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Kamp-Lintfort: Ein Besuch in der Moschee am Baggersee

Auf Tour in Kamp-Lintfort : Ein Besuch in der Moschee am Baggersee

Mustafa Klanco ist dienstältester Imam Deutschlands. Seit 37 Jahren ist er als Seelsorger tätig und betreut die bosnisch-islamische Gemeinschaft an der Haarbeckstraße. Am Donnerstag war Landtagsabgeordneter René Schneider zu Gast.

Sommer, Sonne, Sommertour heißt es für René Schneider zum zehnten Mal. Der SPD-Landespolitiker hat mit seinem Team sieben interessante Orte zusammengestellt, an denen er mit Menschen ins Gespräch kommen und sich über Projekte informieren möchte. Unter dem Motto „Am Wasser gebaut“ werden bis Mitte August beispielsweise ein renaturierter Bachlauf in Alpen, die Xantenter Südsee und ein umstrittenes potentielles Auskiesungsprojekt in Neukirchen-Vluyn besucht. Die Tour quer durch den Wahlkreis startete am Donnerstag in Schneiders Heimat Kamp-Lintfort. Die bosnisch-islamische Gemeinschaft Dzema´at mit ihrem Imam Mustafa Klanco hatte die Türen der Moschee an der Haarbeckstraße geöffnet und empfing die Besucher mit Herzlichkeit und selbstgebackenem Kuchen.

Vor zehn Jahren hatte sich Schneider hier als Kandidat vorgestellt, ist seitdem unter anderem über den Integrationsrat der Stadt und den Theologenkreis in Kontakt mit dem Imam. Schneider sagte, er schätze die Bemühungen um den interreligiösen Dialog sehr, den der Theologenkreis als lockerer Zusammenschluss der Religionen und Konfessionen seit 25 Jahren in der Stadt betreibe. Klanco sei ein toller Vermittler und Erklärer der verschiedenen islamischen Strömungen. Die Kontinuität seiner Arbeit sei bewundernswert und einzigartig. Tatsächlich ist Mustafa Klanco der dienstälteste Imam Deutschlands. Seit 37 Jahren ist er als Seelsorger tätig. Und das mit ganzem Herzen. „Er ist für alle da, jederzeit ansprechbar, Zuhörer und Helfer mit Rat und Tat“, bestätigte Mitarbeiterin Enisa Aljic. In dem Gebäude an der Haarbeckstraße ist die Gemeinde, die 1984 von bosnischen Bergleuten gegründet wurde, seit Anfang der Neunziger Jahre beheimatet. Während des Jugoslawien-Krieges, als insgesamt 2300 bosnische Flüchtlinge nach Kamp-Lintfort kamen, war hier ihre wichtigste Anlaufstelle. Die Zahl der Familien hat sich im Laufe der Zeit vervielfacht. Allein in den letzten drei Jahren seien 100 neue Menschen dazu gekommen.

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Heute sind es nicht mehr die Flüchtlinge, aber eine große Zahl an Arbeitsmigranten, die hier in Deutschland ihr Glück und eine neue Heimat suchen: als Pflegekräfte beispielsweise oder auch als Ingenieure. „In Bosnien sind aktuell 500 Dörfer leer und verlassen“, so der Imam. „Unsere Hausaufgabe ist es, die Menschen hier zu empfangen und aufzunehmen.“ Und das tun sie nach Kräften. Rund 500 Familien aus der Region treffen sich hier zum Freitagsgebet, zum Islam-Unterricht, zu Spielfesten im Garten, zum Zucker- und Opferfest sowie zum Treffen der islamischen Jugend- und Frauengemeinschaften. Der Imam ist dankbar für alles, was die Stadt Kamp-Lintfort der Gemeinschaft in den vergangenen 30 Jahren ermöglicht hat. So konnten in den Jahren 1995 bis 1997 die Räumlichkeiten ausgebaut und ein Minarett gebaut werden. Auch wenn es nur symbolisch ist und hier kein Muezzin zum Gebet ruft – die Gemeinde ist stolz auf ihr Minarett, von dem aus man auf den benachbarten Baggersee blicken kann. Ebenfalls froh ist man, dass vor 25 Jahren eine Parzelle auf dem Friedhof Dachsberg für alle Muslime Kamp-Lintforts eingerichtet wurde. René Schneider würde sich freuen, wenn die im Integrationsrat engagierten muslimischen Mitbürger sich auch für eine Partei in den Stadtrat wählen ließen.

Klanco würde das auch begrüßen. Zurzeit sei seine Berührung mit dem Rathaus eher praktischer Natur: Er warte auf die Genehmigung für weitere Parkplätze an der Moschee. René Schneider bot sofort seine Vermittlung an. Kurz nach dem Treffen konnte er vermelden, dass der Parkplatz genehmigungsfähig ist.