Kamp-Lintfort: Der Schachtturm von Rossenray fällt.

Bergbau in Kamp-Lintfort : Der Schachtturm von Rossenray fällt

Die RAG Montan Immobilien hat am Montag mit dem Rückbau des weit sichtbaren Turms der Schachtanlage Rossenray begonnen. Langfristig soll auf dem Areal ein neuer Gewerbe- und Logistikstandort entstehen.

Bereits vor einem halben Jahr sind die vorbereitenden Bautätigkeiten für den Rückbau des mehr als 100 Meter hohen Schachtturmes gestartet. Die RAG Montan Immobilien ließ in dieser Zeit den Baugrund rund um den Turm so verdichten, dass alle für den Rückbau benötigten Großgeräte einen sicheren Stand haben. Als erstes startet der Abbruch der Sieberei, einem quer zum Turm orientierten Anbau in 20 bis 50 Metern Höhe. Dafür wird zurzeit ein mehr als 60 Meter hoher Seilbagger zusammengebaut. Der eigentliche Abriss des Schachtturms wird in zwei Monaten beginnen. Die RAG Montan Immobilien erwartet einen zusätzlichen 600 Tonnen schweren Raupenkran, der vor Ort montiert wird, um mit den Rückbauarbeiten in 100 Meter Höhe beginnen zu können.

Der Rückbau des Turms ist neben der Sanierung der Fläche eine der Voraussetzungen für die zukünftige Entwicklung der noch unter Bergaufsicht stehenden, 13 Hektar großen Fläche als Gewerbe- und Logistikstandort. Der Entwurf des neuen, allerdings noch nicht verabschiedeten Regionalplans sieht im Bereich des ehemaligen Bergwerkes Rossenray auf einer Arbeitskarte eine 170 Hektar große Fläche als regionalen Kooperationsstandort für Gewerbeansiedlung vor. Dabei handelt es sich um eine neues Instrumentarium zur Flächenausweisung (RP berichtete). Wie Stadtplaner Arne Gogol auf Anfrage unserer Zeitung berichtet, handelt es sich bei Rossenray als regional Kooperationsstandort um ein eher langfristig geplantes Vorhaben.

Die Stadt Kamp-Lintfort wird von diesem neuen Gewerbe- und Logistikstandort nicht so stark profitieren. Es stehen laut Gogol abzüglich bereits bestehender Flächen perspektivisch wohl nur etwa 95 Hektar zur Verfügung. „In dem Bereich haben ja schon Büsch und Lidl ihre Standorte“, erläuterte er weiter. „Außerdem gibt es dort noch Auskiesungsflächen.“ Auch Bürgermeister Christoph Landscheidt geht auf Anfrage unserer Zeitung davon aus, dass Kamp-Lintfort in diesem Bereich künftig eine Fläche von maximal 19 Hektar zur Verfügung stehen werde. Der Regionalplan wird voraussichtlich nicht vor der Kommunalwahl 2020 verabschiedet.

Derweil gehen die Arbeiten auf der ehemaligen Schachtanlage weiter. Die im Zuge des Rückbaus mit den stattfindenden Entgiftungsmaßnahmen anfallenden Reststoffe sollen sorgfältig nach Materialarten getrennt und ordnungsgemäß entsorgt werden. Bautechnisch geeigneter und umwelttechnisch dafür zugelassener Bauschutt werde auf dem Gelände verbleiben und im Zuge der Revitalisierung der Fläche unter anderem zur Verfüllung von Hohlräumen, Erstellung von Baustraßen oder Vorbereitung der landschaftlichen Gestaltung des Areals verwendet.

„Die Rückbautätigkeiten erfolgen im Rahmen des Abschlussbetriebsplanverfahrens (ABP). ABP-Verfahren sind komplexe Verfahren, in deren Verlauf die gesetzlichen Vorgaben zur Beendigung der Bergaufsicht ehemaliger Bergbauareale abgearbeitet werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der RAG Montan Immobilien.

Das gesamte Verfahren führt das Unternehmen im Auftrag der RAG Aktiengesellschaft durch. Die Arbeiten laufen unter behördlicher Aufsicht der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg. Nach der Beendigung der Bergaufsicht würden diese Flächen der neuen Nutzung zugeführt. Alle bautechnischen Maßnahmen werden laut RAG Montan Immobilien kontinuierlich vom Büro Ahlenberg Ingenieure aus Herdecke überwacht. Zudem werden die Leistungen fachgutachterlich durch das Büro Wessling, NL Bochum, begleitet.

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