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Kamp-Lintfort: Eine große Chronik für Rossenray

Ortsgeschichte in Kamp-Lintfort : Eine große Chronik für Rossenray

Der pensionierte Stadtarchivar Albert Spitzner-Jahn hat sich auf eine spannende Spurensuche in den Kamp-Lintforter Stadtteil Rossenray gemacht. Ergebnis ist eine neue Stadtteilchronik, die ab sofort erhältlich ist.

Für viele Kamp-Lintforter ist es eine klare Sache: Rossenray liegt aus Richtung Moers kommend rechts neben der Nordtangente – dort, wo sich die Kiesbagger tief ins Erdreich graben, wo die MVA Asdonkshof seit 25 Jahren ihren Sitz hat, wo die Bäckerei Büsch heute ihre Backwerkstatt betreibt und der Lebensmitteldiscounter Lidl sein Zentrallager hat. Damit liegen sie jedoch falsch. Der Kamp-Lintforter Stadtteil ist weitaus größer als viele glauben: Bis zum Tor Ost und darüber hinaus zieht sich Rossenray bis zur Franzstraße und zum Volkspark. „Manche Bewohner glauben, sie gehörten zur Altsiedlung. Es handelt sich aber tatsächlich um Rossenray. Es ist ihnen gar nicht so bewusst“, sagt Albert Spitzner-Jahn, der langjährige Stadtarchivar in Kamp-Lintfort, der auch im Ruhestand gerne ein paar Stunden in der Woche an seiner alten Wirkungstätte in der Stadtverwaltung zurückkehrt.

Der heute 4000 Einwohner zählende, nordöstliche Teil Kamp-Lintforts ist ein geschichtsträchtiges Quartier und hat viele Gesichter. Das hat Albert Spitzner-Jahn in seiner neuen Broschüre „Rossenray – aus der Geschichte eines Kamp-Linforter Stadtteils“ auf insgesamt 164 großformatigen Seiten in spannenden und informativen Texten herausgearbeitet. Nach den Stadtteilen Niersenbruch, Geisbruch und Gestfeld legt er mit Rossenray die vierte Veröffentlichung zur Siedlungsgeschichte Kamp-Lintforts vor.

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Darin spannt er einen Bogen von den ersten Besiedlungszeugnissen aus der Steinzeit bis heute. „Wenn wir etwas über Kamp-Lintfort wissen wollen, schauen wir beim ,Spitzner-Jahn‘ nach“, betonte Bürgermeister Christoph Landscheidt am Dienstag lobend bei der Vorstellung der Broschüre in der Alten Schule Rossenray. Spitzner-Jahns intensiv recherchierten Arbeiten seien so erkenntnisreich. Die Geschichte des Rossenrayer Schulwesens ab 1792 bis 1965 beleuchtet der studierte Germanist und Stadtarchivar in der neuen Chronik ebenso wie die traditionsreiche Historie der St.-Bernhardus-Bruderschaft Rossenray, die in diesem Jahr 726 Jahre besteht. Ein Kapitel widmet er dem historischen Schützensilber und allen Schützenkönigen seit 1667. Im Fokus steht auch die Bauernschaft und Landgemeinde Rossenray. Hier stellt Spitzner-Jahn bekannte Bauernfamilien wie Asdonk, Baaken, Behmer, Dormann, Nimmendohr, Polm und Witthof vor. Im Kontrast dazu erläutert er, wie der Stadtteil ab 1927 dann auch zur „Arbeiterwohnsitzgemeinde“ wurde. Damit meint er den Bereich von Boegenhof-, Jahn- bis Zeppelinstraße. Ein weiteres Kapitel widmet der Autor dem Steinkohlebergbau vom ersten Abteufversuch um 1909/11 durch die Zeche Centrum der Rheinischen Stahlwerke AG bis zur Stilllegung des Bergwerks West im Jahr 2012. Pünktlich zum Jubiläum der MVA Asdonkshof, die vor 25 Jahren in Betrieb ging, fasst Albert Spitzner-Jahn Planung, Bau und Betrieb im Entsorgungszentrum zusammen und erinnert an die Anfangsjahre, als der Bau der Anlage massive Kritik erfuhr. Den Kiesabbau, der im Rossenray noch heute aktiv ist, thematisiert er ebenso wie die Eingliederung des Rheinberg War Cemetery, des „englischen Soldatenfriedhofs“, nach Rossenray im Zuge der kommunalen Gebietsreform von 1975. Der Autor, der sich selbst als „ein Aktenmensch“ bezeichnet, hat gut ein Jahr an der neuen Stadtteilgeschichte gearbeitet. Viele Quellen, auf die er sich in der Veröffentlichung bezieht, hat er schon während seiner Dienstjahre gesammelt und archiviert. Dennoch stößt er immer wieder auf auch für ihn überraschende Fakten: „Das erste Hochhaus in Kamp-Lintfort wurde 1959 am Tor Ost errichtet – an der Rheinstraße 1a. Es war damals sogar ein Motiv, das man immer wieder auch auf Postkarten fand. Das Hochhaus sollte wohl in den Nachkriegsjahren das neue Entree zur Stadt markieren“, hat Spitzner-Jahn recherchiert. In den Berichten von damals seien besonders die Versorgung mit Strom und Warmwasser hervorgehoben worden. „Es gab sogar eine Waschküche mit elektrischen Waschmaschinen“, berichtet der Autor schmunzelnd.

Bürgermeister Christoph Landscheidt und Kulturdezernent Christoph Müllmann hoffen, dass die Veröffentlichung vielleicht auch zu einer größeren Identifikation der Bewohner mit ihrem facettenreichen Stadtteil führt. Weitere Infos unter www.kamp-lintfort.de.