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Kamp-Lintfort: Die Kammermusik wird stürmisch gefeiert

Konzertfest in Kamp-Lintfort : Kammermusik wird stürmisch gefeiert

Die Zuhörerschaft in der Stadthalle Kamp-Lintfort war voll des Lobes für den Mut der Veranstalter, das Kammermusikfest stattfinden zu lassen.

Im vergangenen Jahr mussten die Musikfreunde der Region eine bittere Enttäuschung hinnehmen, als das traditionelle Kammermusikfest Kloster Kamp, das seit 2004 jeden Sommer das „klingende Kloster“ auf dem Kamper Berg in eine Bühne für die Welt verwandelt, wegen der Pandemie abgesagt werden musste. „Um so mehr freuen wir uns, jetzt wieder hier sein zu dürfen“, erklärte der Künstlerische Leiter Alexander Hülshoff am Donnerstag dem Publikum in der gut besuchten Stadthalle zum Eröffnungskonzert der 17. Ausgabe des Festivals. Um „auf der sicheren Seite zu sein“ und „das Risiko für alle so gering wie möglich zu halten“, findet das Musikfest in einer kleineren Version statt: mit nur neun Musikern, mit vier Konzertprogrammen, jeweils ohne Pause und ohne Gastronomie und an nur drei Veranstaltungsorten.

Die öffentlichen Proben wurden ausschließlich im Schirrhof durchgeführt, der sich als neu hinzugekommener Veranstaltungsort bestens bewährt hat. Die Vorfreude der Besucher konnte das alles nicht schmälern, und so waren auch diesmal die ersten Festivalkonzerte bereits kurz nach Vorverkaufsbeginn ausgebucht. Auch die Sponsoren haben dem Kammermusikfest ihre Treue bewiesen. „Wir danken vor allem unseren Hauptförderern – den Stadtwerken Kamp-Lintfort, der Volksbank Niederrhein, Wellings Parkhotel und insbesondere der Stadt Kamp-Lintfort – für die Unterstützung in diesem und das Dranbleibem im letzten Jahr“, sagte Alexander Hülshoff, der eine optimistische Prognose wagt: „2022 wird dann alles wieder normale Größe haben.“ Die Pandemie-Version des Kammermusikfests startete mit zwei Schlüsselwerken der Romantik: Felix Mendelssohn Bartholdys Trio op. 49, das Robert Schumann als „das Meistertrio der Gegenwart“ bezeichnete, und Johannes Brahms’ Quartett op. 25, mit dem der Hanseat 1862 als Komponist und Pianist in Wien debütierte. Mendelssohns Trio, das rasch zu den populärsten Werken seines Schöpfers avancierte, entstand während glücklicher Tage, die der Komponist unter anderem am Rhein verbrachte. Trotz der Moll-Tonart ist es von jugendlichem Schwung geprägt, geeint mit Kantabilität und Leichtigkeit. Den Klavierpart hatte Mendelssohn später noch einmal überarbeitet und virtuoser gestaltet, wodurch er den beiden Streichern als eigenständige Klangwelt gegenübersteht. Eine Herausforderung, die Festivalpianist Yannick Rafalimanana mit gewohnter Souveränität und Geschmeidigkeit zu meistern verstand.

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Während der gesamten Darbietung war er der Garant für eine überzeugende Durchsichtigkeit und Ausgeglichenheit des Trio-Klangs, die er in gemeinsamer Sichtweise mit dem Geiger Timothy Braun und der Cellistin Katharina Apel präsentierte. Auch wenn die insgesamt eher zurückhaltende Interpretation die Gefahr einer unverbindlichen Glätte nicht immer vermeiden konnte, erlebte das Publikum einen von weichem Wohllaut und Harmonie geprägten Festivalauftakt.

Weniger beschaulich ging es weiter mit Brahms, lebhaft spritzig gespielt von Roland Krüger (Klavier), Anna Heygster (Violine), Simone von Rahden (Viola) und Alexander Hülshoff (Violoncello), deren Quartettspiel an Intensität, an Eleganz im Ton und an technischer Souveränität keine Wünsche offen ließ. Immer wieder ragten im kammermusikalischen Klangbild eigene Akzente heraus, die den gemeinsamen Ausdruck zu einem brillanten Zusammenspiel abrundeten und im abschließenden Rondo alle Zingarese ihren rhythmisch akzentuierten Höhepunkt erreichten. Ein klangliches Juwel, das als eins der großen Musikerlebnisse des diesjährigen Festivals stürmisch gefeiert wurde.