Kamp-Lintfort: Deponie Eyller Berg wird ein Rasenhügel ohne Bäume

Planung in Kamp-Lintfort : Deponie Eyller Berg wird ein Rasenhügel ohne Bäume

Das Verfahren zur Oberflächengestaltung der Müllhalde läuft. Die Stadtverwaltung sieht die Pläne, die nur eine Rasenbegrünung vorsehen, kritisch. Sie würde sich einen optischen Mehrwert wünschen.

Die Stadt zeigt sich unzufrieden mit der geplanten Begrünung und Gestaltung der Deponieoberfläche am Eyller Berg. Die Art der Maßnahme schließe „jegliche Folgenutzung durch die Stadt Kamp-Lintfort aus und entspricht in keinster weise einem Nachhaltigkeitsgedanken“, heißt es in einer Vorlage für den Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz.

Nach einem im August 2015 geschlossenen Vergleich zwischen der Bezirksregierung und den Deponiebetreibern darf auf der Deponie Eyller Berg bis Ende 2022 Müll abgelagert werden. Danach wird die Oberfläche abgedichtet und die Deponie innerhalb von fünf Jahren komplett rekultiviert. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens für die Erstellung der Oberflächenabdichtung hat die Bezirksregierung die Stadt um eine Stellungnahme aufgefordert. Dazu wird die Verwaltung in der Sitzung des Ausschusses am 8. November berichten.

Nach Darstellung der Stadtverwaltung will die Eyller Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft das Gelände mit einem Rasen begrünen. Die Deponieoberfläche solle „als glatte und ebene Fläche ausgebildet werden“. Vorgesehen seien zudem ein Revisionsweg sowie Treppen, „um die Erreichbarkeit von Revisionsschächten des Entwässerungssystems zu gewährleisten“.

Auf dem Plateau der Deponie sei die Aufstellung eine Photovoltaikanlage geplant. Während die Stadt gegen diese nichts einzuwenden hat, sieht sie die geplante Begrünung kritisch. Zwar sei die ehemals vorgesehene Aufforstung des Geländes aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr möglich. Aber eine reine Rasenfläche erscheint der Stadt dann doch als Billiglösung. „Wir reden über einen grünen Hügel ohne Bäume“, sagte Dezernent Martin Notthoff auf Anfrage unserer Redaktion. Dass andere Lösungen möglich wären, sei an vielen Halden im Ruhrgebiet zu sehen. So fordert die Stadt für den Eyller Berg eine weitere Begrünung durch flachwurzelnde Vegetation (Sträucher oder Bäume, die nicht tief in die Erde wachsen). Im Gegensatz zu der geplanten „kostengünstigsten Alternative“ brächte dies „einen, zumindest optischen, Mehrwert“ für die Bürger, findet die Stadtverwaltung.

Allerdings betonte Notthoff, dass die Wünsche der Stadt rechtlich nicht umzusetzen seien, weil die Begrünung mit Rasen Teil des Vergleichs gewesen sein. Dennoch könnte der Deponiebetreiber aus freien Stücken andere Begrünungen anstreben: Dass dies geschehen wird, glaubt der Dezernent zwar nicht. „Ich lass mich aber gerne überraschen.“

Darüber hinaus fordert die Stadt in ihrer Stellungnahme, dass die im Vergleich von 2015 beschlossene Aufforstung auf Ausgleichsflächen für abgeholzten Wald im Stadtgebiet erfolgt. „Sollte dies nicht möglich sein, sollten diese Flächen so gelegen sein, dass sie dennoch den Bürgern Kamp-Lintforts zur Erholung dienen können.“

Auch der Kreis Wesel hat sich kritisch zur geplanten Abdeckung der Deponie geäußert. Sie bedinge, „dass die Deponiefläche weiterhin und auf Dauer sowohl jeder Form eine land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung als auch der Zugänglichkeit für die Bevölkering entzogen wird“, heißt es in seiner Stellungnahme. Zudem sei mit der Art der Profilierung und Abdeckung des Deponiekörpers eine „dauerhafte Verpflichtung zur engmaschigen Beaufsichtigung und regelmäßigen Pflege und Instandsetzung verbunden.“ Dies widerspreche den Grundsätzen einer nachhaltigen Entwicklung.