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Kamp-Lintfort: Einzelhändler setzen auf die schrittweise Öffnung

Online-Konferenz in Kamp-Lintfort : Einzelhändler setzen auf die schrittweise Öffnung

In einer Online-Konferenz tauschten sich Einzelhändler und Politiker darüber aus, wie der Handel aus der Krise kommt.

Zu einem Online-Gespräch über das Thema „Handel aus der Krise“ hatte der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider, Einzelhändler aus seinem Wahlkreis eingeladen. Ebenfalls anwesend in der virtuellen Konferenz war Frank Sundermann, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Landtag. Unternehmer, die nichts mehr unternehmen könnten, die bei kaum nennenswertem Umsatz weiterhin die gleichen Mieten, ihre Rechnungen und ihre Mitarbeiter weiter bezahlen müssten – die Einzelhändler befinden sich in einer desolaten Situation. Das wurde in dem Gespräch deutlich.

Necip Söylenis, Inhaber eines Reisebüros in Kamp-Lintfort, berichtete von Umsatzeinbrüchen von 80 Prozent im vergangenen Jahr. Dabei seien Pauschalreisen zurzeit wieder gefahrlos möglich, da umfangreich getestet werde, jedoch sei dies nicht wirklich bekannt. Als großes Problem benannten Söylenis und die anderen Geschäftsleute die unfaire Konkurrenz durch Online-Händler. Solange diese durch Steuerfreiheit und Vorteile in der Auffindbarkeit im Internet erheblich bevorzugt seien, herrsche „keine Waffengleichheit“, wie Söylenis es nannte.

Nicola Lümme, die in Xanten einen Laden mit Geschenk- und Deko-Artikeln betreibt, sprach von der Idee, eine „digitale Fußgängerzone“ im Zusammenschluss mit Geschäften aufzubauen, um den Online-Riesen etwas entgegen zu setzen. In der Umsetzung hake es allerdings noch. Sundermann schlug vor, mit den Stadtwerken und den lokalen Wirtschaftsförderern zusammenzuarbeiten, um die digitale Infrastruktur bereitzustellen.

Ein weiteres wichtiges Thema waren die verkaufsoffenen Sonntage. Gerade eine Stadt wie Xanten würde davon sehr profitieren, da hier viele Tagestouristen in die Innenstadt strömten. René Schneider berichtete, dass es bisher gute Gründe von Seiten der Kirchen und der Gewerkschaften gegen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten gegeben habe. Bettina Reiner von der Werbegemeinschaft Kamp-Lintfort warb dafür, dass die Politik aufgrund der Ausnahmesituation Möglichkeiten schaffen müsse. Der 9. Mai sei so ein Sonntag, der sich dafür anbiete.

Von einem positiven Impuls berichtete Christine Strohm von der Allianz-Vertretung in Kamp-Lintfort. Viele Geschäftsleute hätten kreative Ideen und seien damit auch erfolgreich: So gebe es Läden, die ihre neue Ware auf Whatsapp präsentieren würden, wo die Kunden sie dann sofort bestellen und später im Laden abholen könnten. Auch Sebastian Scholten hat sich mit seinem alteingesessenen Schuhgeschäft in Xanten einiges einfallen lassen. Er sei sogar schon bis nach Dinslaken gefahren, um einem Kunden die bestellte Ware zu liefern. Jedoch sei dies alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein und letztendlich eine „Nullnummer“, die ihn nur vor dem Ruin rette. Er zeigte sich enttäuscht von den Hürden, die aufgebaut würden, um von den Überbrückungshilfen zu profitieren, die Händler für den Ausfall des Wintergeschäfts bekommen sollten.

Es sei dringend erforderlich, dass die Menschen wieder in den Städten einkaufen dürften. Schließlich hätten die Geschäfte sinnvolle Hygienekonzepte. Schneider und Sundermann zeigten Verständnis für den Unmut der Händler und versprachen sich für deren Belange so gut wie möglich einzusetzen. René Schneider konnte den Widerspruch zwischen dem Versprechen, „verlässliche Perspektiven für den Handel“ zu schaffen, und der Feststellung, von „Gerechtigkeit“ könne bei den Maßnahmen keine Rede sein, nicht aufheben. Hoffnung setzten der Landtagsabgeordnete und die betroffenen Einzelhändler in die nun beschlossenen schrittweisen Öffnungen in Kombination mit größerer Reichweite von Impfungen sowie zunehmenden Testungen.