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Kamp-Lintfort: „Die 70 Jahre gingen wie im Flug vorüber“

Gnadenhochzeit in Kamp-Lintfort : „Die 70 Jahre gingen wie im Flug vorüber“

Elisabeth und Johannes Davids in Altfeld feiern die Gnadenhochzeit. Seit 70 Jahren sind sie ein Ehepaar, das seither gemeinsam alle Herausforderungen des Lebens meisterte. Die Nachbarn haben den Türeingang geschmückt.

Den Türeingang von Elisabeth und Johannes Davids haben die Nachbarn geschmückt. Blühende Rosen haben sie in den Türkranz eingebunden, um das besondere Ereignis zu würdigen. Das Ehepaar Davids feiert das 70-jährige Ehejubiläum. Diesmal in kleiner Runde und auf Abstand mit Freunden und Nachbarn. „Im engsten Kreis kommt die Familie zusammen“, sagt Elisabeth Davids. 1950 haben sie geheiratet. „Die 70 Jahre sind ruckzuck, wie im Flug vergangen. Kennengelernt haben wir uns schon zwei Jahre vorher“, erzählt Johannes Davids. Gerade hat er seinen 99. Geburtstag gefeiert und steuert munter auf die 100 zu.

„Wir haben 1948 beim Tanzen in der Wirtschaft bei Kleinlosen in Kamp kennengelernt, da, wo heute die Villa Vigna ist“, erinnert sich seine Frau Elisabeth. Die Nachkriegszeit bestimmte das Leben. Zeit für irgendwelche außergewöhnlichen Freizeitbetätigungen gab es damals nicht. „Am Wochenende tanzen gehen, das war schon schön“, so Elisabeth Davids, die damals mit ihren Eltern in Kamperbruch lebte. Johannes Davids war als Kriegsversehrter zurückgekommen. Dank chirurgischem Geschick konnte im Lazarett in Schlesien nach mehreren Operationen sein Bein gerettet werden, blieb aber steif.

„Der Arzt hat mir eine eisenharte Natur bescheinigt“, betont Johannes Davids. Trotz Handicap erlernte er, genau wie sein Vater Gerhard, den Beruf des Schmieds und Schlossers. Die Werkstatt führte er bis 1988 im elterlichen Haus an der Altfelder Straße. Hinzu kam ein bisschen Landwirtschaft mit Vieh und Garten zur Selbstversorgung. Arbeit gab es genug, die Landwirtschaft stand lange vor ihrer Technisierung und dem Strukturwandel. „Damals wurden die Pferde noch beschlagen“, erzählt Johannes Davids. Seine Frau Elisabeth kümmerte sich um die Familie im so genannten Mehrgenerationenhaushalt. „Meine Eltern und die unverheiratete Schwester meiner Mutter lebten mit uns zusammen“, so Johannes Davids. Heute ist es Tochter Renate, die direkt neben den Eltern an der Altfelder Straße lebt.

Ihre beiden Kinder wohnen mit Familie in Kamp-Lintfort. Zwei Urenkel machen das Glück von Elisabeth und Johannes Davids perfekt. Ihr Patentrezept für eine gemeinsame lange Zeit geben sie auch preis: Zufriedenheit und viele Dinge mit Humor nehmen. „Sicher, wir haben uns auch ordentlich die Meinung gesagt, dann war wieder alles gut. Wir hatten unsere Arbeit. Da ging der Tag schnell rum“, erzählt Elisabeth Davids, die für ihr Leben gern strickt. Für Abwechslung sorgten bei ihrem Mann Johannes die Treffen mit den Kegelbrüdern, den Kamper St. Josef Schützenbrüdern und dem Schützenverein Altfeld-Saalhoff, dem er mit 14 Jahren beitrat.

Schützenkönig sei er jedoch nie gewesen, sagt Johannes Davids, nur einmal mit auf dem Thron. Coronabedingt wird nur im Kleinen gefeiert. Große Feste mit viel Sonnenschein waren es bei den vorherigen Ehejubiläen, zur Diamantenen Hochzeit mit 60 Jahren und vor fünf Jahren zur Eisernen Hochzeit, wie die zahlreichen Familienbilder mit Kirchgang zeigen.