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Kamp-Lintfort: Eine große Chronik für den Geisbruch

Buchvorstellung in Kamp-Lintfort : Eine große Chronik für den Geisbruch

Albert Spitzner-Jahn hat sich auf eine spannende Spurensuche in dem Kamp-Lintforter Stadtteil gemacht. Ergebnis ist eine neue Stadtteilchronik, die ab sofort erhältlich ist. Der Bezirk ist eng mit dem Bergbau verbunden.

Jedes Viertel hat ja so seine Besonderheiten. Im Geisbruch, dem westlich gelegenen Stadtteil Kamp-Lintforts, verweisen Straßennamen aber sogar auf Begebenheiten, die es dort gar nicht gibt: So führt die Bahnhofstraße zu gar keinem Bahnhof. Albert Spitzner-Jahn, langjähriger Stadtarchivar, hat die Besiedlungsgeschichte des Geisbruchs unter die Lupe genommen und aufgeschrieben.

Ergebnis ist ein 250 Seiten starkes Buch über den mit mehr als 8000 Einwohnern am stärksten besiedelten Stadtteil. Herausgeber ist die Stadt Kamp-Lintfort. Spitzner-Jahn fasst in der Chronik nicht nur historisch interessante Fakten zusammen, sondern beantwortet auch viele Fragen. So zum Beispiel: Heißt es nun „der“ oder „das“ Geisbruch. „Ja, die Frage ist mir schon oft gestellt worden“, sagte der Stadtarchivar schmunzelnd, der am 1. April in den Ruhestand ging. „Es heißt: der Geisbruch.“ „Geis“ stehe für eine trockene und sandige Stelle, „bruch“ hingegen für einen feuchten Bereich.

Und auch für die „Kunst am Bau“ an der Mittelstraße hat er eine Erklärung gefunden. Dort stehen sechs Wohnhäuser, die jeweils eine Wandmalerei über dem Eingang haben. Sie zeigen deutsche Architekturmotive und stammen von dem Würzburger Künstler Ludwig Martin aus dem Jahr 1958. Die Entwicklung des Stadtteils ist jedoch aufs Engste mit dem Bergbau in Kamp-Lintfort verbunden. „Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es hier nur eine vereinzelte ländliche Besiedlung. Einige Bauernhöfe und Katen für Landarbeiter zeugen noch heute davon“, weiß Albert Spitzner-Jahn. Erst ab den 1950er Jahren wuchs der Geisbruch Wohnblock um Wohnblock. „Impulsgeber und Finanzier war der Bergbau. Die erste großflächige Bebauung wurde als Bergmannssiedlung bezeichnet“, so der Autor.

Das nicht ohne Grund, wie Bürgermeister Christoph Landscheidt am Freitag bei der Buchvorstellung berichtete: „Es herrschte damals Aufbruchstimmung. Manche gingen davon aus, dass in Kamp-Lintfort einmal 80.000 Menschen leben würden.“ Und Albert Spitzner-Jahn weiß zu berichten: „Beim Aufbau von Rossenray rechnete man damals mit 20.000 Arbeitern. Eine Illusion.“

In seinem Buch „Der Geisbruch. Aus der Geschichte eines Kamp-Lintforter Stadtteils“ informiert er nicht nur über die ersten Siedler im 19. Jahrhundert, sondern über die unterschiedlichsten Aspekte. In den Kapiteln geht es um das Bauen mit Hauszinssteuer- und Gemeindehypotheken, um die Ansiedlung von Geschäften und Dienstleistern, um das Postamt, die Kirchen, das Knappenheim und das Kasino. Einen Schwerpunkt bildet das St.-Bernhard-Hospital im Herzen des Stadtteils. Das Krankenhaus ist seit der Schließung des Bergwerks der größte Arbeitgeber in der Stadt.

Albert Spitzner-Jahn hat bereits eine erste Stadtteilchronik über den Nachbarstadtteil Niersenbruch veröffentlicht. Sie erschien bereits 2017 in einer Gesamtauflage von 800 Exemplaren.