühlen kann? Das ist ein großer Spagat.“ Die sozialen Themen sind ihr seit Jugendtagen wichtig. Nach dem Abitur leistete sie ein freiwilliges soziales Jahr in einem Wohnheim für schwererziehbare Kinder und Jugendliche. Danach stand für Elke Stüning fest, dass sie Sozialpädagogik studieren würde.

Das Studium absolvierte sie in der staatlichen Fachhochschule in Darmstadt. 2001 trat sie in Kamp-Lintfort ihre erste Stelle an. „Damals war ich in der rechtlichen Betreuung für Menschen zuständig, die nicht in der Lage sind, sich selbst rechtlich zu vertreten.“ Es folgten weitere Stationen, bis sie schließlich die Leitung der Dienststelle in Kamp-Lintfort übernahm. „Ich war mit meinem Job so verwurzelt, dass ich in Kamp-Lintfort geblieben bin“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Sozialpädagogik vereint Psychologie und Jura/Recht – zwei weitere Bereiche neben der Pädagogik, für die ich mich immer schon interessiert habe.“ Deshalb möchte sie beruflich im sozialen Bereich bleiben. Die Arbeit in politischen Gremien ist für die Sozialpädagogin kein Neuland: Als Vertreterin der Wohlfahrtsverbände hatte sie einen Sitz mit Stimmrecht im Jugendhilfeausschuss der Stadt Kamp-Lintfort. Im Ausschuss für Senioren und Soziales war sie beratendes Mitglied. „Die Zusammenarbeit war immer spannend. Ich habe gemerkt, wie viele engagierte Leute sich für die Stadt einsetzten – und zwar in allen Parteien. Ohne sie wäre die Entwicklung der Stadt nicht so weit vorangeschritten. Die politische Streitkultur muss ich aber noch lernen“, betont die Kandidatin.

Wann der Kommunalwahlkampf starten wird, vermag sie angesichts der Corona-Krise nicht zu sagen. „Der Straßenwahlkampf sollte im August beginnen. Es gilt jetzt abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt. Die Entwicklung ist zurzeit ja sehr rasant.“