Kommunalwahl 2020 Wahl-Wanderung Ein riesiger Platz – nicht aber zum Verweilen

Kamp-Lintfort · Mit Heike Schoenfeld im neuen Rathausquartier in Kamp-Lintfort. „Wir haben einen Stadtplatz aus Stein und Beton bekommen“, kritisiert sie. Die RP-Leserin vermisst das Grün und die naturnahe Gestaltung im öffentlichen Raum.

 Heike Schoenfeld führt die RP-Leser durch Kamp-Lintfort.

Heike Schoenfeld führt die RP-Leser durch Kamp-Lintfort.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Der Umbau des Rathausumfeldes ist auf der Zielgeraden. Gewohntes ist verschwunden und viel Neues entstanden: Stadtmobiliar aus Beton und Holz, farblich verschiedene Pflasterbereiche und ein Park mit Rasenfläche und Wasserspiel verändern das Quartier. Dort, wo bis vor einiger Zeit „der Bergmann“ im steinernen Rondell zum Verweilen einlud, erstreckt sich heute ein großer Platz mit freiem Blickfeld bis zum Busbahnhof. Heike Schoenfeld steht mitten auf diesem weitläufigen Platz und sagt enttäuscht: „Ich habe mehr Grün erwartet. Es sieht hier aus wie auf einem Bahnhofsvorplatz, alles ist sehr unpersönlich“, betont sie mit Blick auf die beiden Fahrradstationen links und rechts vom Rathaus.

An der Entwicklung des Rathausumfeldes scheiden sich die Geister, auch Heike Schoenfeld bewegt das Thema. Sie machte die RP anlässlich der Aktion „Wählerwanderung“ zur Kommunalwahl im Herbst auf das neu gestaltete Quartier aufmerksam. Auf dem Spaziergang haben nicht die Politiker das Wort, sondern die Bürger/Wähler selbst. „Wir haben einen neuen Platz aus Stein und Beton bekommen, der ungemütlich wirkt und nicht zum Verweilen einlädt“, findet sie.

2014 waren die Planungen für die das neue Rathausquartier gestartet. Die Verwaltung organisierte eine Planwerkstatt für das groß angelegte Stadtentwicklungsprojekt. Aus vier Entwürfen entschied sich ein Preisgericht für dieses Konzept, das als Umbaumaßnahme „Neues Rathausquartier“ in die Städtebauförderung des Landes NRW aufgenommen wurde. Die Förderung belief sich auf 80 Prozent. Gefördert wurden der Abriss der Bunten Riesen (11,5 Millionen Euro) und die Umgestaltung des öffentlichen Raumes (5,5 Millionen Euro). Letztere ist weitgehend abgeschlossen.

„Ich glaube nicht, dass sich die Leute hier aufhalten. Die neu gepflanzten Bäume sind zu klein und haben zu wenig Laub, um im Sommer Schatten zu spenden“, sagt die Kamp-Lintforterin. „Hier“, sagt sie und zeigt auf die zierlichen Bäume, die wie eine kleine Allee parallel zum Sparkassen-Gebäude neu gepflanzt wurden. „Warum sind sie mit schwarzem Schotter eingefasst? Man hätte auch etwas Blühendes pflanzen können, das Bienen Nahrung bietet. Ich weiß von Naturgärtnern, dass es auch andere Drainage-Möglichkeiten gibt.“

Heike Schoenfeld erinnert an die Aktion „Kamp-Lintfort summt“, die seit einigen Jahren Thema ist. „Es fanden Workshops statt. Nur spiegelt sich das hier nicht wider“, betont sie und blickt hinauf zu den Blumenampeln, die an den neuen Laternen befestigt sind. „Wieder nur Geranien, die den Bienen nichts bieten“, sagt sie. Die Kamp-Lintforterin vermisst innovative und naturnahe Bepflanzungsideen im neu gestalteten Quartier. „Man könnte die Dächer der Fahrradstationen doch begrünen“, wünscht sie sich. „Oder im neuen Park eine Blumenwiese pflanzen, anstatt nur eine Rasenfläche anzulegen“, fordert sie.

Dass die Neugestaltung im Rathausquartier noch nicht abgeschlossen sei und der Platz schon dreckig wirke, ärgert sie. „Das liegt auch an dem hellen Pflaster. Darauf sieht man alles“, sagt Schoenfeld. „Und an den Mülltonnen, die man hier erst suchen muss. Die Leute schmeißen alles einfach auf den Boden“, sagt sie und zeigt auf eine Bank, unter der jemand seinen Abfall hat liegen lassen. „Das müsste stärker geahndet werden“, sagt sie in Richtung Stadtverwaltung. Hundekottütenhalter vermisst sie im neu gestalteten Quartier, eine öffentliche Toilette ebenso.

Beim Bummel durch die Passage zur Mediathek, die sich zur Gesundheitsmeile entwickelt hat, bedauert die Kamp-Lintforterin, dass der Einzelhandel in ihrer Stadt nicht funktioniere. „Das ist für mich ein Phänomen. Es ziehen doch so viele junge Familien her. Doch Bastelläden oder Tante-Emma-Geschäfte siedeln sich gar nicht an.“ Die Pflasterung in der Passage aus dunklen und zunehmend weißen Steinen gefällt der ehemaligen Pharmareferentin gar nicht. „Wer unter Schwindel leidet oder Problemen mit den Augen hat, wird hier große Schwierigkeiten haben. Zumal die Regenrinne in der Mitte ist und der Boden sich zu wölben scheint“, meint sie.

 04.06.2020 , KL KaLi Kamp Lintfort , Spaziergang mit Heike Schoenfeld durch neue/ alte Rathausquartier , Kommunalwahl aus Sicht der BŸrger.

Heike Schoenfeld auf dem Platz vor dem Rathaus.

04.06.2020 , KL KaLi Kamp Lintfort , Spaziergang mit Heike Schoenfeld durch neue/ alte Rathausquartier , Kommunalwahl aus Sicht der BŸrger. Heike Schoenfeld auf dem Platz vor dem Rathaus.

Foto: Christoph Reichwein (crei)
 Das Rathaus-Umfeld wurde umgebaut und neu gestaltet

Das Rathaus-Umfeld wurde umgebaut und neu gestaltet

Foto: Anja Katzke
 Das Rathaus-Umfeld in Kamp-Lintfort wurde umgebaut und neu gestaltet. 2014 begann man mit den Planungen. Die Vollendung ist nicht mehr fern.

Das Rathaus-Umfeld in Kamp-Lintfort wurde umgebaut und neu gestaltet. 2014 begann man mit den Planungen. Die Vollendung ist nicht mehr fern.

Foto: Anja Katzke
 Das Rathaus-Umfeld wurde umgebaut und neu gestaltet

Das Rathaus-Umfeld wurde umgebaut und neu gestaltet

Foto: Anja Katzke
 Das Rathaus-Umfeld wurde umgebaut und neu gestaltet

Das Rathaus-Umfeld wurde umgebaut und neu gestaltet

Foto: Anja Katzke

Altsiedlung, Beamtensiedlung und Pappelsee seien charakteristisch für Kamp-Lintfort, zieht sie während der Wanderung ihre persönliche Bilanz. „Im Umfeld des Rathauses ist aber Bauhaus entstanden. Das passt nicht in die Stadt mit ihren gewachsenen Strukturen“, bedauert sie. Denn wie sich Kamp-Lintfort in den vergangenen Jahren ansonsten verändert habe, sagt sie, das sei toll. „Die Landesgartenschau ist ein Gewinn, Pappelsee und Kloster Kamp – ein Traum.“

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