Kamp-Lintfort: Das vergessene Heiligenhäuschen von Wickrath

Tradition in Kamp-Lintfort : Das vergessene Heiligenhäuschen von Wickrath

Hans-Peter Ribbrock aus Hoerstgen hat das Häuschen auf einem Spaziergang wiederentdeckt und möchte es herrichten.

Wie im Dornröschenschlaf liegt das Heiligenhäuschen von einer Eiche beschattet am Wegesrand. Sträucher überwuchern das verwitterte Gebäude an der Klotenstraße in Wickrath, decken es komplett zu. Selbst Hans-Peter Ribbrock wäre auf einen Spaziergang fast an dem kleinen gemauerten Gebäude mit Spitzdach vorbeigelaufen – wenn er sich nicht erinnert hätte, dass es dort doch irgendwo stehen müsste. „Ich habe es an einer ganz anderen Stelle verortet“, erzählt der Hoerstgener. Für ihn hat das Heiligenhäuschen in Wickrath eine ganz besondere Bedeutung.

Entdeckt hatte er es schon in den 1960er Jahren – als Junge auf seinen Streifzügen am alten Bahndamm entlang. „Damals war das Häuschen schon von weitem zu sehen. Es war weiß gestrichen, und es stand eine schöne Marienfigur drin“, erzählt Ribbrock. In seiner Kindheit sei er oft an diesen Ort gefahren, erzählt er. Damals sei er gerade mit seiner Familie aus Waltrop nach Hoerstgen gezogen. „Mein Vater hatte die Bäckerei von der Familie Anhamm gekauft.“ Das war 1957. „In Waltrop stand die erste Zeche, die stillgelegt wurde.“ Später übernahm Ribbrock die Bäckerei und führte sie weiter, bis er selbst in Ruhestand ging.

Wer das Heiligenhäuschen an der Klotenstraße erbaut hat, hat Ribbrock noch nicht in Erfahrung gebracht. Es steht auf öffentlichem Grund. „Ich mag solche Orte der Stille“, erzählt der Hoerstgener, der sich bei den Liberalen in Kamp-Lintfort engagiert. Heiligenhäuschen sind religiöse Kleinbauwerke zum Schutz einer darin aufgestellten Heiligenfigur oder eines Heiligenbildes. Die Häuschen stehen für gewöhnlich an Straßen und Wegen, in freier Landschaft oder mitten im Ort. Am Fuße des Kamper Berges befindet sich beispielsweise eines, aber auch in Wickrath gibt es weitere. „Der Zweck“, so Hans-Peter Ribbrock, „war der Segen von oben für gutes Wetter, gute Ernte und Gesundheit. Die meisten sind noch heute gut gepflegt.“ Heiligenhäuschen waren immer ein Zeichen der Frömmigkeit und Orte der Besinnung. Im Innern befindet sich oft ein altarartig gemauerter Unterbau mit einem nischenartigen Oberbau, der das Bildnis oder die Figur eines Heiligen aufnimmt. Es ist durch ein Gitterwerk geschützt. Heinz-Ribbrock hat schon viele fotografiert. „Ich wollte mal einen Kalender machen lassen“, erzählt er. Der Hoerstgener würde gerne das Heiligenhaus an der Klotenstraße retten und sucht nun Mitstreiter, die bereit sind, ein paar Arbeitsstunden zu opfern, um das Kleingebäude freizulegen. Wer Lust hat, kann sich unter Tel.: 02842 42645 bei ihm melden.