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Kamp-Lintfort: Ein neuer Blick aufs Kloster - jetzt digital.

Kunst in Kamp-Lintfort : Ein neuer Blick aufs Kloster – jetzt digital

Ein virtueller Rundgang durch die Fotoausstellung „Mit neuen Augen – ein anderer Blick auf Kloster Kamp“ im Museum Kloster Kamp. Frank Reinert hat einen Blick fürs Detail. Die RP zeigt online einige der Fotografien.

Der Sekt ist kalt gestellt, die Ausstellung im Museum Kloster Kamp hängt: Es fehlen allein die Besucher, die Kunstfreunde, die sich auf den „anderen Blick auf das Kloster Kamp“ einlassen wollen. Das Coronavirus ließ auch die Eröffnung der groß angelegten Ausstellung mit Arbeiten des Fotografen Frank Reinert zur Landesgartenschau 2020 in Kamp-Lintfort platzen. „Es ist ganz furchtbar. Es ist, als hätte man für eine große Gesellschaft eingekauft, um ein herrliches Mahl vorzubereiten. Sie stehen in der Küche, und es kommt niemand“, sagt Peter Hahnen, Geschäftsführer des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp. Um Mitarbeiter, Besucher und Gäste vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen, schloss auch das Zentrum in der vergangenen Woche seine Pforten. „Ich bin schon traurig“, sagt Fotograf Frank Reinert. „Aber es kann ja niemand etwas dafür.“ Der Grafschafter lädt die Kunstfreunde stattdessen am heutigen Tag zum einen virtuellen Rundgang ein.

 Na? Wo findet sich das Motiv: Frank Reinert fotografierte nur Details.
Na? Wo findet sich das Motiv: Frank Reinert fotografierte nur Details. Foto: Frank Reinert

Unzählige Male, unzählige Stunden war Frank Reinert in den letzten zwei Jahren auf dem Kamper Berg mit der Kamera unterwegs. Der Kamp-Lintforter ist auf Einladung des Geistlichen und Kulturellen Zentrums in die jahrhundertealte Geschichte eingetaucht und hat entdeckt, was sonst leicht übersehen wird oder im Trubel des Touristenstroms untergehen kann. „Mit neuen Augen – ein anderer Blick auf Kloster Kamp“ lautet denn auch der Titel der Ausstellung, die nun auf ihre Eröffnung wartet. Wann das sein wird? Das ist ungewiss. „Der Titel ist eine Anspielung auf das Motto des Geistlichen und Kulturellen Zentrums“, erläutert Peter Hahnen. Der Leiter des Zentrums hat den Fotografen und Musikproduzenten vor fünf Jahren kennengelernt. „Er war auf Kamp und fragte, ob er dort fotografieren dürfe. Ich lernte einen tollen Mann kennen, der einen ganz besonderen Blick fürs Detail hat. Einen Blick für Zusammenhänge, die wir nicht immer so sehen“, berichtet Hahnen begeistert. 25 Fotografien warten im Museum Kloster Kamp nun auf ihre Betrachter. „Sie sind einfach herrlich und unheimlich ansprechend. Das Beste aber ist: Sie haben etwas Verrätseltes“, beschreibt Hahnen die Arbeiten. Frank Reinert fotografierte nicht die Motive, die alle schon kennen. Er schaute genau hin. „Ich habe ganz oft gesagt: Das ist doch nicht hier auf Kamp. Und wurde eines Besseren belehrt“, erzählt Hahnen. So zeigt eines der Bilder eine Fratze aus Holz: Sie ist Teil eines Bilderrahmens, der in der alten Prälatur hängt und das Porträt des ersten Zisterzienser-Abtes auf Kamp zeigt. Für eine andere Fotografie legte sich Frank Reiner im Bernhard-Zimmer auf den Boden und fotografierte von unten durch den Kronleuchter die Decke. Ein weiteres Foto zeigt die Abteikirche aus der Perspektive des Orgelprospektes. Wo Frank Reinert das geflügelte Herz entdeckte, das er vier Mal verschieden einfärbte, wird hier nicht verraten. „Das Bild erzählt von Liebe“, betont Hahnen. Die 25 Fotografien stammen aus einer Vorauswahl von 400. „Ich war alle zwei Wochen dort oben“, erzählt der Fotograf. „Allein der Garten sieht ja in jeder Jahreszeit anders aus. Die 400 waren nur ein Bruchteil der Fotos, die ich gemacht habe.“ Aktuell plant Reinert eine digitale Ausstellung seiner Bilder, eine Strecke mit Dias, die mit ruhiger Musik unterlegt ist, um sie den Kunstfreunden schon mal virtuell zu zeigen. Die Ausstellung in der Schatzkammer des Klosters Kamps soll bis zum 25. Oktober hängen bleiben. Die aktuelle Lage trifft das Zentrum hart: „Es ist existenzgefährdend“, betont Hahnen. „Auch uns fehlen die Einnahmen, um das Haus am Laufen zu halten und die Fixkosten zu tragen.“ Das Zentrum wird von einem Verein getragen und ist auf Unterstützung angewiesen. „Uns hilft kein Rettungsschirm.“ Er hofft auf die Spendenbereitschaft der Gäste. Das Spendenkonto findet man auf der Homepage des Zentrums.

Rundgang auf www.rp-online.de/kamp-lintfort; mehr bei Facebook unter „Frank Reinert – Photographie“ und www.kloster-kamp.eu