Kamp-Lintfort: Das Wunder von Kamp heißt Ehrenamt.

Interview Peter Hahnen : Das Wunder von Kamp heißt Ehrenamt

Der Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp freut sich über mehr als 34.000 Gäste im Jahr 2019.

Herr Hahnen, „Singen wie die Mönche“, ein „Ruhepuls für Groß und Klein“ oder ein „Tag der Stille“ im Kloster Kamp in Kamp-Lintfort. Das Geistliche und Kulturelle Zentrum macht seinen Gästen immer wieder neue interessante Angebote. Was treibt Sie an? Worauf legen Sie die Schwerpunkte?

Hahnen Der Gast entscheidet über die Schwerpunkte, die wir anbieten. Als das Seminar „Singen wie die Mönche“ zum ersten Mal stattfand, haben sich sofort 25 Teilnehmer angemeldet. Sie waren so begeistert, dass sie am liebsten sofort eine Choral-Schola am Niederrhein gründen wollten. Aber ja, wir sind immer auf der Suche nach neuen Angeboten. Und oft entstehen diese durch persönliche Begegnungen. Ich habe Carmen Kempken zum Beispiel bei einem Spaziergang auf dem Kloster-Gelände kennengelernt. Sie erzählte mir, dass sie Entspannungspädagogin ist. Im Gespräch kam die Idee auf, Eltern und Kindern im März im Kloster einen „Ruhepuls“, eine gemeinsame Auszeit, anzubieten. Es gibt bei uns keine langen Entscheidungswege, dafür aber flache Hierarchien. Wir machen einfach und probieren aus. Ich schätze diese kurzen Wege sehr.

Ist das Zentrum heute mehr geistliche oder mehr kulturelle Einrichtung?

Hahnen Für mich sind Religion und Kunst Geschwister. Die Kunst ist transzendent. Sie fragt immer nach dem, was dahinter liegt. In der Religion geht es um die Frage, wie ich die Nähe Gottes erfahre, also nach der Form. Und das kann in der Stille sein, in der menschlichen Begegnung oder in der Musik und in der Kunst. Unsere Adventslesung kann man unter dem literarischen Aspekt genießen. Unter den Zuhörern befinden sich aber immer auch Menschen, die das Spirituelle erfahren. Eine Stärke unseres Hauses ist es, Menschlichkeit zu zeigen und den Besuchern das Gefühl zu geben, dass sie immer willkommen sind. Dies gelingt, weil das Zentrum von Menschen getragen wird, die hier gerne arbeiten. Unser kleines Team wird von 117 ehrenamtlichen Helfern unterstützt, die sich alle freiwillig engagieren und dafür sogar regelmäßig aus Krefeld, Duisburg und Düsseldorf nach Kamp-Lintfort kommen. So zeigt sich die Mentalität unseres Hauses.

Hat sich das Zentrum Kloster Kamp inzwischen etabliert?

Hahnen Auf jeden Fall. Nicht nur in Kamp-Lintfort, sondern in der Region Niederrhein. Die Zahlen sprechen für sich. Wir haben 2019 insgesamt 808 Veranstaltungen angeboten und damit 34.142 Teilnehmer erreicht – so viele wie noch nie. Es fanden 40 Konzerte und 150 Gästeführungen statt. Und auch die Besucherzahlen im Museum Kloster Kamp wachsen gegen den Trend. Dort haben wir im vergangenen Jahr 4468 Besucher begrüßt. Das freut mich besonders, weil das Museum meine besondere Aufmerksamkeit brauchte. Museums-App, mehr Kinder- und Jugendführungen sowie Ausstellungen mit relevanten Künstlern haben sich als richtig erwiesen. Das Museum war 2019 an 300 Tagen geöffnet. Möglich wird dies durch das ehrenamtliche Engagement. Hier kommen wir für das Zentrum auf insgesamt 4000 Stunden. Das ist für mich das Wunder von Kamp.

Bedauern Sie es, dass sich die Galerie Schürmann mit der aktuell laufenden Sambale-Ausstellung aus dem Gewölbekeller verabschiedet?

Hahnen Ich kann Galerist Andreas Verfürth gut verstehen, dass er den städtischen Ausstellungsbetrieb in der Westlichen Orangerie des Terrassengartens übernimmt. Es ist eine Bereicherung. Hier kann es nicht genug Kunst geben. Und für den Ausstellungsort ist das Engagement der Galerie Schürmann auf jeden Fall ein Gewinn. Zu uns ins Zentrum Kloster Kamp kam er ja nur mit einer Ausstellung im Jahr. Unsere Türen werden für ihn immer offenstehen.

Am 17. April startet die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Terrassengarten, Alter Garten und der neu angelegte Paradiesgarten werden die Besucher auf den Kamper Berg locken. Wie kann das Geistliche und Kulturelle Zentrum von diesem Großevent profitieren?

Hahnen Die Frage, welche Vorteile uns die Landesgartenschau bringt, stellen wir nicht. Wir versuchen, die Laga mit unseren Mitteln und Möglichkeiten zu unterstützten. Die zentrale Frage lautet deshalb: Was können wir den Menschen, die von Nah und Fern kommen, im Kloster Kamp anbieten? Wir planen aktuell 200 zusätzliche Veranstaltungen mit einem geistlich-ästhetischen Angebot – ohne eine zusätzliche Planstelle einzurichten.

Sie sind vor sieben Jahren angetreten, das Geistliche und Kulturelle Zentrum breiter aufzustellen und den Schwung der Anfangsjahre zu verstetigen. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Hahnen Ich habe kein fertiges Konzept in der Schublade und keine To-do-Liste für das nächste Jahr. Wir müssen uns immer aufs Neue fragen, was gebraucht wird und womit wir den Menschen etwas Gutes tun können. Das Projekt existiert ja nicht um seiner selbst willen, sondern für die Menschen. Das heißt: Antennen ausfahren und erspüren, was wir mit unseren Mitteln ermöglichen können. Viele Ideen und Angebote wie der Museum-Lunch entstehen spontan. 2023 wird für uns aber ein besonderes Jahr: Vor 900 Jahren gründeten die Zisterzienser das Kloster Kamp. Die Fragen, die sich die Mönche damals stellten, sind noch heute aktuell: Wer bin ich, woher komme ich, wo will ich hin? Wir halten es genauso wie die Zisterzienser damals. Unser Geistliches und Kulturelles Zentrum ist ein offenes Haus. Ich sage gerne: Jeder ist willkommen, auch die nicht so Frommen.