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Kamp-Lintfort: Ein Stolperstein für Anton Andrzejcak

Geschichte in Kamp-Lintfort : Ein Stolperstein für Anton Frank Andrzejcak

Neun Europaschüler recherchieren den Lebens- und Leidensweg des Kamp-Lintforter Bergmanns. Er kam am 31. Juli 1943 als Zwangsarbeiter bei der Entschärfung eines Bombenblindgängers ums Leben. Die Schüler wollen ihre Erkenntnisse in einer Art Web-Logbuch veröffentlichen.

In Kamp-Lintforts Nachbarstadt Moers wurden bisher mehr als 120 „Stolpersteine“ zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten verfolgten Bürger und Bürgerinnen verlegt. In der Hochschulstadt sind es bisher nur fünf. Auf Anregung des SPD-Politiker Michael Hänsel sollen in den nächsten Monaten jedoch noch fünf weitere dazu kommen.

Dabei wird einer von ihnen dem ehemaligen Kamp-Lintforter Bergmann und Mitglied der Kommunistischen Partei Moers Anton Frank Andrzejcak gewidmet sein, der am 31. Juli 1943 als Zwangsarbeiter in einem Remscheider Nazi-Zuchthaus bei der Entschärfung eines Bombenblindgängers ums Leben kam. Andrzejcak steht zugleich im Mittelpunkt eines an der Europa-Schule durchgeführten Geschichts-Projekts, an dem neun Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen neun und zehn zurzeit arbeiten. Seit Beginn des neuen Schuljahres haben sie die Verfolgung von Anton Andrzejcak und seine Leidensgeschichte anhand von alten Gestapo-Akten studiert und beschlossen, ihre dabei gewonnenen Erkenntnisse am Ende in einer Art Web-Logbuch auf der Internetplattform Instagram zu veröffentlichen.

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„Wie das genau aussehen wird, daran arbeiten wir zurzeit noch“, erklärte der für das Projekt zuständige Geschichtslehrer Damian Brendicke am Donnerstag. Bis jetzt haben sich die Schülerinnen und Schüler seiner Gruppe vor allem mit den von Michael Hänsel zur Verfügung gestellten Gestapo-Unterlagen beschäftigt. Am 18. Mai werden sie jedoch zusätzlich nach Brauweiler fahren, um in der dortigen Gedenkstätte noch mehr über Anton Andrzejcak zu erfahren. Hier war der Kamp-Lintforter Bergmann in einem der vielen Nazi-Zuchthäuser vom April 1933 bis zum Februar 1934 eingesperrt und gefoltert worden. Ein Jahr später erfolgte seine zweite Verhaftung. Diesmal kam er in jenes Remscheider Arbeitslager, in dem er bei der Entschärfung eines Bombenblindgängers getötet wurde.

„Ich mache bei dieser geschichtlichen Arbeitsgemeinschaft mit, weil man dabei etwas über die Vergangenheit erfährt und lernt“, begründete die 16-jährige Celebi Özge-Özden ihre Teilnahme an dem Geschichtsprojekt. Wie ihre Mitschüler wird sie wahrscheinlich im Juni bei der Stolperstein-Verlegung vor Anton Andrzejcaks Wohnhaus an der Kattenstraße 65 mit dabei sein und sich vielleicht auch mit ihrer Gruppe an der Gestaltung des Ereignisses beteiligen. Ob und in welcher Form, darüber werden Damian Brendicke und seine Schüler jedoch erst nach ihrem Besuch in der Gedenkstätte Brauweiler entscheiden. „Danach wird es erstmal noch einen intensiven Workshop zu den dort gewonnenen Eindrücken geben, und dann überlegen wir uns, was wir da machen werden“, erklärte er: „Im Augenblick sind wir gerade dabei, die Informationen aus den alten Gestapo-Akten in eine für uns heute aktuelle Sprache zu übersetzten.“